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Nepal

In Nepals Bergen geht das Licht an!

Nepal - In Nepals Bergen geht das Licht an!
"Es wurde Licht" - Isabelle Buschulte und Karma Sherpa in der Stunde Null. © Isabelle Buschulte (alle Fotos)

Der Rotary Club Rüsselsheim-Mainspitze setzt ein abgelegenes Dorf mit Hilfe eines Global Grants unter Strom.

Christian Kaiser20.02.2018

Chepel, ein kleines Dorf mit rund 400 Einwohnern, liegt auf 2.300 m Höhe in der nepalesischen Bergregion unterhalb des Mount Everest. Bis Anfang November 2017 gab es hier noch keine Stromversorgung. Konkret bedeutet dies für die Dorfbewohner zum Beispiel, dass offenes Feuer die einzige Lichtquelle ist und das Brotgetreide von Hand mit Steinmühlen gemahlen werden muss.

Der abgelegene Ort ist nur mit einer etwa 14-stündigen abenteuerlichen Fahrt im Geländewagen und anschließendem mehrtägigen kraftraubendem Fußmarsch zu erreichen. Touristen verirren sich nicht in diese Gegend – abgesehen von einer für Chepel ganz entscheidenden Ausnahme.

Start mit Eigeninitiative

Die begeisterte Wanderin und Bergsteigerin Isabelle Buschulte entdeckte das Dorf 2012 auf einem ihrer Streifzüge durch das Himalaja-Gebirge. Angesichts der schwierigen Lebensbedingungen der Dörfler engagierte sie sich spontan – zunächst mit eigenen privaten Spenden, dann mit Spendenwerbung über Informationsveranstaltungen.

Ihr 2013 beim RC Rüsselsheim-Mainspitze gehaltener Vortrag wirkte so überzeugend und aufrüttelnd, dass die Rotarier bereits kurz danach eine Hilfsinitiative starteten. Isabelle Buschulte, damals noch nicht Mitglied des Clubs, ließ sich schnell von der rotarischen Idee begeistern und trieb – bald als Rotarierin – gemeinsam mit ihren Club-Freunden das Projekt voran.

Erst der Plan...

Bereits bei der Erarbeitung des Grundkonzeptes wurde den Beteiligten klar, dass man in dem Himalaya-Dorf allein mit der Bereitstellung von Strom aus einem Kleinwasserkraftwerk nahezu alle Foundation-Schwerpunkte abdecken konnte, wie Wasser, Hygiene sowie Elementarbildung. Damit waren erste Voraussetzungen für die Förderung als Global Grant gegeben und der entsprechende Antrag wurde bald darauf mit 35 Anlagen auf den Weg gebracht. 

Nach etlichen Rückschlägen, wie dem schweren Erdbeben in Nepal 2015, lag am 01. Juni 2017 die Bewilligung durch alle relevanten Stellen vor. Der RC Rüsselsheim-Mainspitze übernimmt danach rund 13.000 US-Dollar des Gesamtvolumens von 100.000 US-Dollar. Außerdem beteiligt sind der englische Partnerclub Rugby, der Distrikt 1820, die Rotary Foundation, der Hostclub RC Patan in Kathmandu sowie die nepalesische Regierung.

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Material aller Art musste zu Fuß nach Chepel gebracht werden - selbst meterlange Rohre.

... dann die Umsetzung

Nach Vorliegen der Bewilligungen ging es an die Umsetzung – angesichts der isolierten Lage des Dorfes eine riesige logistische Herausforderung. So musste das gesamte Baumaterial von 60 Trägern von 900 m über dem Meeresspiegel mühsam auf 2.300 m getragen werden. Zu überwinden waren dabei eine 250 Meter lange Hängebrücke, schmalste, steile Pfade durch den Urwald, Erdrutsche und Bäche. Dies obendrein in der Monsunzeit, in der alle Pfade rutschig sind und es von Blutegeln nur so wimmelt.

Die Transportliste reichte von der 250 kg schweren Komponente Turbine/Generator und zwei 200 kg wiegenden Transformatoren über 177 Strommasten, 900 m Wasserrohr bis zu 26.000 m Wasserleitungen.

Isabelle Buschulte, inzwischen Clubpräsidentin des RC Rüsselsheim-Mainspitze, besuchte Anfang November 2017 Chepel, um sich vom Fortschritt der Arbeiten zu überzeugen. Nachdem die Inbetriebnahme des Kraftwerks ursprünglich erst für das Frühjahr 2018 geplant war, war ihre Erwartung groß, als Projektleiter Karma Sherpa eine Überraschung ankündigte.

Allererste Glühbirne

„Etliche Einwohner von Chepel, das Bauteam und vier Ingenieure standen mit mir im kleinen Kraftwerksgebäude. Erst war kein Geräusch zu hören, keine Lampe  leuchtete und alle Zeiger standen auf null. Auf einmal waren aus der Richtung der Turbine Fließgeräusche zu vernehmen. Die Ingenieure drehten immer wieder an den Armaturen, alle schauten gebannt auf die Anzeigen am Stromverteiler und die Glühbirne an der Wand. Und auf einmal leuchteten die Kontrolllampen auf, die Zeiger der Anzeigegeräte gingen hoch und die allererste Glühbirne in Chepel leuchtete. Das war wirklich ein erhebender Moment!“, berichtete Isabelle Buschulte begeistert.

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Das Projektteam versammelte sich mit den Ingenieuren am Generator.

In jedem der 114 Häuser leuchtet nun eine LED-Glühbirne. Außerdem gibt es elektrische Getreidemühlen, einen Kühlschrank und Computerequipment für die Schule. Darüber hinaus ist die jetzt mögliche Verlängerung des Tages in ihrer Wirkung auf das Leben der Menschen nicht hoch genug einzuschätzen.

Nachdem das Projekt hiermit erfolgreich abgeschlossen wurde, dankt der Rotary Club Rüsselsheim-Mainspitze dem RDG in Düsseldorf und den Freunden aus Rugby. Ein besonderer Dank gilt Karma Sherpa, dem Projektleiter vor Ort, und den Rotariern Gaby und Bijaya Mallapaty vom RC Patan, ohne deren kontinuierliche Unterstützung der Global Grant nicht hätte realisiert werden können.

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Das erste Mal gibt es abends Licht - die nepalesischen Kinder hatten zuvor die Generator-Aufbauarbeiten gespannt verfolgt.
Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.