Rotary AktuellPorträt

„Das Wichtigste ist Frieden“

von Florian Quanz | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Issifi Djibey aus Rendsburg ist im westafrikanischen Niger zum König gewählt worden

Issifi Djibey rührt mit einem Löffel noch mal durch seinen Tee. Er trinkt eine afrikanische Mischung. Seine Frau Angela neben ihm einen schwarzen Kaffee. Dann lehnt sich Djibey entspannt zurück. Nun hat er Zeit. Viel Zeit. Zeit, eine besondere Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte eines Königs, der als Thronanwärter nicht hofiert wurde, sondern andere hofieren musste. Es ist die Geschichte eines Königs vom Volk der Songhai, dem das Amt derzeit kein Geld einbringt, sondern den es Geld kostet. Und es ist die Geschichte eines Königs, der in seinem eigenen Königreich um sein Leben fürchten muss.

„Ich wusste schon seit Jahren, dass sich irgendwann die Frage stellen wird. Bei mir war das chronisch, um es in der Sprache der Medizin auszudrücken“, erklärt Issifi Djibey und lächelt. Er spricht von der Frage, ob er sich vorstellen könnte, in seiner alten Heimat im Niger für das Amt des Königs zu kandidieren. Die Antwort war immer klar: Er konnte. Anders als bei Erbmonarchien durften erbberechtigte Familien einen Kandidaten ins Rennen schicken. Seine Berechtigung reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Vor gut zwei Jahren entschied sich Djibey, der seit Jahrzehnten in Deutschland lebt und zuletzt als Chefarzt der Gefäß- und Thoraxchirurgie am Rendsburger Klinikum arbeitete, anzutreten.

Dschihadisten überfallen Dörfer. Das Ergebnis: Waisenkinder, Ernteeinbußen und Landflucht

 

„Der ganze Prozess war zäh“, berichtet seine Frau Angela. Issifi Djibey nickt. Wer König im Niger werden will, genauer gesagt von der Region Kokorou im Westen des Landes, der braucht Ausdauer. „Neun Prozeduren muss man meistern“, berichtet der 75-Jährige. Diese reichen von der Bekanntgabe des Todes des vorherigen Regenten über die Überprüfung der Kandidaten durch das Innenministerium bis hin zur Wahl des neuen Königs. „Wahlberechtigt waren 71 Dorf-Oberhäupter der Region.“ Diese musste Djibey über Monate hinweg „hofieren“, wie er es selbst ausdrückt. „Das geht natürlich nicht mit leeren Händen“, sagt er nüchtern. Seine Frau Angela drückt es anders aus: „Die haben nun mal ihre Erwartungen.“ Dabei gehe es primär gar nicht um Finanzielles, sondern viel mehr um die Entwicklung der einzelnen Dörfer und der Region insgesamt.

Zwei Global-Grant-Projekte

Issifi Djibey will die Gesundheitsversorgung verbessern und die Infrastruktur entwickeln. Zwei Global-Grant-Projekte hat er mit seinem Rotary Club Rendsburg bereits realisiert und so 500 Augenoperationen finanziert. „Das Wichtigste aber ist Frieden in der Region.“ Immer wieder überfallen Dschihadisten Dörfer der Region, töten die Bewohner, meist Männer, und stehlen das Vieh. Das Ergebnis: Waisenkinder, Ernteeinbußen und Landflucht. „Das Militär kämpft dagegen an vielen Fronten“, erklärt Djibey. Er blickt kurz durch das Wohnzimmer seines Einfamilienhauses in Rendsburg. In einer Ecke steht ein Klavier, darüber ein Blumengemälde, daneben der Fernseher samt Stereoanlage. „Das sind zwei verschiedene Galaxien“, sagt er und muss schmunzeln. Seine Frau Angela hat ihn oft in den Niger begleitet. Inzwischen sei es aber jenseits der Hauptstadt „hochgefährlich“. Deshalb war sie bei all den Prozeduren und der Krönungszeremonie nicht dabei. Sie sieht das pragmatisch: „Er konnte mich da unten eh nicht gebrauchen. Das machen die Männer unter sich aus.“ Ihr Mann hat seinen Amtssitz in der Hauptstadt, für dortiges Personal zahlt er aktuell aus privater Kasse.

Issifi Djibey genießt derzeit die Tage in Rendsburg. Hier muss er nicht von morgens bis abends die Regierung vertreten oder Streit schlichten. Hier hat er Zeit für ausgedehnte Spaziergänge am Nord-Ostsee-Kanal und seine vier Enkelkinder. Sein Bruder führt derweil in Vertretung die Amtsgeschäfte, per Internet sind sie täglich in Kontakt.

Zur Person: Issifi Djibey

(RC Rendsburg) wurde 1950 im Niger geboren. 1970 kam er mit einem Stipendium nach Deutschland und begann ein Medizinstudium an der Universität Gießen, das er 1980 mit der Promotion abschloss. Dort lernte er auch seine heutige Frau kennen. Von 1989 bis zu seinem Ruhestand 2014, mit zwei Jahren Unterbrechung, arbeitete er in der Klinik in Rendsburg.