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Heidenheim

Ehrenamtliches Engagement durch Besuche stärken

Heidenheim - Ehrenamtliches Engagement durch Besuche stärken
Stephan Maurer während einem seiner Hospizbesuche © Privat

Ein Gespräch mit Stephan Maurer (RC Heidenheim-Giengen) über den Aufbau eines ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitungsangebot von Rotary für Rotary-Mitglieder.

Julius Schölkopf01.03.2022

Herr Maurer, seit mehr als zwei Jahren besuchen Sie wöchentlich ein Hospiz in Heidenheim. Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Es gibt unendlich viel Dankbarkeit sowohl von Seiten der Besuchten für die persönliche Zuwendung als auch von Seiten der hauptamtlich Tätigen für die Unterstützung. Es ist ein wunderbares Gefühl jeden Freitagabend keinen Zeitdruck und Stress zu haben. Ich werde geerdet und die Sorgen und Probleme der hinter mir liegenden Woche werden relativiert.  

Dabei entstand die Idee eines Besuchs- und Begleitungsangebot speziell für Rotary-Mitglieder.Wie könnte ein Besuch ablaufen?

Unter Besuch verstehe ich das Zusammensein mit geistig und körperlich aktiven Rotary-Mitgliedern, das zu Hause oder im Heim stattfinden kann. Die Aktivitäten können von Singen, Spielen, Kaffee trinken bis zu Ausflügen ins Kino oder Konzert reichen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt; eine persönliche Beziehung wird sich individuell gestalten. Zeitliche Limits gibt es nicht. 

Und wenn man eine Begleitung für einen unheilbar krankes Mitglied durchführt?

Die Begleitung umfasst zunächst alles, was unter Besuch beschrieben wurde; je nach Allgemeinzustand der begleiteten Person wird sich die Begleitung ändern und reduzieren. Umfang, Richtung, Tempo und weitere Parameter der Begleitung werden ausschließlich durch die begleitete Person vorgegeben. Bei der Begleitung bis zum Sterben werden selbstverständlich das familiäre Umfeld, der Freundeskreis und die hauptamtlich Verantwortlichen mithineingenommen.     

Das ist sicher eine persönliche Herausforderung. Welche Voraussetzungen sollte man erfüllen, wenn man Besuche oder eine Begleitung machen möchte?  

Für Besuche genügt Empathie. Für die Sterbebegleitung sind spezielle Kurse zu absolvieren. Diese werden in kirchlichen Einrichtungen oder bei Hilfsorganisationen angeboten. 

Wie kann man sich der Idee anschließen?

Die Idee, die hinter allem steht, ist die Frage: Gibt es einen Bedarf an Besuchen und Begleitungen innerhalb der rotarischen Familie. Jede und jeder, der diese Frage für sich mit Ja beantwortet, ist herzlich eingeladen sich bei mir zu melden. Bei positiver Bedarfsfeststellung wäre der nächste Schritt der Aufbau einer entsprechenden Organisationsstruktur.

Julius Schölkopf
Julius Schölkopf (Rotaract Club Ludwigsburg) studierte Volkswirtschaftslehre in Mannheim, Zürich und Heidelberg und promoviert derzeit in empirischer Wirtschaftsforschung. 2016 wurde er über ein RYLA-Seminar Mitglied bei Rotaract. Er hatte unter anderem mehrere Jahre das Amt des Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit in seinem Club inne, arbeitete im Organisationsteam des KidsCamps in Heilbronn mit und vertrat den Distrikt 1830 als Assistant-Distriktsprecher im Clubjahr 2018/19. Seit fünf Jahren engagiert er sich bei Rotaract Deutschland unter anderem im Ressort Öffentlichkeitsarbeit und im Bereich Organisationsentwicklung. Seit Juli 2021 ist er als Distriktberichterstatter für den Distrikt 1830 sowie als Sprecher für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit des Rotaract Deutschland e.V. aktiv.