Editorial
von Björn Lange |
| Lesezeit: 3 Minuten

Die Kraft des Singens

„Geduld ist der Begleiter von Weisheit“ – Augustinus von Hippo

Es war ein Abnutzungskampf zwischen Deutschland und Argentinien an diesem 13. Juli 2014. Die zwei Fußball-Giganten neutralisierten sich auf höchstem Niveau. In der 88. Minute brachte Bundestrainer Joachim Löw den 22 Jahre jungen Mario Götze für Alt-Star Miro Klose. Die Statik des Spiels veränderte sich nicht, aber es gab diesen einen Moment, der ganz Fußball-Deutschland erlösen sollte. Im ausverkauften Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro machte Götzes Tor in der 113. Minute Deutschland zum Weltmeister. Dieses Spiel steht sinn-bildlich für die Ära Löw. Er war mit der Mannschaft immer nah dran, blieb aber ohne Titel, bis zu diesem Tag. Das Land glaubte an ihn, seine Philosophie, seine Spielidee. Am Ende wurde die Geduld belohnt, Löws Geduld, Götzes Geduld, die Geduld der Fans.

Dennoch: In Zeiten wie diesen klingt ein Aufruf zu Geduld wie ein Anachronismus. Das Leben drängt nach vorne, und Deutschland hat keine Zeit mehr zu verlieren. Aber Fakt ist: „Geduldigere Menschen sind im Schnitt besser ausgebildet, erreichen höhere Positionen im Berufsleben, verdienen mehr Geld und sind gesünder“, schreibt Matthias Sutter, Direktor des Max-Planck-Instituts in Bonn. Über eine alte Tugend, die in der Schnelllebigkeit der Gegenwart eine neueBetrachtung verdient, lesen Sie ab Seite 32.

Auch Ihre Geduld wird sich auszahlen, liebe Leserinnen und Leser. Schon seit einigen Wochen präsentiert sich unsere Webseite rotary.de in neuem Gewand. Endlich transportiert unser Online-Auftritt das, wofür Rotary in Deutschland und Österreich wirklich steht: eine offene, wertegebundene und zukunftsgerichtete Gemeinschaft, die sich in die großen Fragen der Gegenwart einbringt und so viel Gutes tut. Doch wir stehen noch ganz am Anfang der digitalen Transformation. Sie dürfen gespannt sein, welche weiteren Neuerungen dieses Jahr bringt. Einen kleinen Wermutstropfen darf ich allerdings nicht verschweigen: Auf den neuen Webseiten sind noch nicht alle Funktionen verfügbar. Aber daran arbeiten wir und sind uns sicher, dass Ihnen Ihr neues digitales Zuhause schon bald viel mehr Freude machen wird als das alte. Dazu braucht es nur noch ein kleines bisschen Geduld.

Und auch wir im Verlag werden manchmal auf die Geduldsprobe gestellt. In der Mai-Ausgabe 2025 haben Sie Teil 1 unserer ShelterBox-Reportage gelesen. Unser Redakteur Florian Quanz hatte damals aus der Zentrale im englischen Truro und aus einem Verteilerzentrum in Belgien berichtet. Was wir zeitnah im zweiten Teil nachziehen wollten, war eine Reportage aus einem Katastrophengebiet selbst, in dem ShelterKits zum Einsatz kommen. Wir warteten nicht auf die nächste Katastrophe, sondern auf eine Gelegenheit, einen ShelterBox-Einsatz mit überschaubarem Risiko begleiten zu können. Vor Kurzem hat sich endlich die Möglichkeit ergeben, und Florian Quanz machte sich wieder auf den Weg. Was er nach einem Doppelbeben, drei Taifunen und einer Flutwelle auf den Philippinen erlebte, lesen Sie ab Seite 12.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht

Björn Lange
Chefredakteur

Björn Lange