Von Beginn an der Taktgeber

Josef Kröner ist geschäftsführender Intendant der Internationalen Herrenchiemsee Festspiele in Neubeuern, die in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern
Plötzlich geht von der Landstraße ein Feldweg rechts ab. Ein braunes Schild mit weißer Schrift – „Zur Mitte Niedersachsens“ – ragt aus der Erde hervor. Hier zwischen Wiesen und sehr vielen Feldern in der Gemeinde Hoyerhagen im Landkreis Niendorf/Weser ist Josef Kröner zu Hause. Dort, wo öfter der Wind kräftig über den flachen Acker fegt, hat er sich ein über 100 Jahre altes Anwesen zurechtgemacht, umsäumt von vier Hektar Land, die genug Platz für seine vier Pferde bieten. „Ich war schon immer ein Pferdenarr“, sagt Josef Kröner. Die Pferde waren es auch, für die er gemeinsam mit seiner Frau ein adäquates Umfeld direkt am Haus suchte und es vor sieben Jahren schließlich in der Mitte Niedersachsens fand.
Weit weg von seinem alten Wohnort am Starnberger See, an den noch ein Fotodruck auf seiner Kaffeetasse erinnert, die er auf dem rustikalen langen Esstisch neben dem Stapel an Flyern und Programmheften der Herrenchiemsee Festspiele abstellt. Die Verbindung in den Süden hält Josef Kröner inzwischen als geschäftsführender Intendant der Festspiele seit der ersten Stunde aufrecht.
Der, der es erfindet, kann es auch nur ausführen
Heimspielstätte gesucht
Damals noch Erster Geiger im Bayerischen Rundfunk, gründete er 1997 gemeinsam mit Andreas Reiner das Orchester KlangVerwaltung und schuf sich damals ein zweites Standbein. Anfang der 2000er-Jahre führten Tourneen mit 30 bis 45 Konzerten pro Jahr das Projektorchester mit Dirigent Enoch zu Guttenberg rund um die Welt. Eines Tages hieß es: „Wir brauchen eine Heimatspielstätte“, erinnert sich Josef Kröner. Eines der bedeutendsten bayerischen Festivals für die führenden Ensembles der Alten Musik war geboren. KlangVerwaltung wurde Orchestra in Residence – und ist es bis heute.
Josef Kröner war seit der Gründung in die Programmatik und künstlerische Koordination eingebunden und hält die Fäden auf allen Ebenen heute mehr denn je fest in der Hand. Daran möchte er auch künftig nichts ändern. „Der, der es erfindet, kann es auch nur ausführen“, sagt er. Zum Glück hat er „die Energie und Lust, das auch zu machen“. Generell, sagt er, habe er noch nie so viel gearbeitet wie heute. Auf den Spuren Ludwigs II. wird er auch in diesem Sommer im Münster Frauenchiemsee und im Spiegelsaal im einstigen Königsschloss auf der Herreninsel mit renommierten Ensembles ein hochkarätiges Programm der 25. Herrenchiemsee Festspiele präsentieren und auch selbst musikalisch mitwirken. Denn auch als Musiker im Orchester ist Josef Kröner bis heute aktiv. „Ich spiele immer noch wahnsinnig gerne“, sagt er.

Erst kürzlich hat sich der 63-Jährige eine neue Violine zugelegt. Eine Violine aus Cremona von 1686. „Das musste noch mal sein“, sagt er strahlend. So wie ihm geht es auch oft seinen Kunden, die zu ihm nach Hoyerhagen reisen und auf der Suche nach dem für sie perfekten Instrument sind. Als Geschäftsführer von J & A Beare Europe GmbH berät er in seinem Showroom beim Kauf und Verkauf eines Streichinstruments oder Bogens. Das Unternehmen hat er 2019 zusammen mit dem weltweit renommierten britischen Geigenhändler J & A Beare Ltd. gegründet. Die Partnerfirma bildet das dritte Standbein von Josef Kröner. „Wenn man mehrere Standbeine hat, hat man die Wahl“, sagt er. Die Wahl hat er schon lange in seiner abwechslungsreichen Karriere. Daran soll sich nichts ändern. Denn das sei ein gutes Gefühl.
Zur Person:
Josef Kröner (RC Bruchhausen-Vilsen) studierte Violine an der Münchner Musikhochschule. Er war Erster Geiger beim Bayerischen Rundfunk und Mitbegründer des Orchesters Klang-Verwaltung, das bis heute Residenzorchester der Herrenchiemsee Festspiele ist, denen Josef Kröner als geschäftsführender Intendant vorsteht. Außerdem ist er geschäftsführender Gesellschafter der J & A Beare Europe GmbH.
herrenchiemsee-festspiele.de




