Den Bienen auf der Spur

Ihr Club betreut eine Nisthilfe für Insekten, ein „Bienenhotel“? Oder haben Sie eins im Garten? Dann wissen Sie: Auch wenn viele fleißige Bienen ihre Nester bauen, lungern stets auch andere Insekten herum. Warum eigentlich?
In Deutschland kennen wir etwa 600 verschiedene Bienenarten, weltweit gut 20.000. Im Gegensatz zu Honigbiene oder Hummeln leben die meisten dieser Wildbienen alleine (siehe Rotary Magazin August 2024). Ein typischer einjähriger Lebenszyklus beginnt zum Beispiel im Frühjahr mit dem Schlüpfen von weiblichen und männlichen Bienen. Diese paaren sich, womit die Männchen bereits nach zwei bis drei Wochen als erwachsene Insekten ausgedient haben.
Die Weibchen übernehmen „den Rest“, leben daher noch einige Wochen länger. Nach der Paarung suchen sie sich geeignete Nistmöglichkeiten. Viele Arten graben Niströhren in den Boden oder nutzen natürliche Hohlräume wie Felsspalten oder Pflanzenstängel. Sie ziehen daher gerne auch in die Röhrchen oder Bohrungen der Nisthilfen ein. Diese werden von ihnen zunächst gereinigt und mit einem individuellen Duft markiert. So wissen andere Bienen, dass das Röhrchen belegt ist (nicht, dass das immer respektiert würde) und die Nestbesitzerin erkennt es wieder.

Ist sie mit dem Nest zufrieden, beginnt die Bienenmutter mit der Einlagerung von Proviant für den Nachwuchs: nährstoffreichen Blütenpollen, oft mit etwas Nektar versetzt. Daher sind Bienen so effiziente Bestäuberinnen – sie brauchen den Pollen und tragen einen Teil davon „versehentlich“ von Blüte zu Blüte. Nicht nur die Honigbiene; weltweit werden zum Beispiel im Obstanbau sogenannte Bauchsammlerbienen eingesetzt. Sie transportieren den Pollen nicht wie die Honigbienen an speziellen „Körbchen“ der Hinterbeine, sondern mit einer Bauchbürste. Man kann Sie daher auch als schlüpfbereite Puppen kaufen. Googeln Sie doch einmal danach (Osmia kaufen)! So bekommen Sie auch Hummeln, die für die Bestäubung einiger Futterpflanzen oder Gemüse wie Tomaten in Gewächshäusern extrem wichtig sind.
Solche Bauchsammlerinnen (Abb. 1) sind es, die Sie in erster Linie an den Bienenhotels beobachten. Sie bauen Brutkammern in die Röhrchen, die je nach Bienenart mit Speichel, Erde, Pflanzenharz, Pflanzenwolle oder Blättern tapeziert werden. Je nach Länge der Röhrchen werden mehrere Kammern angelegt und schließlich mit ziemlich harten und dicken Außenwänden verschlossen. Solche Bienen haben auch deshalb gewaltige Mundwerkzeuge, um sich damit aus ihrer Kinderstube herauszuarbeiten. Die Mutter überlässt Nest und Nachwuchs danach sich selbst, füllt weitere Nester und stirbt dann bald.

Typischerweise schlüpfen aus den Eiern kleine Würmchen (sieh Abbildung oben), die in zwei bis drei Wochen den Pollenkuchen auffressen und zur Bienengröße heranwachsen. Dann spinnen sie sich einen Kokon, in dem sie als Puppe eine Verwandlung zur erwachsenen Biene vollziehen. Auch dies kann innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein, so dass die erwachsenen Bienen im Sommer schlüpfen und einen zweiten Zyklus im selben Jahr beginnen. Deren Nachwuchs, aber auch Bienen, die nur einen Zyklus pro Jahr durchlaufen, überwintern meist als Puppe, um dann im nächsten Frühjahr als fertige Biene alles neu zu beginnen.
All diesen Nistaufwand betreibt die Bienenmutter, weil ein derart nährstoffreicher Vorrat auch anderen Insekten gut schmecken würde. Und wenn diese die vegetarische Kost nicht zu schätzen wissen, dann vielleicht die herangewachsenen Bienenlarven als fette Beute. Ich würde das hier alles aber nicht beschreiben, wenn die Bienenmütter mit ihren Schutzmaßnahmen meist Erfolg hätten: Aus unserer eigenen Nisthilfe schlüpfen aus etwa der Hälfte der Nester Bienen, aus dem Rest kommt „irgendwas anderes“.
Tatsächlich warten stets verschiedene Fliegen, Käfer oder Wespen an den Nisthilfen auf die Gelegenheit, ein oder mehrere Eier in das Bienennest zu schmuggeln. Hier eine kleine Auswahl solcher Schmarotzer, die Sie besonders gut beobachten können (Abb. 2): Eine Vielzahl von Goldwespen, wunderschön anzuschauen, haben es auf die herangewachsenen Larven der Bienen abgesehen. Die Wespenmutter legt ihre Eier in unbewachten Momenten in das junge Nest. Die Wespenlarven schlüpfen aber erst nach einiger Zeit und ernähren sich dann vom fast fertigen Bienennachwuchs. Ähnlich machen dies die Erzwespen oder die Trauerschweber (Fliegen), die Sie sicher aus Ihrem Garten kennen. Die Larven der Keulen-und der Gichtwespen leben zunächst vom nährstoffreichen Bienen-Ei und danach vom Pollenvorrat. Der Nachwuchs der kleinen Mauerbienentaufliege hat es nur auf den Pollenvorrat abgesehen. Hat die Fliegenmutter mehrere Eier in einer Brutzelle untergebracht, verhungern die Bienenlarven allerdings. Die Larve des Bienenkäfers frisst alles, was ihr gerade so vor die Mundwerkzeuge kommt.

Die Schmarotzer-Eier kommen in der Regel in das Nest, bevor die Bienenmutter es zugemauert hat. Aber wie schaffen es dann die fertigen Fliegen, Wespen oder Käfer durch diesen betonharten Verschluss ins Freie? Wespen und Käfer haben als erwachsene Tiere – genau wie ihre Wirte, die Bienen – kräftige Mundwerkzeuge und nagen sich damit ins Freie. Fliegen haben nur Saugrüssel für flüssige Nahrung, die nicht als Ausbruchsinstrument taugen. Daher haben sie raffinierte Hydraulikverfahren entwickelt: mithilfe einer Kopfblase stemmt sich die Taufliegen einen Tunnel in die Mauer. Die Trauerschweber (siehe Abbildung 3) bleiben zunächst in der Puppenhülle und nutzen diese als Tunnelbohrer.

Weniger an Nisthilfen zu beobachten, aber unbedingt erwähnenswert sind die Kuckucksbienen. Etwa ein Viertel unserer einheimischen Bienenarten hat nämlich erkannt, dass man andere Bienen für sich schuften lassen kann, und schmuggeln ihre Eier in deren Nester. Ihre Larven schlüpfen schnell und fressen das Wirtsei und dann dessen Vorräte, und am Ende schlüpft zwar eine Biene, jedoch die Falsche.
Bienenwölfe lagern betäubte Bienen als Nahrung für ihre Brut ein, Hornissen fangen Bienen und schneiden ihnen den Flugmuskel aus der Brust, Spinnen lauern an Blüten auf Bienenbeute. Möchten Sie mehr über das gefährliche Leben der Wildbienen in unseren Gärten wissen, auch die vielen, die nicht an Nisthilfen brüten? – Mehr dazu im Buch von Dr. Jörg Schneider:
Wildbienen haben es auch nicht leicht - Mundraub, Giftmischerei und Meuchelmord im Garten, Haupt Verlag, ISBN 978-3-258-08472-5, 29, 90 Euro































