Konferenz im Kuhstall

D1880 – Herrnhut: Über 300 Gäste erlebten eine Distriktkonferenz in sehr persönlicher Atmosphäre, die abends auch Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Verweilen einlud
Die dicken Backsteinmauern des ehemaligen Stalls im Zinzendorf-Schloss Berthelsdorf konnten die Rekordhitze am Konferenztag nicht ganz abhalten. Aber schon ihr frisch geweißelter Anblick verschaffte den über 300 Gästen, die der Einladung von Governor Daniel Neuer in die Oberlausitz gefolgt waren, ein wenig Abkühlung. Neuer, Mitglied der evangelischen Herrnhuter Brüder-Unität und als Architekt verantwortlich für zahlreiche denkmalgerechte Sanierungsprojekte in der Region, hatte ein interessantes Programm rund um die Gebäude des Ortes und die Geschichte der ostsächsischen Grenzregionzusammengestellt.
Die geografische Nähe zu Polen und der Tschechischen Republik war naturgemäß häufig Thema, die gastgebenden Freunde vom Rotary Club Dreiländereck Oberlausitz wurden ihrem Namen gerecht: Auch Vertreter der angrenzenden Nachbarn waren eingeladen und präsentierten gemeinsame Projekte. Jan Linda, RC Cheb/Eger, betonte: „Wir sind nicht nur Nachbarn, die über den Zaun schauen, sondern wir mähen auch gegenseitig mal den Rasen.“
Hoffnungsvolle Bärin
Daniel Neuer hatte sich in seinem Jahr auf die drei Themen Ukraine-Hilfe, Jugenddienst und Polio konzentriert. Besonders sein Interesse am Kampf gegen die Kinderlähmung wurde auf der Konferenz deutlich, denn gleich am Eingang galt es, über den Namen für den riesigen Bären abzustimmen, der im Februar sogar mit zur Münchner Sicherheitskonferenz gereist war. Die meisten fanden: Er ist eine Sie, und so heißt der Plüschpetz ab sofort „Hope“. Über diese „Taufe“ freute sich auch die Polio-Beauftragte Birgit Schleicher, die mit ihrem Team vor Ort die Spendenkasse ordentlich zum klingeln brachte: es gab „Polio Petits Fours“.

Gut gelaunter Landeschef
Zum Glück waren davon noch ein paar übrig, als später Sachsens Ministerpräsi-dent Michael Kretschmer vorbeischaute. Für den gebürtigen Görlitzer war der Besuch bei den rotarischen Gastgebern ein Heimspiel – man kennt und schätzt sich. Auf die Frage, was Rotary seiner Meinung nach in Sachsen ausbauen sollte, antwortete er: „Eines der schönsten und wichtigsten Projekte Rotarys ist der Austausch: Junge Menschen hierher zu bringen und andere von hier in die Welt zu schicken, ist einfach großartig. Es verändert ihr Leben, ihre Haltung, ihr Selbstbewusstsein – das ist so unglaublich wertvoll.“
Neuers Nachfolger Sven Rössel (RC Leipzig) freute sich bei der Übergabe des Governoramtes auch über einen Mini-Bären mit zwei T-Shirts zum Wechseln: mit Polio- und mit Rotary-Logo.
In Kürze: „Nicht die Dinnertypen“
Von Vorurteilen gegenüber Rotary auch in Italien berichtete der Vertreter des RI-Präsidenten 2025/26 Francesco Arezzo bei der Distriktkonferenz: Der ebenfalls aus Sizilien stammende Francesco Milazzo (RC Catania) studierte zwei Jahre in Freiburg und wurde später Professor für Römisches Recht. Er spreche häufig mit Nicht-Rotariern über Rotary, diese seien vom humanitären Charakter Rotarys überrascht. „Wir sind nicht die Dinnertypen“, sage er dann immer, um Rotary von einem Vorurteil zu befreien, das in einigen Ländern Europas noch immer existiert. Der Dank für sein Kommen: ein original Herrnhuter Stern in den Farben von „il tricolore“.





