Distrikt 1860Rotary vor Ort
von Irmintraut Jost |
| Lesezeit: 2 Minuten

Rotary zeigt Haltung

Distrikt 1860: Am Internationalen Tag der Toleranz diskutierten 300 Rotarierinnen und Rotarier über die rotarische Verantwortung für gesellschaftliche Zusammenhänge und die Stärkung der Demokratie

Unter dem Motto „Freiheit – Verantwortung – Demokratie“ hatte Governor Nicole Huber zur Halbjahreskonferenz von D1860 auf das geschichtsträchtige Hambacher Schloss geladen. 300 Rotarier stellten sich in Plenum und Workshops der Frage, wie das Demokratieverständnis in Clubs und Gesellschaft gestärkt werden kann.

„Haltung zeigen und …

Zwei Aspekte zogen sich als rote Linie durch die Diskussionsbeiträge: Erstens, Demo­kratie wird nicht von außen zerstört, sondern stirbt schlei­chend, wenn ihre Freunde schweigen! „Rotary steht für die unveräußerliche Würde jedes Menschen, für Gleichheit und Toleranz, für freiheit­liche Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Jede Form von Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und Men­schen­feindlichkeit lehnen wir ab“, betonte Huber in ihrer Einstimmung auf den Kongress. Für die ­rotarische Gemeinschaft ­bedeute dies, Haltung zu ­zeigen, Desinformation entgegenzutreten und Fakten zu verteidigen. „Keine Toleranz gegen Intoleranz“, forderte der rheinland-pfälzische SPD-Innen­minister Michael Ebling (RC Mainz-Churmeyntz). Der Historiker Hermann Schäfer (RC Bonn Süd-Bad Godesberg) appellierte an die Gäste, aus der unrühmlichen Vergangenheit Rotarys zu lernen. In den 30er Jahren schlossen viele Clubs jüdische Mitglieder aus. Viele müssten sich heute fragen, ob sie im eigenen Club einen Integrationsbeitrag leisteten.

… mutiger werden“

„Demokratie braucht emotionale Bindung“, forderte Dr. Kristian Buchna, Co-Geschäftsführer der Stiftung Hambacher Schloss. Er kritisierte das „unfrohe
Verhältnis“ der Deutschen zur Demokratie. Demokratie brauche Polarisierung, aber auch ein posi­tives Narrativ, den Glauben, dass die Situation gemein­sam gelöst werden kann, betonte Politikwissenschaftlerin Andrea Römmele (RC Mannheim). Conrad Clemens (RC Dreiländereck Oberlausitz), CDU-Kul­tus­minister des Freistaates Sachsen, verwies auf die „ein­zigartige Erfolgsgeschichte“ seit der Wiedervereinigung, die wir uns nicht kaputt reden lassen sollten. Er forderte mehr Demokratie-Erfahrung durch Mitwirkung und Mitbestimmung an Schulen.

Einigkeit herrschte darüber, dass die Politik ­ihre eigentlichen Aufträge mutiger erfüllen muss. Der Eindruck „Die kriegen nichts gebacken“ stehe für ein Versagen des Staates, so Minister Ebling. Für Nicole Huber gab es Standing Ovations – für einen gelungenen Tag der Reflexion und Motivation.


 

In Kürze: Brainstorming für Demokratie

Während der Halbjahres­konfe­renz auf dem Hambacher Schloss erarbeiteten Rotary-Mitglieder in acht Barcamps Vorschläge zur Stärkung der Demokratie. Viele konzentrierten sich auf Initiativen für junge Menschen. Demokratieerziehung solle in den Lehrplan aufgenommen, aber auch erlebbar gemacht werden. Die Instrumente dafür: Schulversamm­lun­gen, externe Programme, Podiumsdiskussionen mit verteilten Rollen … Auch Rotarys Mitgliedschaftskriterien wurden hinterfragt und ein stär­keres Netzwerk mit Jüngeren, eine Intensivierung des Jugendaustauschs und ein leichterer Übergang von Rotaract zu ­Rotary empfohlen.

Irmintraut Jost

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