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Rodgau

„Hospiz Stiftung Rotary Rodgau“ kurz vor dem Ziel

Rodgau - „Hospiz Stiftung Rotary Rodgau“ kurz vor dem Ziel
Die Honoratioren beim Spatenstich © Christoph Müller (alle Fotos)

Im Kreis Offenbach mit seinen 350.000 Einwohnern gibt es – noch - keine Hospizstation.

Christian Kaiser11.04.2019

Traurige Erfahrungen im Freundes- und Familienkreis sowie Hinweise ambulanter Hospizgruppen machten die Rodgauer Rotarier auf einen Missstand in ihrer Region aufmerksam: Im Kreis Offenbach mit seinen 350.000 Einwohnern gibt es keine Hospizstation. Nach intensiver Diskussion möglicher Konzepte beschlossen die Rodgauer Rotarier daraufhin, hier über eine Stiftung Abhilfe zu schaffen. 

Als 2014 die Gründungsurkunde der „Hospiz Stiftung Rotary Rodgau“ (HSRR) eintraf, ahnte ihr Vorsitzender Nikos Stergiou (RC Rodgau) schon, was auf ihn zukommt. Galt es doch, als Minimum eine Million Euro als Stiftungskapital zu beschaffen.

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Nikos Stergiou beim Auftakt für das Hospiz. © Christoph Müller

Den Anfang machten die Mitglieder des RC Rodgau selbst mit einer Einzahlung von 56.000 Euro und alle rotarischen Nachbarclubs sagten jeweils 20.000 Euro zu. Dann ging es ans „Klinkenputzen“. Kommunen, Kreis, große Arbeitgeber sowie Vereine und andere Stiftungen wurden direkt angesprochen. Dabei absolvierten der Vorsitzende und seine Mitstreiter weit über 100 Besuche - als „Anstifter“ zum Stiften.  

Auch eine intensive Pressearbeit mit geschickt platzierten Spendenaufrufen zeigte Wirkung. So gingen namhafte Beträge aus Kondolenzanzeigen und Vermächtnissen auf dem Stiftungskonto ein.

Im August 2016 war „Halbzeit“ – das heißt: Die Hälfte der Million war geschafft. Zu diesem Anlass hatte „En Haufe Leut“, eine Kabarettgruppe um Stiftungskurator PP Lothar Mark und Schatzmeister Herbert Sahm (beide RC Rodgau) zu einer Benefizveranstaltung eingeladen. Viele Gäste spendeten reichlich, so dass die halbe Million danach weit überschritten war.

Doch damit nicht genug – so wurden im Trauermonat November kreisweit Benefizkonzerte durchgeführt. „Wir haben das Thema Sterben mit unserer Initiative ins Leben und ins Bewusstsein geholt“ – so ein inzwischen sichtlich entspannter Nikos Stergiou.

Parallel zum Geldsammeln durch „Anstiften“ galt es, die organisatorischen und planerischen Voraussetzungen für die Umsetzung des Großprojektes zu schaffen und die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. Bereits in der Anfangsphase wurde mit der „Mission Leben“ ein erfahrener und zuverlässiger Partner für den Betrieb des Hospizes gewonnen.

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Zahlreiche Gäste ließen sich am Tag des Baubeginns mit Musik verwöhnen und sammelten viele Infos.

Auch die zunächst mühsame Grundstückssuche endete mit einem Erfolg. So konnte die Stiftung dank geschickter Verhandlungen ein 4.000 qm großes Grundstück von der Stadt Rodgau zum „symbolischen“ Preis von 12.000 Euro erwerben; es handelt sich dabei um  einen stillgelegten Minigolfplatz in bester Lage am markanten Jügesheimer Wasserturm.

Und es wurde unermüdlich weiter gesammelt und gespendet, so dass das Stiftungsvermögen inzwischen auf 1,5 Millionen Euro angewachsen ist. Die Höhe der weit über 1.000 eingegangenen Spenden reicht von 5 Euro bis zu einer Zustiftung von 200.000 Euro der Merck Family Foundation. Die aktuellen Planungen sehen nun für den Bau des Hospizes ein Investitionsvolumen in Höhe von 3,6 Mio. Euro vor.

Eine Million Euro hatte Lothar Mark, auch Kuratoriumsmitglied der „Werte-Stiftung“, als Finanzierungszusage dieser Organisation einwerben können, die sich dem werteorientierten Umgang mit hilfsbedürftigen Menschen verpflichtet sieht. Rund 600.000 Euro erwarten die Initiatoren aus privaten Darlehen und Vermächtnissen. Die verbleibenden zwei Millionen Euro sollen durch das Stiftungskapital der HSRR aufgebracht werden.

Der Abstand zu dieser Zielgröße betrug im März noch 600.000 Euro - kein Grund zur Sorge für die kreativen Spendensammler.

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Am Tag des Spatenstichs wurden noch einmal viele Spenden sichtbar gemacht.

So machten die Rodgauer Rotarier den ersten Spatenstich zu einer öffentlichkeitswirksamen Benefizveranstaltung – und alle, die im Kreis Offenbach Rang und Namen haben, kamen. Kuratoriumsmitglied Lothar Mark führte durch das kurzweilige Programm, das vom Orchester „Klangfarben“ aus Nieder-Roden mitgestaltet wurde. Das Repertoire reichte von Amy Winehouse bis zur Ode an die Freude. Als die Spenden flossen, erklang passenderweise „What a Wonderfull World“. Und die Spenden flossen reichlich: Statt der erhofften 100.000 Euro kamen 123.000 Euro zusammen, darunter auch 25.000 Euro der Seligenstädter Lions, worüber die rotarischen Initiatoren besonders erfreut sind.

Direkt nach dem Kassensturz begannen die Planungen für das Richtfest am 19. Juli, wo man das Ergebnis des Spatenstichs nochmal toppen will. Hierfür liegen bereits namhafte Spendenzusagen vor, darunter auch vom Rotary Distrikt 1820.

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.