Rotary AktuellStandpunkt

Rotary hat kein Ideenproblem …

von Klaus Brodbeck | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

Standpunkt: … sondern ein Führungsproblem. Bisweilen. Das klingt schärfer, als wir es im rotarischen Miteinander gewohnt sind, aber genau darin liegt der Punkt

Vieles, was in Clubs, Ausschüssen und Distrikten mit bestem Willen angestoßen wird, bleibt nicht deshalb hinter den Erwartungen zurück, weil die Idee nicht trägt. Es scheitert oft daran, dass wir mit Instrumenten führen, die für Freiwillige nicht taugen. Wo Menschen sich ehrenamtlich engagieren, überzeugen auf Dauer weder bloßes Amt noch bloße Ansage.

Gerade deshalb ist die Führungsfrage für Rotary keine Nebensache. An ihr entscheidet sich, ob aus guten Absichten am Ende auch Wirkung wird. Rotary ist keine klassische Hierarchie. Wir führen in einer Organisation, die von Ehrenamt, wechselnden Ämtern, starken Persönlichkeiten und einer ausgeprägten Kultur der Selbstständigkeit lebt. Autorität entsteht deshalb weniger aus Amt und Weisung als aus Glaubwürdigkeit, Integrität und Überzeugungskraft. Wer sich freiwillig engagiert, kann sich mit großer Leidenschaft einbringen. Er kann sich aber auch zurückziehen, wenn Sinn, Beteiligung und Wertschätzung fehlen. Zugleich brauchen viele Aufgaben Kontinuität, obwohl Funktionen Jahr für Jahr neu besetzt werden.

Begeisterung und Anerkennung …

Daraus folgt für mich eine klare Einsicht: Rotary lässt sich auf Dauer nicht über Anweisung führen. Unsere wirksamste Führungsform ist nicht Druck, sondern Begeisterung. Wer künftig bei Rotary erfolgreich führen will, muss Sinn vermitteln, Beteiligung ermöglichen und zugleich Verbindlichkeit organisieren. Gerade im Ehrenamt sind klare Zuständigkeiten, gute Übergaben und das Nachhalten von Ergebnissen kein Gegensatz zur Freiwilligkeit, sondern ihre notwendige Ergänzung. Anerkennung wiederum ist kein schmückendes Beiwerk, sondern ein zentrales Führungsinstrument.

Wer künftig bei Rotary erfolgreich führen will, muss Sinn vermitteln

 

Deshalb bin ich überzeugt, dass die Führungskraft der Zukunft bei Rotary weniger der klassische Entscheider als vielmehr der Architekt eines guten Prozesses sein muss. Gute Führung schafft Räume, in denen gute Entscheidungen entstehen. Sie baut Brücken zwischen Clubs, Diensten und Ausschüssen. Und sie sorgt dafür, dass Ideen nicht nur Zustimmung finden, sondern in Projekte, Zuständigkeiten und überprüfbare Er-gebnisse münden.

… statt Druck und Anweisungen

Ein gutes Beispiel dafür ist die Distriktkonferenz. Sie kann mehr sein als ein gesellschaftliches Ereignis mit Vorträgen und Begegnungen. Sie kann zur Arbeitstagung des Distrikts werden. Wer sich vorab in thematische Workshops einwählt, kann Erfahrungen austauschen und zugleich konkrete Projektideen entwickeln. Werden diese Ergebnisse dokumentiert, beraten, priorisiert, beschlossen und im Folgejahr überprüft, entsteht ein rotarischer Steuerungskreislauf aus Beteiligung, Beschluss, Umsetzung, Evaluation und Weiterentwicklung.

Die Zukunft von Rotary entscheidet sich nicht allein an guten Absichten oder wohlformulierten Beschlüssen. Sie entscheidet sich daran, ob es uns gelingt, freiwilliges Engagement so zu führen, dass daraus gemeinsame Wirkung erwächst. Gute Rotary-Führung zeigt sich deshalb nicht zuerst in der Zahl eigener Entscheidungen. Sie zeigt sich darin, wie viele gute Entscheidungen sie bei anderen ermöglicht. Die Zukunft von Rotary entscheidet sich daran, ob unsere Führung belastet oder begeistert.