Fäden ziehen

Das Puppenspiel gehört zu den ältesten Künsten des Theaters – und zu den meistunterschätzten.
Was nach Kindheit, Jahrmarkt und leichter Unterhaltung klingt, war in Wirklichkeit oft ein Ort der Anarchie, der Satire und des politischen Widerspruchs. Wenn Holz, Stoff und Draht zu sprechen beginnen, erzählen sie von Macht und Ohnmacht, von Freiheit, von der Komödie und Tragödie des Menschen. Lars Rebehn ist Oberkonservator der Puppentheatersammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und gilt als einer der besten Kenner der Geschichte des politischen Puppenspiels. Sein Gastbeitrag Gefährliche Puppen bildet den Auftakt zu unserer Titelgeschichte ab Seite 36.
Gerade weil die Puppe kein eigenes Leben hat, kann sie alles sein: König, Narr, Monster oder Gewissen. Im Spiel mit der Puppe zeigt sich eine der schillerndsten Möglichkeiten des Theaters – dass aus dem Unbelebten plötzlich Wahrheit spricht. Für Nikolaus Habjan, international gefeierter Theaterregisseur und Puppenspieler aus Graz, ist nichts und niemand so ehrlich und wahrhaftig wie eine Puppe. Keine Mimik, keine Präsenz stehe zwischen ihr und der Rolle, die sie ausfüllt. Seinen Gastbeitrag Spielt keine Rolle lesen Sie ab Seite 42.
Die Fotos, die unsere Titelgeschichte illustrieren, zeigen Figuren, die allesamt aus der Hand des Hamburger Figurenbaumeisters Jürgen Maaßen stammen und die derzeit in der Sonderausstellung Geschnitzt – Geformt – Gestaltet im Museum für Puppentheaterkultur in Bad Kreuznach zu sehen sind. Der Journalist Klaus Grimberg durfte Jürgen Maaßen in seiner Werkstatt über die Schulter schauen. Seine Reportage Erweckt zum Spiel lesen Sie ab Seite 47.
Der Carinthische Sommer in Kärnten wirkt jedes Jahr ein wenig so, als hätte jemand beschlossen, Hochkultur vorsichtig in einen Badesee zu setzen: Zwischen Stiftsmauern, Bergpanorama und erstaunlich vielen Leinenhemden erklingen Bach, Gegenwartsmusik und das leise Klirren von Weißweingläsern. Während bei den Salzburger Festspielen die große Operngeste regiert und bei den Bregenzer Festspielen die Bühne gleich im Bodensee schwimmt, pflegt man hier lieber die elegante Kunst des musikalischen Innehaltens – gern auch mit philosophischem Beipackzettel. Kurz: ein Festival, das so kultiviert daherkommt, dass selbst die Kärntner Berge manchmal wirken, als hörten sie aufmerksam zu. Was Sie vielleicht noch nicht wussten: Von seinen Anfängen bis heute tragen Rotarier maßgeblich zum Gelingen des Carinthischen Sommers bei – nachzulesen im „Fokus“ ab Seite 12.
Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht
Björn Lange
Chefredakteur





