Distrikt 1870
von Edgar Rabe |
| Lesezeit: 3 Minuten

Mülheimer reinigen Stolpersteine

Aktives Gedenken an Opfer

Der 27. Januar ist in Deutschland der offizielle, gesetzlich verankerte „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“. Der Tag erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945 und ist ein bundesweiter Gedenktag für alle Verfolgten und Ermordeten des NS-Regimes. Anlässlich des bundesweiten Gedenkens werden die Mitglieder des RC Mülheim-Uhlenhorst jedes Jahr im Januar aktiv und reinigen die verlegten Stolpersteine in der Stadt. So auch in diesem Jahr.

Stolpersteine finden sich an vielen Orten. 1992 verlegte der Künstler Gunter Demnig den ersten seiner etwa 100.000 bislang verlegten Stolpersteine vor dem historischen Rathaus Köln. Stolpersteine sind  mit Messing überzogene Pflastersteine, die den Namen des NS-Opfers, dessen Geburtsjahrgang/Geburtsnamen, das Todesdatum und auch den Zeitpunkt der Deportation in eines der vielen Konzentrationslager benennen, soweit im Einzelfall bekannt. Seit  Beginn der besonderen künstlerischen Gedenkaktion  haben viele deutsche und internationale Städte und Orte die Installation solcher Stolpersteine genehmigt. Demnig arbeitet dabei in einem kleinen Team und verlegt die meisten Steine selbst. So will der Künstler sicherstellen, dass die Installation der Stolpersteine respektvoll geschieht. Dazu gehört für ihn ein sinnvoller Ort für den Stein (häufig sind es Stellen vor den letzten von den NS-Opfern frei gewählten Wohnorten) und der Austausch sowie die Anwesenheit möglicher Angehöriger des Opfers neben anderen Teilnehmern bei der Verlegung. So geschehen auch in Mülheim a. d. Ruhr.  

“Wir haben jetzt alle 175 Mülheimer Stolpersteine gereinigt, um der Opfer zu gedenken. Daran haben sich, wie in den Jahren zuvor auch, viele Freundinnen und Freunde beteiligt ”, berichtet Philippa Gerling vom Uhlenhorster Club. In diesem Jahr blieb es nicht bei der puren Reinigung der Steine. Der RC Mülheim-Uhlenhorst besuchte zudem den Erinnerungsort “Alter Schlachthof” in Düsseldorf-Derendorf. “Von dort aus sind in den Jahren 1941 und 1942 etwa 6000 Juden aus dem Rheinland in die Ghettos und Vernichtungslager im besetzten Osteuropa deportiert worden, darunter auch viele Juden aus Mülheim”, erfuhren Philippa Gerling und die weiteren Clubmitglieder bei dem Besuch.  In der damaligen Großviehmarkthalle des Düsseldorfer Schlachthofs mussten sich die “jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus dem ganzen Regierungsbezirk Düsseldorf zu insgesamt sieben Transporten einfinden. Sie wurden registriert, durchsucht und ausgeraubt und mussten eine Nacht in der Großviehmarkthalle verbringen, voller Ungewissheit vor dem Kommenden. Am nächsten Morgen wurden sie vom nahe gelegenen Derendorfer Güterbahnhof in Ghettos im besetzten Osteuropa deportiert: nach Łódź, Minsk, Riga, Izbica und Theresienstadt (heute: Terezín). Die Ghettos waren oftmals nur Zwischenstationen auf dem Weg in weitere Konzentrations- und Vernichtungslager. Nur wenige überlebten die Shoah”, heißt es in der Beschreibung der Gedenkstätte.  Für die allermeisten der deportierten Menschen war dieser Ort das letzte Stück Heimat, das sie sahen.

Eva Grütgen von der Hochschule Düsseldorf erläuterte den rotarischen Besuchern einfühlsam die Geschichte dieses besonderen Ortes, das Konzept der Gedenkstätte und die Geschichten einzelner Deportierter: "Wenn man über die gut dokumentierten Schicksale von Einzelpersonen spricht, bleibt kein Raum mehr für Relativierung oder sogar Rechtfertigung", betonte Grütgen.

Neben der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag am 28. Januar wird rund um den „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ mit zahlreichen Gedenkfeiern und -aktionen an vielen Orten in Deutschland  der Opfer gedacht. 

Edgar Rabe

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