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Vom Grußbotschafter zum Gamechanger

von Ulrich Heucken | 
 |  Lesezeit: 3 Minuten

The same procedure as every year – heißt es für die Clubs, wenn der Governorbesuch ansteht. Die Abläufe sind dabei fast immer gleich, heraus kommt nur wenig. Das geht besser – in Zusammenarbeit mit dem Governor elect

Zunächst steht die Sitzung mit dem Clubvorstand an. In der Regel wollen alle Governor wissen: Zahl der Mitglieder, Durchschnittsalter, Clubaktivitäten, Global Grants und Polio-Spenden? Dabei treten durchaus auch Defizite zutage, die aufmerksame Governor wahrnehmen. Aber was folgt daraus? Meist nichts. Im Clubmeeting wird das RI-Jahresmotto verkündet, die Grüße des RI-Präsidenten vorgetragen und Eindrücke von der Governorschulung in Orlando geteilt. Ab und an wird dazu eine Nachricht aus dem Distrikt weitergetragen. Einzelne Governor setzen noch einen eigenen Schwerpunkt, sammeln etwa Geld für ein großes Projekt, an dem sich jeder Club gerne beteiligen darf – oder besser gesagt: muss. In meinem Distrikt zum Glück keine gelebte Praxis.

Fehler im System?

Die Herausforderungen, vor denen ein Club steht, Überalterung, schlechte Präsenzen und daraus resultierend mangelndes Engagement der Mitglieder zum Beispiel, werden nicht angesprochen. Das könnte unangenehm werden – für den Governor und für den Club. Einen schlechten Eindruck möchte kein Governor hinterlassen, weswegen besser darüber hinweggesehen wird. Harmonie, befördert durch ein Lob an den Club, auch wenn es an dieser Stelle womöglich gar nicht angebracht ist, prägt die meisten Termine. Schnell ist der Abend vorbei, und am nächsten Tag steht schon der nächste Clubbesuch an. Dieser lässt schnell die erkannten Probleme beim vorherigen Club vergessen.

Die Governor elect müssten diejenigen sein, die die Clubs besuchen, Eindrücke gewinnen und Probleme identifizieren

 

Genau hier sollte man ansetzen: Governor verstehen sich selten als Dienstleister und Problemhelfer der Clubs. Sie beschränken sich meist auf die Repräsentanz von Rotary International. In der Tat, genauso ist ihre Rolle auch angelegt. Das sollte RI ändern: Die Governor elect müssten diejenigen sein, die die Clubs besuchen, Eindrücke gewinnen, Probleme identifizieren und dann ihr Governorjahr nutzen, um effektiv mit den Clubs und den Assistant Governorn an der Behebung zu arbeiten. Zugleich könnte der Governor die gesammelten Informationen einsetzen, um in seinem Jahr neue Synergieeffekte für Clubs freizulegen. Identifiziert er mehrere Clubs, die Projekte im selben Land anstoßen, aber voneinander nichts wissen, kann der Governor die Clubs miteinander vernetzen. Er kann Fundraising-Aktionen zusammenführen, gemeinsame Meetings anregen und so das rotarische Miteinander stärken – vorausgesetzt die Clubs nehmen die Dienstleistung an und sehen diese nicht als Beschneidung ihrer Autonomie. Was wäre das für ein Fortschritt in Deutschland und Österreich!

Im klugen Zusammenspiel leistbar

Das Teilen von wichtigen Informationen in die Clubs: Haben Sie schon einmal von einer Liste mit Anerkennungspunkten gehört, die die Clubs beim RI-Büro in Zürich sammeln? Alle 1000 Punkte kann ein Club eine Paul-Harris-Fellow-Auszeichnung anfordern; muss man nur kennen; muss man nur abrufen! Solche Infos im PELS oder auf einem Gover­nor­abend wären hilfreich und würden eine Anerkennungskultur in einem Club fördern, gefolgt von sicher erhöhtem Engagement der Mitglieder. Vom Grußbotschafter zum Gamechanger – das wäre die richtige Rolle für den Governor. Bedeutet dies Mehrarbeit? Vordergründig ja, denn das Elect-Jahr wäre von Clubbesuchen geprägt und das Amtsjahr dann von der effektiven Arbeit auf Distrikt- und Clubebene. Im klugen Zusammenspiel einer Gover­nor­sta­fet­te ist dies leistbar. Rotary würde enorm profitieren. Vielleicht sogar eine Idee für das nächste CoL? 

Zur Person: Michael Meissner

RC Hamburg-International / war 2024/25 Präsident und leitet in diesem rotarischen Jahr das Öffentlichkeitsarbeitsteam des Clubs