Rotary AktuellStandpunkt
von Thomas Meier-Vehring |
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Unverzichtbare Minister des Inneren: Clubmeister

Standpunkt: Sie organisieren die Meetings, sorgen für eine gastfreundliche Atmosphäre, unterstützen bei der Umsetzung von Veranstaltungen und haben immer ein Ohr am Gleis … Kurz: Sie sorgen für den Erhalt der Clubgemeinschaft

Er ist seit Langem bei keinem Clubmeeting erschienen, seine Beteiligung an den Hands-on-Projekten tendiert gegen null. Seine Beiträge und Spenden gehen trotzdem regelmäßig ein. Nur: Mit einem leeren Stuhl schließt man keine Freundschaft, und wenn man nicht weiß, welches (neue) Mitglied auf dem Stuhl daneben sitzt, fällt die eigene Bindung an die Clubgemeinschaft eher schwer. Im ungünstigsten Fall geht das Interesse an Rotary dann schleichend verloren. In diesen und vielen weiteren Fällen sind erfahrene und empathische Clubmeister Gold wert.

Das aktuelle rotarische Verfahrenshandbuch vom November 2025 auf rotary.org weist auf der Seite 52 auf die fünf Dienstzweige von Rotary hin, die vor Ort den philosophischen und praktischen Rahmen für die Arbeit eines Rotary Clubs bilden: „Der Clubdienst ist der erste Zweig des Dienstes und beinhaltet Handlungen, die ein Rotary-Mitglied im Club durchführen muss, um zur erfolgreichen Arbeit des Clubs beizutragen.“ Das gibt den Clubdienst-Beauftragten praktisch das Aufgabenspektrum eines „Innenministeriums“ – und idealerweise füllen Freunde mit möglichst langjähriger Erfahrung und breitem rotarischem Wissen diese Funktion aus.

Emotionaler Seismograf

Der Clubdienst-Beauftragte sollte den Clubmeister mit dessen vielen organisatorischen Aufgaben dicht an seiner Seite wissen. Eine enge Abstimmung mit der präsidialen Stafette ist qua Amt unumgänglich. Die „Innenminister“ schaffen mit den weiteren Amtsträgern die Grundlage für rotarisches Miteinander in Freundschaft und für langjährige Erfolge.

In jedem Club sollte es deshalb jemanden geben, der diese Prozesse beobachten und im Blick behalten kann. Er wäre dann so etwas wie ein emotionaler Seismograf, der sensibel und interessiert genug ist, zu erkennen, wie eine gute Stimmung im Club entstehen und – viel wichtiger – wie Freundschaft entwickelt und gehalten werden kann.

Fragt Euch selbst und Eure Freunde, wie es Euch geht. Ein guter Clubmeister kennt die Antwort vermutlich schon

 

Das Wirken des Clubdienstes findet selten in der rotarischen Öffentlichkeit, sondern eher im Hintergrund statt. Amtierende Präsidenten können sich darauf verlassen, dass neben der Vielzahl der Aufgaben und Verpflichtungen diese sensible Seite des Clubs über mehrere Jahre hinweg verantwortlich gepflegt wird. Der Clubdienst-Verantwortliche erkennt zum Beispiel, wer dem Vorstand als Kandidat zur Verleihung einer Auszeichnung als Paul-Harris-Fellow vorgeschlagen werden kann. Er ist auch damit ein Wächter und Gestalter der mentalen (Club-)Gesundheit.

Sozialen Zusammenhalt stärken

Gordon McInally (RI-Präsident 2023/24) hat auf der vergangenen RI Convention dargelegt, wie wichtig Mental Health – der Fokus seines Amtsjahres – auch heute ist. Seit der Coronapandemie lasse sich beobachten, wie sich verunsicherte Menschen zurückziehen und gesellschaftlich isolieren. Das gehe in allen Generationen einher mit der Entwicklung massiver Zukunftsängste. Letztlich sei der Bruch des sozialen Zusammenhalts und der Ausgang von Wahlen zugunsten extremistischer Strömungen weltweit ein Phänomen geworden. Ob das auch ein Problem der Rotary Clubs ist oder noch werden kann? Fragt Euch selbst und Eure Freunde, wie es Euch geht. Ein guter Clubmeister kennt die Antwort vermutlich schon.

Thomas Meier-Vehring