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Schwerpunkt Bildung

Notstandsgebiet Schule

Seit Generationen müssen die Schulen im Alltag die Fehler der Politik auf anderen Gebieten ausbaden. Wie es in ihnen zugeht, wird hingegen kaum thematisiert. Stattdessen wird die Lage fast immer beschönigt. Das jüngste Problem sind die Folgen der Zuwanderung

Josef Kraus01.05.2018

Was wirklich los ist in unseren Schulen, dringt selten in die Öffentlichkeit. Natürlich wissen Eltern über die einzelne Schule ihrer Kinder halbwegs Bescheid – wenn ihr Blick denn nicht verstellt ist von überehrgeizigen, helikopterpädagogischen Erwartungen. Verstellt kann der Blick auch sein durch Pisa-„Studien“, die nur einen minimalen Ausschnitt aus dem schulischen Lerngeschehen abbilden. Vor allem aber dringt nicht durch, was sich in diesen Studien nicht darstellt, nämlich die soziale und die motivationale Lage der Schülerschaft. Warum? Weil die Schulaufsicht nicht will, dass es durchdringt, und weil so manche Schulleiter aus Sorge um den Ruf ihrer Schule schweigen.

Politik, Medien und Öffentlichkeit kaschieren die echten Probleme lieber mit immer neuen Heilsversprechungen: Abitur für alle! Digitalisierung von Schule! schwerpunkt bildung Offene Schule! Lebensraum Schule! Lernen ohne Anstrengung! Keine Kränkungen durch Noten und Zeugnisse! Selbstgesteuertes Lernen! Kein Frontalunterricht! Und natürlich Integration, Integration, Integration! Nein, klipp und klar, die Schulen schaffen das nicht. Ein „Wir schaffen das“ gilt für viele Schulen nicht. Nicht weil die Schulen es nicht schaffen wollten, sondern weil sie überfordert sind von den Fakten, die die Politik geschaffen hat und deren Bewältigung man den Schulen und deren Improvisations- oder Verschleierungsgeschick überlässt.

"Schlimmste soziale Verhältnisse"
Wir müssen aber auch in Zeiten einer politisch und pädagogisch angesagten Korrektheit zur Wahrheit zurückfinden. Und diese Wahrheit heißt: Die Schulen sind durch die politisch und von Teilen der Gesellschaft gewollte Willkommenskultur überfordert. Die nachfolgenden sechs Beispiele, die für Hunderte dieser Art stehen, mögen dies belegen. 1. Anfang November 2017 kam über diverse Tages- und Sonntagszeitungen ein Bericht der Leiterin der Berthold-Otto-Grundschule in Frankfurt-Griesheim an die Öffentlichkeit.

Es ist dies eine Schule mit einem Anteil von 90 bis 100 Prozent Migrantenkindern in den Klassen. Die Rektorin spricht von „schlimmsten sozialen Verhältnissen“; sie sagt, dass an regulären Unterricht nicht mehr zu denken sei; sie diagnostiziert, dass Lernstoff, der noch in den 1990er Jahren in der 2. Klasse bewältigt werden konnte, heute in die 4. Klasse verschoben werden muss. Besonders beklagt die Schulleiterin, dass sich vor allem die muslimischen Familien der Kinder völlig abgeschottet und durch den Islam radikalisiert hätten. Diese Eltern würden ihre Kinder nicht zum Lernen anhalten und nicht dazu verpflichten, Lehrer zu respektieren.

2. Dann wurde ein Brief des Lehrerkollegiums der Gemeinschaftsschule Bruchwiese in Saarbrücken bekannt. Die Saarbrücker Zeitung hat ihn am 13. Dezember 2017 zum Aufmacher gemacht und getitelt: „Dramatischer Hilferuf von Saarbrücker Lehrern“. Dort ist von folgenden Zuständen die Rede: physische und verbale Gewalt gegen Mitschüler und Lehrer, Messerattacken, Drogen, Alkohol seien Alltag. Wörtlich: „Viele Kolleginnen haben Angst, bestimmte Schüler zu unterrichten.“ Was war die Folge dieses Berichts? Das Bildungsministerium hat den Brandbrief der Lehrerschaft „von Anfang an ernst genommen.“ Heldenhaft! Aber sonst dürfte der Bericht außer der Ankündigung, die Schule „in ihrer schwierigen Lage zu unterstützen“, kaum Folgen haben. Ob vier zusätzliche Lehrer, die da plötzlich verfügbar sein sollen, etwas grundsätzlich ändern werden?

3. In der Emma vom April 2018 beschreibt eine Lehrerin aus dem Ruhrpott unter dem Pseudonym „Andrea F.“ ihre Erfahrungen mit Schülern der Sekundarstufe I (das heißt der Klassen 5 bis 10). Auszüge: „Es gibt Klassen, in denen kein Unterricht mehr möglich ist … Sie kommen zum großen Teil völlig hirngewaschen aus den umliegenden Moscheen in den Unterricht … Der Koran steht für die über dem Grundgesetz … Jeder Lehrer mutiert in solchen Klassen zum Sozialpädagogen …. Die Schulleitung vertuscht den allgegenwärtigen Islamismus.“

4. Die nach 40 Berufsjahren pensionierte Lehrerin Ingrid Freimuth hat im März 2018 ein Buch veröffentlicht. Der Titel ist: „Lehrer am Limit. Warum Integration gescheitert ist“. Dort ist zu lesen: „Integration kann nicht gelingen, solange von Staat und Pädagogik die in unterschiedlichen Kulturen verschieden ausgeprägten Randordnungsstrukturen negiert werden, die sich besonders auf schulisches Lernen negativ auswirken – von der Weigerung, im Unterricht mitzuarbeiten, bis hin zu völlig inakzeptabel aggressivem Verhalten.“

5. Oder nehmen wir die Ende 2017 veröffentlichte „Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung“ (IGLU). Hier wurden das Leseverständnis der Schüler und ihre Lesegewohnheiten am Ende der Grundschulzeit erfasst. Allerdings bringt die „Studie“ nichts, was man nicht schon längst wüsste: Nämlich dass das Leseniveau der Schüler vor allem aufgrund ihrer „Heterogenität“ leidet. Das heißt im Klartext: Die Gesamtleistung wird durch die schwachen Leseleistungen von Kindern mit Migrationshintergrund nach unten gezogen. An anderer Stelle ist nachzulesen, dass das Leistungsniveau einer Klasse bei einem Anteil von mehr als 30 Prozent Migrantenkindern signifikant abrutscht.

6. Den Autor dieses Beitrages erreichen immer wieder Schilderungen wie die aus Frankfurt und Saarbrücken. Zum Beispiel Berichte von Grundschullehrerinnen: „Migrantenkinder haben ein exorbitantes Selbstbewusstsein. Fast alle Schülerinnen sehen sich nur vorübergehend in den Vorbereitungsklassen. Vielmehr sind sie der Überzeugung, dass sie kurz vor dem Beginn eines Studiums mit nachfolgender Stellung als Tierärztin oder Architektin stehen. Dabei reicht es bei weitem noch nicht einmal für den Hauptschulabschluss. Zu diesem Selbstbewusstsein gesellt sich ein ausgeprägter Nehmermodus – unterstützt etwa durch verständnisvolle Rechtsanwälte.“

Oder ein anderes Beispiel: „Die Kinder mit arabischen oder türkischen Wurzeln werden von ihren Eltern nicht zum Lernen angehalten. Aber es sind nicht nur die Eltern, die ihre Kinder vom Lernen abhalten, sondern vor allem die Imame in den Moscheen, die eine grundsätzliche Lernbereitschaft als obsolet erscheinen lassen. Das deutsche Bildungsangebot ist ihnen vor allem deshalb entbehrlich, weil es in absehbarer Zeit abgelöst werde von Instanzen des Koran, dem absoluten Leitmedium. Wozu dann Anstrengungen für Minderwertiges?“

Keine Mitarbeit, kein Kindergeld
Und die Folgen? An Ende haben wir viele Schulen, die nur noch dem Namen nach Schulen sind. Einzelfälle? Für die Politik ja! Aber die Realitäten sind andere, denn dergleichen haben wir an immer mehr unserer 42.000 Schulen. „Nun sind sie halt da“, würde eine Kanzlerin Merkel erneut sagen. Im Raumschiff namens Kanzleramt werden solche Berichte jedenfalls nicht oder allenfalls als Fußnote von angeblich larmoyanten Lehrern zur Kenntnis genommen werden. Reichlich vernebelnd ist es auch, wenn die Kultusministerkonferenz (KMK) meint: „Für den Umgang mit der zunehmenden Vielfalt im Klassenzimmer brauchen Lehrkräfte spezielle didaktische und diagnostische Kompetenzen.“

Also sind es mal wieder die Schulen und die Lehrer, die versagen? Nein! Denn Deutschlands Schulen und Lehrer können nicht bewältigen oder auch nur ausgleichen, was eine naive Zuwanderungspolitik ermöglicht. Integration ist keine Einbahnstraße. Das deutsche Bildungswesen leistet eine große Bringschuld. Aber die Adressaten dieser Angebote holen diese, zum Beispiel Deutschkurse, vielfach nicht ab, und sie passen sich nicht in das Schulgeschehen ein.

Wahrscheinlich hilft hier neben einer restriktiven Zuwanderungspolitik, auch beim Familiennachzug, nur etwas, was der vormalige Bezirksbürgermeister von Neukölln, Horst Buschkowsky (SPD), einmal vorschlug: Wenn Kinder nicht regelmäßig mitarbeiten und zur Schule kommen, dann kommen Kindergeld oder „Stütze“ nicht auf das Konto der Eltern. Ohne solche Maßnahmen und ohne eine andere Zuwanderungspolitik dürfte die Zukunft der „Bildungsrepublik“ bei aller hyperaktiven Reformitis jedenfalls düster aussehen.

Josef Kraus
Josef Kraus war Lehrer und Schulleiter und von 1987 bis 2017 Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Er hat mehrere Bücher zum Thema Bildung verfasst, zuletzt „Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt. Und was Eltern jetzt wissen müssen“, (Herbig Verlag, 2017) und „50 Jahre Umerziehung: Die 68er und ihre Hinterlassenschaften“, (Manuscriptum, 2018). lehrerverband.de

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