Eine poliofreie Welt braucht Verlässlichkeit

Rotary hat sich einer poliofreien Welt verpflichtet. Warum dieses Versprechen weiterhin Zusammenarbeit, Vertrauen und Engagement braucht, verdeutlichte Christian Schleuss beim Weltpoliotag 2026 auf Zollverein. Seine Botschaft: den Kampf gegen Polio gemeinsam zu Ende zu führen.
Was verbindet die Bergleute auf Zollverein mit dem weltweiten Einsatz gegen Kinderlähmung? Verlässlichkeit, Zusammenhalt und die Gewissheit, sich aufeinander verlassen zu können. Wer gemeinsam ein großes Ziel erreichen will, muss füreinander einstehen. Über Ländergrenzen, politische Gegensätze und Krisen hinweg.
Der Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und „End-Polio-Now“-Koordinator von Rotary International für Deutschland, die Schweiz und Liechtenstein 2025/2026 stellte damit den Zusammenhalt in den Mittelpunkt. „Ein Team, ein Traum, eine poliofreie Welt“ lautete das Motto. Dahinter steht ein Versprechen, das Rotary seit Jahrzehnten begleitet.
Ein Versprechen mit Geschichte
Der Vortrag zeichnete den Weg von frühen Hilfen für Kinder mit Behinderungen bis zum weltweiten Engagement gegen Polio nach. Ein entscheidender Schritt war die Impfaktion auf den Philippinen 1979 mit dem Ziel, 6,3 Millionen Kinder zu impfen. Aus solchen Erfahrungen entstand die Idee, die Krankheit weltweit zu überwinden.
Mit PolioPlus machte Rotary dieses Ziel 1985 zu einer dauerhaften Verpflichtung. 1988 entstand die Global Polio Eradication Initiative, kurz GPEI. Der Anspruch war gewaltig: eine Krankheit weltweit auszurotten. Dafür mussten Spenden mobilisiert, Staaten gewonnen und internationale Partner zusammengebracht werden.
Wie weit dieser gemeinsame Einsatz getragen hat, verdeutlichte der Rückblick auf die schrittweise Zertifizierung ganzer Weltregionen als frei von Wildpolioviren. Diese Erfolge bilden zugleich den Hintergrund für die zentrale Frage: Was braucht es, um das Begonnene zu vollenden?

Jeder Partner erfüllt eine Aufgabe
Die Antwort führt zur Zusammenarbeit. Schleuss verglich die Partner der GPEI mit Teilen eines Körpers, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und gemeinsam handlungsfähig werden.
Die WHO koordiniert Strategie und Überwachung, die US-Gesundheitsbehörde CDC bringt wissenschaftliche Expertise und Laborkapazitäten ein. UNICEF organisiert Impfstoffe und Logistik und arbeitet an der Kommunikation mit den Menschen vor Ort. Die Gates Foundation finanziert unter anderem Forschung und neue Technologien, Gavi unterstützt die Verankerung von Impfungen in der regulären Gesundheitsversorgung.
Rotary trägt mit Spenden, ehrenamtlichem Einsatz und politischer Überzeugungsarbeit dazu bei. Ebenso wichtig ist das Vertrauen, das über persönliche Kontakte und langfristiges Engagement entsteht.
Impfungen brauchen Zugang und Vertrauen
Wie verletzlich Fortschritte sein können, zeigte der Blick nach Gaza. Krieg und die Unterbrechung der Gesundheitsversorgung erschweren den Schutz von Kindern. Wo das Virus nachgewiesen wird, müssen Impfmaßnahmen auch unter schwierigsten Bedingungen organisiert werden.
Zugleich machte der Vortrag deutlich, warum medizinische Innovation weiterhin gebraucht wird. Vorgestellt wurden ein genetisch stabilerer Schluckimpfstoff sowie alternative Verfahren zur Verabreichung von Impfstoffen. Sie sollen helfen, Kinder auch dort wirksam zu schützen, wo schwierige Lebensbedingungen den Impferfolg beeinträchtigen.
Doch medizinische Möglichkeiten allein genügen nicht. Impfstoffe müssen die Kinder erreichen, und ihre Familien müssen der Impfung vertrauen. Das Bild einer afghanischen Mutter stand deshalb für eine weiterreichende Frage: Wie viele Brücken müssen gebaut werden, bevor eine Impfung möglich wird? In diesem Sinne beschrieb Schleuss den Einsatz gegen Polio auch als großes Friedensprojekt von Rotary.
Verantwortung wird durch Handeln konkret
Am Ende führte die Keynote drei Begriffe zusammen: Verantwortung, Handeln und Entscheidung. Spenden, politisches Engagement und persönliche Überzeugungsarbeit halten das gemeinsame Vorhaben am Leben.
Die Schlussbotschaft war entsprechend deutlich: Ob eine poliofreie Welt erreicht wird, hängt auch von den Entscheidungen ab, die heute getroffen werden. Rotary hat sich diesem Ziel verpflichtet. Nun gilt es, die Verlässlichkeit zu zeigen, die schon zu Beginn des Vortrags im Mittelpunkt stand: gemeinsam weiterzumachen, bis das Versprechen eingelöst ist.





















