Distrikt 1860Rotary vor Ort

Im Dialog zum Erfolg

von Irmintraut Jost | 
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Distrikt 1860: Frankenthal – Mitgliederwerbung: Der RC Frankenthal / Pfalz stellte sich mit einem Pilotprojekt und flexibler Meeting-Agenda neu auf

Wie werde ich jünger und gleichzeitig attraktiver? Das ist nicht nur ein Thema, das Altersforschung und Kos­me­tik­in­dus­trie bewegt, sondern eine Frage, die sich auch viele Rotary-Distrikte und einzelne Clubs stellen. So liegt der Distrikt 1860 mit einem durchschnittlichen Mitgliedsalter von 63 Jahren ein Jahr über dem Durchschnitt deutscher Rotary Clubs. Bis Ende Februar konnten im laufenden rotarischen Jahr 98 neu gewonnene Mitglieder die insgesamt 109 durch Austritt und Tod verlorenen Mitglieder distriktweit nicht ersetzen.

Der Club Frankenthal/Pfalz hat mithilfe eines strukturierten Change-Prozesses ein Strategiepapier entwickelt und so neue Mitglieder gewonnen, das Durchschnittsalter gesenkt und die Anwesenheitsquote bei Meetings erhöht. Dieser Prozess könnte auch als Anregung oder Blaupause für andere Clubs dienen.

„Health Check“ half …

Für eine Bestandsaufnahme bediente sich der Club Frankenthal/Pfalz des „Club Health Check“, der auf rotary.org angeboten wird. „Ziel war es, eine faktenbasierte Grundlage zu schaffen und ein gemeinsames Problembewusstsein zu entwickeln“, erklärt Kristien Weidenmann, für Öffentlichkeitsarbeit und Berufsdienst ­verantwortlich. Das Ergebnis war eindeutig. Das Problem war die strukturelle ­Ausrichtung der Treffen. Wöchentliche Zusammenkünfte am Abend stellten ­gerade für jüngere (potenzielle) Mitglieder mit Kindern und zeitlich anspruchsvollen Berufen eine Herausforderung dar. In einem ­komplexen monatelangen Dialog zwischen Vorstand und Mitgliedern kristallisierten sich zwei Ziele ­heraus: Gewinnung jüngerer, beruflich aktiver Mitglieder sowie mehr Flexibilität bei der Meeting-Struktur.

… bei der Lösungssuche

Die Lösungsvorschläge erprobte der Club in einer einjährigen Pilotphase: Statt wöchentlich trifft sich der Club nun nur noch jede zweite Woche, und zwar jeden ersten Mittwoch im Monat abends und jeden dritten Mittwoch im Monat mittags – jeweils zu einem Vortrag von externen oder internen Experten sowie Präsentationen potenzieller neuer Mitglieder. Die Meetings werden auch online angeboten, aber mehr als 90 Prozent sind in Präsenz dabei. Zusätzlich lädt der Club monatlich zu optionalen Stammtischen und bietet regelmäßig Familientreffen an. Die Anwesenheitsquote hat sich in der Pi­lot-pha­se von 39 Prozent auf 68 Prozent gesteigert und von den vier neu gewonnenen Mitgliedern sind drei Anfang 30.

Auch die Clubreisen ­erfreuen sich inzwischen größerer Beliebtheit. Von 57 Mitgliedern haben sich für die Tour im Mai 30 Rotarierinnen und Rotarier angemeldet. Nach erfolgreicher Pilotphase ist die neue Struktur nun in den Clubstatuten verankert. Fazit von Kristien Weidenmann: „Der offene, faktenbasierte Dialog war ganz wichtig. Wir haben außerdem nicht auf Defizite geschaut, sondern uns an unseren Stärken orientiert. Die Pilotphase hat es für alle Beteiligten einfacher gemacht, die Änderungen ­mitzutragen.“


 

In Kürze: 46.000 Brillen für Sri Lanka

Mit einer außergewöhnlichen Hands-on-Gemeinschaftsaktion hat der RC St. Ingbert rund 46.000 Brillen mit einem Wert von etwa 700.000 Euro nach Colombo versendet. Mit Unterstützung des neu gegründeten Rotary Clubs für Elementarbildung und der Organisation Brillen ohne Grenzen konnten allein 36.000 Brillen aus deren Lager in Oberkirchen bereitgestellt werden. Die Brillen stammen aus Spenden verschiedener Hersteller aus Deutschland und Frankreich. Die Logistik, Lagerung und Zollformalitäten übernimmt das St. Ingberter Unternehmen Trucktec. Die Brillen gehen an das Krisenzentrum „­Disaster Management ­Centre“ in Colombo, von dort wird verteilt.