News

Drei Wörter, eine Geschichte

von Henning v. Vieregge | 
 |  Lesezeit: 2 Minuten

Es ist ein Kinderspiel, das Kinder und Eltern gleichermaßen fordert. Das Kind sagt drei Begriffe und der oder die Ältere muss eine Geschichte erzählen, in der die drei Begriffe vorkommen. Meine Begriffe sind China, eine Frau mit einem Müllgreifer und Kleinvieh.

Meine Geschichte fängt an mit jemandem, der lange in China gelebt hat und davon erzählt.  Sein Fazit: Der frühere Lehrling China hat den Meister Europa inzwischen in den Schatten gestellt. In China geht es aufwärts, so viel Energie, so viel Aufstiegswillen.  Die haben einen langfristigen Plan und so weiter und so fort. Darauf die Diskussion: Bei uns funktionieren nur die Absperrungen, die monatelang den Verkehr lahmlegen, aber hinter den Absperrungen passiert viel zu wenig, zu langsam, zu umständlich, zu teuer. Reformen werden angekündigt, aber nicht umgesetzt. Wir sollten es so machen wie China.

Dann erzählt der Experte von der Covid-Bekämpfung, bei der die Chinesen monatelang eingesperrt waren, weil die Parteispitze es so wollte. Da wurden die Befürworter etwas kleinlaut. Aber dennoch: Eine Diskussion über China verdeutlicht, dass sein Erfolg die Versuche autoritärer Modelle hierzulande befeuert. Das ist neu und problematisch.

Vor wenigen Jahrzehnten war man sich hierzulande einig, dass Demokratie und Marktwirtschaft zusammengehören wie Stan und Laurel, zwar unterschiedlich, aber unzertrennlich. Wo Freiheit ist, entsteht Marktwirtschaft und eben auch umgekehrt. China hat diese Zuversicht zerstört. Deng hat die Tür zum wirtschaftlichen Erfolg geöffnet, aber das Tor zur Freiheit bleibt verschlossen. Die Chinesen wollen nie so sein wie wir, sagt der Chinaexperte. Und umgekehrt, möchte man hinzufügen.

Liegt nicht unsere Stärke in der Freiheit des Einzelnen? Aber Freiheit ist auch Verpflichtung, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, in der Abverlangungen mit dem Begriff „Reform“ schlecht beschrieben sind. Was können wir tun? Hier kommt die Dame mit dem Müllgreifer ins Spiel. Sie geht mit ihrem Hund und dem Müllgreifer in ihrem Ortsteil in einer Großstadt spazieren und man kennt sie. Und spricht sie an, um sich zu bedanken. Es macht ihr Spaß, tut ihr gut, das Müllsammeln mit dem Greifer.  Kleinvieh macht auch Mist – dieser Spruch passt hier. Ob die Dame mit dem Müllgreifer Rotarierin ist, weiß ich nicht. Aber schön wär’s.

Zum Magazin

Der letzte Moment. Was Pomeji über uns verrät.
10 / 2026
Die letzte Kurve? Die Zukunft des deutschen Autos
09 / 2026
Die Wunderfrauen – Wie Deutschland zurück in die Welt fand
08 / 2026
Ohh the Germans! 250 Jahre USA: Eine Beziehungsgeschichte
07 / 2026
Taiwan: Das andere China
06 / 2026
Die grosse Versuchung
05 / 2026
Fäden ziehen
04 / 2026
Im Namen des Volkes
03 / 2026
Die da oben
02 / 2026
Geduld
01 / 2026
Die Kraft des Singens
12 / 2025
Unter die Haut: Tattoos
11 / 2025
Die Rente ist sicher
10 / 2025
Als Gott auszog – Gedanken zur Umwidmung von Kirchen
09 / 2025
Österreich - Erinnerungen an die Zukunft
08 / 2025
Comeback des Sportvereins
07 / 2025
Man muss Menschen mögen
06 / 2025
Alles auf Anfang
05 / 2025
Cool Japan
04 / 2025
Mut zum Bruch: Deutschland nach der Wahl
03 / 2025
Gehasst oder geliebt?
02 / 2025
Wettrüsten im All: Wie Europa abghängt wird
01 / 2025