https://rotary.de/clubs/distriktberichte/den-clubs-droht-die-vergreisung-a-7981.html
Distrikt

» Den Clubs droht die Vergreisung «

Distrikt - » Den Clubs droht die Vergreisung «
Hermann Jäckle, RC Bad Wörishofen Hermann Jäckle, RC Bad Wörishofen, spricht als Distriktbeauftragter für Mitgliederentwicklung von der größten und wichtigsten Herausforderung für die Zukunft Rotarys. Sein 10-Punkte-Fahrplan versprach ein interessantes und informa­tives Seminar in der Rotary Akademie. Leider ließ die Nachfrage zu wünschen übrig.

Wie man Mitglieder halten und neue Mitglieder gewinnen kann: ein brennendes Problem – doch kaum jemand war daran interessiert

Harald Bos01.10.2015

Rotary Magazin: Lieber Hermann, verstehst du die Gleichgültigkeit der Clubs? Beschäftigen sie sich so wenig mit ihrer Zukunft?
Hermann Jäckle: Ja, ich glaube schon. Dabei geht es bei der Mitgliederentwicklung nicht darum, „auf Teufel komm raus“ zu wachsen. Tatsächlich aber werden die wenigen Neuaufnahmen durch Todesfälle und Austritte fast neutralisiert.


Auf eine Umfrage im Rotary Magazin online, ob man sich im Club verjüngen sollte, antworteten immerhin 73 Prozent mit Ja. Und wie sieht es in der rotarischen Praxis aus?
Nicht so überzeugend. Wenn viele Clubs so weitermachen wie bisher, sind sie in 15 bis 20 Jahren „vergreist“. Wie wichtig Verjüngung ist, zeigt sich an einem einfachen Rechenbeispiel: Ein Club mit 60 Mitgliedern und einem Durchschnittsalter von 61 Jahren müsste in jedem Jahr vier neue Mitglieder im Alter von 40 Jahren aufnehmen, nur um den Altersdurchschnitt zu halten.


Fehlt es den Clubs an klaren Analysen, an Gegenüberstellungen von Stärken und Schwächen, um die Probleme der Zukunft zu erkennen?
Zunächst einmal ist es ein Thema, das jeden Präsidenten angeht. Jeder Präsident setzt in seinem Jahr mit dem Vorstand klare quantitative und qualitative Ziele zur Entwicklung der Mitgliedschaft und achtet auf deren Umsetzung.


Und warum funktioniert das offensichtlich nicht, wie man am Desinteresse des Akademie-Angebotes sieht?
Weil unsere Einladungen zu nachlässig behandelt werden. „Wer Zeit hat, soll bitte hingehen“, heißt es in den Clubs, und dann fühlt sich
keiner verantwortlich.


Nun meinen doch viele Rotarier, dass man im Club nichts befehlen oder anordnen dürfe.
Rotary ist zwar kein Wirtschaftsbetrieb, aber eine Service-Organisation mit Strukturen und Personen, die ihre Zeit und Kenntnisse Rotary zur Verfügung stellen. Ein Präsident muss delegieren und geeignete Personen bestimmen, um diese Informationen für den Club aufzubereiten.


Was passiert jetzt mit dem Thema „Wie man Mitglieder halten und neue Mitglieder gewinnen kann?“
Wir werden nicht nachlassen und im Frühjahr 2016 einen neuen Anlauf starten, bis der letzte Club es verinnerlicht hat.

Harald Bos
Harald Bos, RC Bad Wörishofen, arbeitet nach einer Ausbildung zum Diplom-Werbefachwirt, in der Werbe- und Kommunikationsbranche. Außerdem war er 23 Jahre lang Verlagsdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung eines mittelständischen Wirtschaftsverlages.