Kabul - Eine Solaranlage für Afghanistan

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03.04.2013

Kabul

Eine Solaranlage für Afghanistan

Insa Fölster

Rund 50 Prozent der 27 Millionen Afghanen sind jünger als 16 Jahre. Seit 2005 ist das Irene-Salimi-Kinderhospital in Betrieb und kann bei Weitem nicht den Ansturm der Hilfesuchenden bewältigen. Die Initiatoren der einzigen Kinderklinik in Afghanistan mit europäischem Standard, das deutsche Ehepaar Dechentreiter, war 2007 beim RC Oberstaufen-Immenstadt zu Gast und schilderte etwa, dass im Herbst, wenn es im 1500 Meter hoch gelegenen Kabul kalt wird, alle Operationen eingestellt werden, weil keine Heizung vorhanden ist. Da wurde Clubmitglied Architekt Siegfried Geisser hellhörig: Eine Solaranlage müsste doch in einem Land mit sehr viel Sonnentagen möglich sein. Er flog nach Kabul und schaute sich das vor Ort an. Freund Dr. Heinz Porzig folgte und wusste die medizinische Leistung der Klinik und die Möglichkeiten zu beurteilen. Die Clubmitglieder identifizierten sich sofort mit diesem Projekt, das Freund Geisser kostenlos durchplante. Die Gesamtkosten des Projektes lagen bei geschätzten 450.000 Euro. Sie wuchsen, als sich abzeichnete, dass die Solaranlage durch eine Klimaanlage und neue Elektrikinstallation sehr rentabel sein würde, auf rund eine Million aus. Der Club Oberstaufen-Immenstadt fand reichlich Mitspender und Unterstützer weit über die Clubgrenzen hinaus. Kräftig stieg unter anderem auch der Kiwanisclub Donauwörth ein. Neben der Dechentreiter-Stiftung, die einen wesentlichen Anteil der Finanzierung trug, übernahm das Auswärtige Amt beachtliche 60 Prozent der Kosten. Am 6. Juni 2010 brachten zum ersten Mal die 147 Sonnenkollektoren Wasser zum Kochen. Die Flächendeckenheizung in allen Räumen, raumbezogen einzeln steuerbar, trat in Funktion. Das Kühlungssystem wurde fertig gestellt. Am 3. Juli konnten nach der Bauphase wieder Kinder im Irene-Salimi-Kinderhospital aufgenommen werden. Täglich finden fünf Operationen statt. Jetzt besitzt das Hospital für 2000 Quadratmeter eine der modernsten Solaranlagen der Welt. Dadurch, dass nunmehr die Klinik auch während der Wintermonate arbeiten kann, können jedes Jahr Hunderte von Kindern gerettet werden.

Erschienen in Rotary Magazin 2/2011

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