https://rotary.de/clubs/distriktberichte/tasche-aus-dem-hut-gezaubert-a-13315.html
Frankfurt a.M.

Tasche aus dem Hut gezaubert

Frankfurt a.M. - Tasche aus dem Hut gezaubert
Seidene Handtasche aus dem Besitz der Lotte Buff-Kestner, Estes Viertel 19. Jahrhundert © Udo zur Megede/Frankfurter Goethehaus - Freies Deutsches Hochstift

Beim RC Frankfurt am Main-Städel wird regelmäßig während der Meetings für ein zusätzliches Projekt gesammelt.

Christian Kaiser01.11.2018

Seit seiner Gründung wird beim RC Frankfurt am Main-Städel mit einem Hut Geld für ein zusätzliches Projekt im Kultur- oder Sozialbereich gesammelt. Der in jedem Clubmeeting kreisende Zylinder erinnert damit gleichzeitig Woche für Woche an das Spendenvorhaben.

Wofür gesammelt wird, ist "Chefsache" des amtierenden Clubpräsidenten. So wurden in den vergangenen Jahren unter anderen die Projekte „gesundeKids“ und die Frankfurter Lesepaten gefördert. Ebenfalls auf der Liste finden sich Reisestipendien für Studenten der Städelschule und der Musikhochschule, der Verein „Frauenrecht ist Menschenrecht“, die Praunheimer Werkstätten und der Verein zur Förderung ausländischer Studierender.

Im rotarischen Jahr 2018/2019 wird die Hutspende auf Wunsch der Präsidentin Gabriele Haid für die Restaurierung eines kostbaren Objektes aus dem Freien Deutschen Hochstift verwendet werden. Dessen Leiterin, Clubmitglied Anne Bohnenkamp, freut sich sehr über das Engagement. 

Hutspende, Frankfurt am Main-Städel, Frankfurt, Museum, Goethe, Buff
Zaubern regelmäßig Spenden aus dem Hut: Carolina Romahn, Peter Ferres, Anne Bohnenkamp, Bernd Lochner und Clubpräsidentin Gabriele Haid mit den restlichen Clubmitgliedern des RC Frankfurt am Main-Städel. © Anna Masser

Bei der Kostbarkeit handelt es sich um ein Täschchen von Charlotte Buff, in die sich der junge Goethe während seiner Zeit am Reichskammergericht in Wetzlar unsterblich verliebt hatte.

Seine autobiographischen Erinnerungen verarbeitete Goethe literarisch in dem 1774 erschienenen Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, mit dem der damals noch unbekannte Dichter seinen Ruhm begründete.   

Die beutelförmige Tasche ist aus geflochtenen, grauvioletten Seidenbändchen gefertigt mit Seidenfutter in der gleichen Farbe. Sie zeigt bei den zarten, sich kreuzenden Seidenfäden Bruchstellen, die dringend der Restaurierung bedürfen.

Charlotte Buff vererbte die Tasche ihrer Enkelin Marie Eggers, durch die sie an das Goethe-Haus gelangte. Nach der Restaurierung soll sie einen repräsentativen Platz im Werther- und Faust-Raum im neuen Deutschen Museum der Romantik neben dem Frankfurter Goethehaus erhalten.

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.