„Ohne die Hilfe von ShelterBox würden wir im Blindflug arbeiten!“

Interview: Bernard Vonn Sia vom Rotary Club Cebu ist seit Jahren vor Ort im Einsatz, wann immer seine Mitbürger auf den Philippinen nach Naturkatastrophen Unterstützung benötigen. Wir sprachen mit ihm während eines Hilfseinsatzes in San Vicente auf der Insel Cebu
Sie gehören dem Rotary Club von Cebu an. Was zeichnet Ihren Club und Ihren Distrikt aus?
Unser Club ist der zweitälteste auf den Philippinen, fast 100 Jahre alt. Und unser Distrikt 3860 hat eine besondere Struktur: eine eigene Organisation namens Disaster Management Incorporated (DMI). Ich wurde vor zwei Jahren zum geschäftsführenden Direktor dieser Einheit ernannt. Alle Rotarier im Distrikt sind automatisch Mitglieder. Unsere einzige Aufgabe ist es, im Katastrophenfall sofort einsatzbereit zu sein.
Was macht die Zusammenarbeit zwischen Rotary und ShelterBox so wertvoll?
ShelterBox hat zwei entscheidende Stärken: Bedarfsanalysen und klare Prozesse. Ohne ihre Nach-Katastrophen-Analysen würden wir im Blindflug arbeiten. Wir könnten Hilfe am falschen Ort verteilen oder an Menschen geben, die bereits versorgt sind. Viele Rotary Clubs erkennen nicht, wie viel Arbeit uns ShelterBox abnimmt.
Wie funktioniert diese Zusammenarbeit konkret?
Wann immer irgendwo auf den Philippinen eine Katastrophe eintritt – ob in unserem Distrikt oder nicht –, ruft mich Rosemarie Placencia von ShelterBox an. Sie ist ihre Community Development Managerin. Ich wiederum wende mich an Rotary-Mitglieder, die DMI-Vertrauensleute und ehemalige District Governor sind. Wir prüfen, wer Kapazitäten und die nötigen Fähigkeiten für einen Hilfseinsatz hat und ob sie selbst betroffen sind. Auf diese Weise konnten wir bei vergangenen Katastrophen sofort Teams zusammenstellen, etwa beim Supertaifun Odette.

Rotary ist bekannt für seine berufsbezogene Mitgliederstruktur. Wie zeigt sich das in der Katastrophenhilfe?
Das ist unsere größte Stärke. Wir haben eine enorme Vielfalt unter unseren Mitgliedern: einen Logistikexperten, einen Bauunternehmer, Lebensmittelproduzenten, Manager von Konservenfabriken, Besitzer von Reismühlen. Wenn wir Dachbleche brauchen, kann ich sie direkt beim Hersteller zum Selbstkostenpreis beziehen. Reis kommt aus der Mühle eines Mitglieds, Dosenprodukte von einem anderen, Nudeln von einem dritten. Dadurch wird unsere Hilfe günstiger, schneller und effizienter. Das ist das Rotary-Netzwerk in seiner besten Form.
Wie gehen Sie mit der persönlichen Belastung um?
Ganz ehrlich: Meine Mitarbeiter in meinem Unternehmen sehen mich kaum, weil ich ständig im Einsatz bin. Mehrere Katastrophen hintereinander erfordern enorme Einsatzbereitschaft. Rotary ist freiwillig — man sollte nur Aufgaben übernehmen, die man auch durchhalten kann. Aber wenn man es tut, dann aus Überzeugung. So ist es bei mir.





