Raus aus der Routine

Sie sorgen für frischen Wind und neue Perspektiven im Cluballtag: Wir stellen besondere Meetingformate von Rotary Clubs vor, die zeigen, wie inspirierend, verbindend und überraschend ein Meeting sein kann
RC Lüdinghaus: Freunde kochen für Freunde
hier gilt es, Rotary mit allen Sinnen zu genießen“, erklärt Peter Oberhaus vom Rotary Club Lüdinghaus. Er gilt als Initiator des Formates „Freunde kochen für Freunde“. Die Clubfreunde wagen sich mal aus der Komfortzone des Clublokals, wo sie bestens bedient werden. „Etwas füreinander zu tun, ist Hands-on im besten Sinne“, sagt Oberhaus. So mietet sich der Club einmal im Jahr in einer Großküche ein. Das kann zum Beispiel die Küche der örtlichen Familienbildungsstätte sein, die groß genug ist, dass die Clubmitglieder zusammen kochen können. „Bei uns ist Kreativität gefragt. Es soll keiner mit einem Spargelrezept um die Ecke kommen, nur weil gerade Saison ist“, hebt Oberhaus die Ansprüche der Veranstaltung hervor.
Dem RC Lüdinghaus gelingt es mit diesem Event, gleich mehrere Benefits zu generieren. Die Einrichtung, in der gekocht wird, erhält eine Spende, und die Inbounds aus dem Rotary-Jugendaustausch stehen an diesem Abend mit am Herd. „Die bringen Rezepte aus ihrer Heimat mit“, erklärt Oberhaus. Hinzu kommen ein guter Wein und gute Gespräche, und schon ist ein ganz besonderes Meetingformat kreiert. Auf eine andere Art und Weise profitieren ganz viele Rotary Clubs von dieser Idee: Die schicken Kochschürzen und Kochmützen von Club Merchandise gehen auf dieses Event zurück, wie Clubmitglied und Club-Merchandise-Mitinhaber Jan Stimberg erzählt.

RC Bergisch-Gladbach: Lokalzeit
Der Begriff „Plaudermeeting“ wird den allermeisten Rotary Clubs ein Begriff sein. Der Rotary Club Bergisch-Gladbach hat diese Idee unter Federführung von Jörg Schröder weiterentwickelt. Unter dem Namen „Lokalzeit“ trafen sich die Mitglieder in verschiedenen Kneipen. „Wir haben mehrere Kneipen ausgesucht, die sich in der Nähe von Wohnadressen der Freundinnen und Freunde befinden. Dadurch hatte jeder einen kurzen Weg zum Meeting“, erklärt Schröder. So kamen beim ersten Mal etwa vier bis sechs Rotary-Mitglieder pro Kneipe zusammen und plauderten. „Wir haben vorab natürlich jeweils einen Tisch reserviert, um sicherzugehen, dass das Meeting dann auch stattfinden kann.“
Nicht nur in Bergisch-Gladbach, auch in einer Kölner Kneipe wurde ein Tisch reserviert. „Einige Mitglieder unseres Clubs arbeiten in Köln. Deshalb entstand die Idee, ihnen nach der Arbeit einen kürzeren Weg zum Meeting zu ermöglichen.“ Eine nachfolgende Evaluation ergab, dass die Clubmitglieder von dem Kneipenmeeting in kleiner Runde sehr angetan waren und eine Fortsetzung wünschen. „Die wird es definitiv geben“, sagt Jörg Schröder.

RC Hamburg-International/RC Lübeck-Burgtor: Kunstsalon
Es gibt kaum eine Wohnung, in der keine Kunst hängt. Das mag ein Erbstück sein, ein Bild von einer Urlaubsreise, vielleicht ein Poster, dessen Motiv eine besondere Bedeutung für die Sammlerin oder den Sammler hat. Es können auch Designobjekte oder Möbel sein“, sagt Thole Rotermund. Der Kunsthistoriker vom RC Hamburg-International ist eine der treibenden Kräfte beim Kunstsalon. Dieser ist jedoch keine Erfindung des RC Hamburg-International. „Die Idee habe ich vom RC Lübeck-Burgtor mitgebracht“, erklärt Clubfreundin Bettina Billeit.
Gemeinsam setzen sie nun regelmäßig die Idee in ihrem Club um. Sie suchen ein Clubmitglied, das bereit ist, zu sich nach Hause einzuladen. Vor dem Abend des Kunstsalons besucht Thole Rotermund das Mitglied und schaut sich die Kunst an, um darüber erzählen zu können. Am Abend selbst stehen zwar ausgewählte Kunstobjekte im Vordergrund, aber es gibt auch Essen und Getränke. „Jeder bringt was mit“, so Bettina Billeit. Wie bei einem Museumsbesuch wird Eintritt für einen vorher festgelegten guten Zweck gezahlt.
RC Gastein: Wanderung im Fackelschein
Was macht ein Rotary Club im Herzen von Österreich? Natürlich – er wandert. So auch bei der rotarischen Fackelwanderung, zu der der Rotary Club Gastein im Rahmen eines Vollmondmeetings aufbricht. Gestartet wird bei einem Bergbauernhof. Von dort führt der Forstweg hinauf zur Graukogelalm. Bei der Wanderung gehen alle mit: rüstige Senioren, Familien und auch Gäste aus anderen Clubs. Auf dem Weg zur Hütte entstehen gute Gespräche und neue Ideen. Bis die rotarischen Freunde nach rund 45 Minuten bei der Graukogelalm ankommen, ist bereits so mancher Gedanke weitergedacht. Vor der Hütte werden sie mit einem Willkommenspunsch am Feuer empfangen, danach folgt der wohlverdiente Hüttenschmaus und ein gemütlicher Ausklang. Auch wenn der Vollmond scheint, wird der Heimweg schließlich vom Fackellicht begleitet.
Clubmeisterin Gerti Gruber bringt es auf den Punkt:„Diese Wanderung zeigt jedes Jahr aufs Neue, wie gut Gespräche gelingen, wenn man gemeinsam unterwegs ist und sich Zeit füreinander nimmt.“

RC Cottbus: Stand-up-Paddling im Spreewald
Daraus kann schon mal ein Abend- oder Nachtevent werden“, erklärt York Finkbeiner, Clubpräsident des RC Cottbus, schmunzelnd. Einmal im Jahr wagt er sich mit Clubfreundinnen und -freunden aufs SUP-Board. Stand-up-Paddling ist im Club ein Tagesevent, bei dem auch Ehepartner und Kinder herzlich willkommen sind. „Die Kinder sollen später mal erzählen, ich war mit Rotary unterwegs“, sagt Finkbeiner.
Der nahe liegende Spreewald mit seinen unzähligen Flusslaufverzweigungen und Kanälen ist für einen solchen Ausflug ideal geeignet. Seit mehreren Jahren gehört dieses Event im August zum festen Clubprogramm dazu. „Zwei Clubfreunde organisieren den Ausflug“, erklärt Finkbeiner. „Sie legen die Route fest, mieten die Boards an und organisieren das Rahmenprogramm. Nach einer vorher festgelegten Tour kehren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch in eine Gastwirtschaft ein. Der gesellige Abschluss mit Abendessen bei ausgelassener Stimmung rundet den Tag perfekt ab.“
RAC Schwarzwald-Baar: Knifflige Quizfragen im Irish Pub
Im Club Friedrichshafen finden seit Sommer 2025 regelmäßig die sogenannten „Plaudermeetings 2.0“ statt. Dieses Diskussionsformat ermöglicht es, komplexe Fragen in einem respektvollen Rahmen zu erörtern, verschiedene Standpunkte wertzuschätzen und die Mitglieder zur aktiven Teilnahme zu ermutigen.Das Konzept: Zu jedem Meeting wird eine aktuelle gesellschaftliche oder politische These aufgestellt. Zwei Clubmitglieder übernehmen die Rollen von Befürworter und Skeptiker, präsentieren jeweils ein maximal fünfminütiges Impulsstatement und vertreten ihre Position anschließend in der offenen Diskussion. Ein rotarisches Mitglied moderiert die Debatte und öffnet sie für alle Teilnehmenden.
Bisher diskutierte Themen waren unter anderem: „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen! Grenzen der Meinungsfreiheit“ oder „Bürokratie lähmt den Fortschritt und gefährdet den Wohlstand. Müssen wir doch mehr Trump und Milei wagen?“. Fünf Euro Teilnahmegebühr pro Kopf, 60 bis 70 Quizfans machen jeden dritten Dienstag im Monat mit. Die ersten drei Plätze gewinnen Preise. Das Rotaract Pub Quiz im Schwenninger Irish Pub des Rotaract Clubs Schwarzwald-Baar ist inzwischen eine Institution und belegte auf der Rotaract-Deutschlandkonferenz im vergangenen Jahr den 4. Platz beim Best Act 2025.
„Das Quizformat bietet den Benefit einer regelmäßigen Serviceaktion und ist eine Attraktion für den Pub und die Stadtgemeinschaft – zudem passt es super zum Rotaract-Motto ‚Lernen – Helfen – Feiern‘“, so der Organisator des Quiz, Patrick Spath. Jeden Cent der Einnahmen spenden die Rotaract-Mitglieder für gute Zwecke in ihrer Region. So wurden bereits das Kinderhospiz Schwenningen, die Frühchenstation des Schwarzwald-Baar-Klinikums, die Villinger Aktion „Weihnachten einmal anders“ und die Dein-Sternenkind-Stiftung unterstützt. Letzterer halfen die Spendengelder dabei, „die nächsten 5000 USB-Sticks zu ordern, auf denen wir den Eltern die Bilder ihrer Sternenkinder übergeben“, so Patrick Spath.Das Preisgeld des Best Acts spendeten die Rotaracter weiter an das sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Bregtalschule in Furtwangen.





