Distrikt 1950Rotary vor Ort

„Frieden ist ein großes Puzzle“

von Matthias Gehler | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Distrikt 1950: Erfurt Ein Gespräch mit Henryk Balkow (RC Erfurt-Gloriosa), seit 2022 aktiver Helfer für die Opfer des Ukraine-Kriegs

Vor ein paar Wochen besuchte Balkow das Logistikzentrum des Rotary Passport ClubsUkraine Unity in Lemberg.

Henryk, wie hast du die ­Situation vor Ort erlebt?

Mich hat vor allem diese Gleichzeitigkeit von Krieg und Alltag beeindruckt. Im Logistikzentrum des Clubs herrscht ein enormes Arbeitstempo, es werden nach Feierabend Hilfsgüter sortiert, verpackt und weitergeschickt. Gleichzeitig ist die Bedrohung durch den Krieg ständig spürbar. Da sind die Stromausfälle, Luftalarme durch Lautsprecher und in der App, dazu Berichte von der Front. Die Menschen wirken dabei erstaunlich gefasst. Es ist eine Mischung aus Professionalität, Improvisation und großer Solidarität, die mich tief beeindruckt hat. Das Wort „Resilienz“ möchte aber niemand mehr hören.

Du und dein Club gehören zu denen, die schon seit den ersten Kriegstagen helfen. Was hat sich seit 2022 verändert?

In den ersten Wochen war vieles ungeordnet. Jeder wollte helfen, aber die Transporte kamen oft unkoordiniert an die Grenzen. Heute ist das anders. Durch Menschen wie Fritz Hohnerlein, den Vorsitzenden des Rotary-Länderausschusses Deutschland-Ukraine, wird die Hilfe koordiniert. Er bringt seine Erfahrungen aus der internationalen Entwicklungszusammenarbeit ein. So ist die Unterstützung viel strukturierter geworden. Die internationalen Lieferungen werden gezielt gesteuert. Der Rotary Club Ukraine Unity, allen voran Clubfreund Borys Bodnar, kümmert sich an diesem Knotenpunkt beherzt um die Weiterverteilung. So kommen die Hilfen genau dort an, wo sie dringend gebraucht werden – sei es an der Front oder in zivilen Einrichtungen.

Gab es Begegnungen, die dich besonders bewegt haben?

Ja, sehr. Der Besuch auf dem „Field of Mars“ hat mich tief bewegt. Die vielen Gräber, die Fotos der Gefallenen – überall diese jungen Gesichter an Kreuzen. Besonders nahe ging mir die Geschichte von Roman Gotra, der am Tag meines Besuchs seinen 27. Geburtstag gehabt hätte. Er wollte Journalist werden, hatte Träume und Pläne, aber er verlor wie sein bester Freund an der Front als Held sein Leben. Ich lernte seine Mutter kennen, und sie erzählte berührend von ihrem Sohn, dessen Geschichte ich nun weitertrage.

Welche Konsequenzen ziehst du persönlich aus dieser Reise?

Mir ist noch bewusster geworden, dass Frieden ein großes Puzzle ist und Hilfe nicht bei Sachspenden endet. Es geht auch um Werte, um Freiheit und um die Frage, wie wir langfristig Frieden sichern. Deshalb wollen wir uns künftig stärker in der Friedensarbeit engagieren, etwa mit gemeinsamen Clubprojekten über Grenzen hinweg sowie vor Ort bei uns an Schulen mit „Friedens-brücken“ als Investition in die Zukunft. Denn Frieden beginnt nicht erst nach einem Krieg. Freiheit und Friede müssen immer gelernt und geschützt werden.


 

In Kürze: Distriktkonferenz – Teilnahme noch möglich

Kurzentschlossen? Dann auf nach Würzburg! Am 9. Mai lädt der Distrikt 1950 zur großen Distriktkonferenz in die Mainfrankensäle Veitshöchheim ein. Freuen Sie sich auf inspirierende Begegnungen, starke Projekte und den Festvortrag von Prof. Martin Andree zur „Digitalokratie“. Posterwalk, Musik und Austausch inklusive. Der Tag klingt im Hofkeller der Residenz aus. Spontane Teilnahme ist noch möglich – Anmeldung und Bezahlung vor Ort. Einfach kommen, erleben, vernetzen!