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Verein hofft auf Unterstützung von Rotary

Der Verein BaumEntscheid e.V. setzt sich für grünere Städte ein. Dafür will er auch die rotarische Gemeinschaft einbinden.

Dazu Vereinsgründer und Rotarier Heinrich Strößenreuther im Interview:

Vor ein paar Wochen wurde auf Ihre Initiative hin in Berlin Deutschlands erstes konkretes Klimaanpassungsgesetz für eine kommunale Umsetzung beschlossen: die Anpflanzung von einer Million Straßenbäume sowie die Anlage von 4500 Miniparks und 150 Grünflächen. Warum gerade hier und werden Sie sich dafür auch in anderen Städten einsetzen?

Berlin ist als größte Stadt Deutschlands massiv durch Hitze und Dürre belastet und brauchte dringend einen ehrgeizigen Plan, um Mensch, Natur und Wirtschaft auf den Klimawandel vorzubereiten. Als Volksentscheidsinitiative haben wir ein Berliner Klimaanpassungsgesetz erarbeitet und im Konsens einen parteiübergreifenden einstimmigen Beschluss nach entsprechenden Verhandlungen hinbekommen. Mit diesem „KAnGBln“ bieten wir eine Vorbildrolle für Operationalisierung, Kooperation und Innovation, auch für die Umsetzung des Bundesklimaanpassungsgesetz für andere Bundesländer. Wir wollen nun bundesweit Bürgerentscheide für Bäume, Stadtnatur und Klimaanpassung starten: Mit dem BaumEntscheid München hatten wir im Sommer 2025 schon den Kickoff.

Welcher Zeitraum wurde dafür definiert, wie viel Geld wird dafür gebraucht und wo kommt es her?

Bis zum Jahr 2040 soll der Zielbestand von einer Million Bäumen, 4.500 Kühlinseln und 150 klimawirksame, hektargroße öffentlichen Flächen gepflanzt und errichtet werden. Dafür sind nach unserer Kostenschätzung Investitionen von etwa 3,2 Mrd. Euro vorgesehen, davon 1,0 Mrd. Euro durch das Sondervermögen für Zivil- und Bevölkerungsschutz. In Berlin entsteht so ein milliardenschwerer Markt, der sogenannte „blau-grüne Infrastrukturen“ samt Forschung und Innovationen hervorbringen wird.

Sie sagen oft „Konservative reagieren oft weniger auf die Rhetorik der Klimabewegung”, seien aber für konkrete Anpassungsmaßnahmen weit offener. Haben Sie Beispiele?

Konservative lieben Bäume, wie auch die vielfältigen Pflanzaktionen in unseren rotarischen Kreisen zeigen. Gleichzeitig ändert niemand gerne und einfach mal so seine bevorzugten Lebensweisen und Gewohnheiten, ob konservativ oder nicht. Anders als beim Klimaschutz, der oft und fälschlich mit Verzicht verbunden wird, obwohl Solar, Wind, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto das Leben billiger machen, verschönert Klimaanpassung fast immer unsere Umgebung. Mehr Spielflächen und Freiräume für Kinder, mehr Bäume, mehr Grünflächen, bessere Luft, mehr Kühlung, mehr Resilienz – wer mag das nicht? Gerade in wohlhabenderen Kreisen sind das Selbstverständlichkeiten im eigenen Garten, die nun fairerweise per Klimaanpasssungspolitik den Bevölkerungsschichten mit kleinerem Geldbeutel zu Gute kommen sollen, die sich weit weniger gegen Hitze und Klimawandel wehren und anpassen können und deren Wohlbefinden und Gesundheit in einer sich aufheizenden Welt erhalten werden soll.

Welche Projekte planen Sie für 2026 – allgemein, aber vor allem im rotarischen Zusammenhang?

Für uns beim BaumEntscheid e.V. geht es darum, unser „Pflänzchen“ nun in die Welt zu tragen. Bis Ende des Jahres wollen wir mindestens in fünf weitere Städten Bürgerentscheide Baum, die BaumEntscheid, anstoßen – dazu lade ich unsere rotarischen Freundinnen und Freunde herzlich ein, mitzuwirken, sprechen Sie mich gerne an. Wir werden bei den Initiativengründungen auch aktiv auf die rotarischen Distrikte und Rotary Clubs zugehen, denn Bäumepflanzen ist und bleibt rotarische Leidenschaft. Ergänzend ist mir persönlich ein Anliegen, dass wir es schaffen, als Menschen trotz unterschiedlicher politischer Ansichten wieder mehr ins Gespräch zu kommen, insbesondere über Klima-, Umwelt- und Artenvielfaltspolitik, und die spaltenden Kulturkämpfe, wie sie leider aus allen Parteirichtungen und in der Medienlandschaft geführt werden, abzustellen. Das ist aufgeklärten Menschen im 21. Jahrhundert nicht angemessen: In der Sache gerne, aber bitte fair, ehrlich und Mensch bleiben!

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