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Vortragsreihe Teil 3

Rotary in der Netzwerkgesellschaft – neue Chance für unsere Mission?

Vortragsreihe Teil 3 - Rotary in der Netzwerkgesellschaft – neue Chance für unsere Mission?
© Pixabay

Rotarisch intellektuelles Vergnügen im Rahmen der Vortragsreihe "1820 – Frühlingserwachen". Zum Beispiel zum Thema: Netzwerke

Christian Kaiser03.04.2021

"Sieben Mal rotarisch intellektuelles Vergnügen in einer Woche" hatte DG Henning von Vieregge versprochen - und die damit geweckten hohen Erwartungen wurden von allen rotarischen Referentinnen und Referenten übererfüllt. Angesichts der insgesamt dreieinhalb Stunden Vortragszeit mit einer Fülle von gehaltvollen Gedanken, Impulsen, Anregungen - auch in den sich anschließenden Diskussionen - können die Distriktreporter hier nur einzelne Eindrücke widergeben. Alle Vorträge wurden aufgezeichnet und können über die Distrikt-Homepage abgerufen werden.


Der Referent, Hans-Peter Meister (RC Frankfurt/M.-Alte Oper), ist Gründer von IFOK, einer "Beratungsgesellschaft für Nachhaltigkeit und Dialogverfahren". Zahlreiche Veröffentlichungen, etwa zur Mediation am Beispiel des Frankfurter Flughafens, zeichnen ihn aus als Experten zum Thema "Bürgerbeteiligung". In seinem Vortrag zeigt er anschaulich, wie sich bilaterale Netzwerke weiterentwickeln. Im Ergebnis wandelt sich die Industriegesellschaft zur Netzwerkgesellschaft. An die Stelle der "klassischen" Top-Down Steuerung treten damit dezentrale Prozesse. Als Phänomene der Netzwerkgesellschaft nennt der Referent unter anderem: Fakenews verbreiten sich leichter, neue Institutionen, wie Fridays for Future, tauchen auf und verschwinden ebenso schnell. Klassische Institutionen müssen sich in der Folge sehr schnell anpassen.

Als Erfolgsfaktoren in der Netzwerkgesellschaft nennt er unter anderem: Anzahl der Netzverbindungen mit Präsenz in Unternetzwerken sowie Häufigkeit und Qualität der Signale aus Sicht des Empfängers. Dabei kommt der Regelmäßigkeit der Signale und der Orientierung am Bedarf große Bedeutung zu.

Die gewählte Strategie hängt davon ab, welches Ziel erreicht werden soll. Dabei unterscheidet der Referent drei Modelle: Der Eigenbrötler ist im privaten Netzwerk unterwegs. Der Spezialist bedient nur das eigene fachliche Unternetzwerk. Viele soziale Medien zeichnen sich dagegen aus durch große thematische Breite mit starker Bedarfsorientierung.

Für einen gesellschaftlichen Wandel nennt Hans-Peter Meister Partizipation, Kooperation und Integration als die drei essentiellen Komponenten: So geht es darum, die Weisheit der Vielen zu nutzen, gemeinsame Lösungen zu erarbeiten und "vier" Dimensionen gleichzeitig anzugehen.

Diesbezüglich sieht der Referent bei Rotary beste Voraussetzungen und fasst diese zusammen unter den Begriffen Interdisziplinarität, Innovation, Verantwortung und Wirkung. Die Mission von Rotary sieht er in der Nachhaltigkeit mit der Integration von Ökologie, Ökonomie und Sozialem. "Nachhaltigkeit erfordert systematische gesellschaftliche Lern-, Such- und Verständigungsprozesse."

Für die praktische Umsetzung trägt Hans-Peter Meister drei Ideen vor: Rotarische Themen-Netzwerke bilden, gemeinsame Projekte mit anderen Akteuren durchführen und "Nachhaltigkeitskonferenzen" im Gemeinwesen organisieren. Besonders die letzte Idee wird in den sich anschließenden Breaksessions heiß diskutiert. Manche sehen in der Bereitstellung von neutralen (Internet-)plattformen für einen bürgerschaftlichen Dialog zu strittigen Themen (z.B. Windräder, Innenstadtgestaltung) ein neues Aufgabenfeld für Rotary – im Idealfall auch als Katalysator für neue Ideen. Im Bedarfsfalle sollte man als "Gastgeber" einfach zum Dialog einladen. Allerdings – so die einhellige Meinung – sollte sich Rotary nicht auf Felder wagen, auf denen bereits andere bürgerschaftliche oder kommunale Akteure unterwegs sind.


Mehr aus der Veranstaltungsreihe auch unter: www.rotary.de/a17795, www.rotary.de/a17807, www.rotary.de/a17809, www.rotary.de/a17810, www.rotary.de/a17811, www.rotary.de/a17812

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.