Im Herzen Europas
Rund 400 Rotarier aus 20 Ländern machten sich auf ins Unbekannte. Den Action Summit in Palanga werden sie so schnell nicht vergessen

Rund 400 Rotarier aus 20 Ländern machten sich auf ins Unbekannte. Den Action Summit in Palanga werden sie so schnell nicht vergessen
Die Dramaturgie hätte kaum besser sein können: Die See ging hoch, die Rotarier trotzten Wind und Wellen, und das Spektakel an der Ostsee ging mit einem großen Knall zu Ende. Im litauischen Palanga trafen sich die Governor Elect der Zonen 15, 16, 17 und 18 zunächst zum GELS (Governor Elect Learning Seminar), es folgte der Rotary Action Summit mit rund 400 Rotariern aus 20 Ländern, ehe mehr als 1500 Rotarier bei der Rotariada zum ebenso freundschaftlichen wie ehrgeizigen sportlichen Wettstreit antraten.
Dass der Summit überhaupt in Litauen stattfinden sollte, war die Idee von RI-Direktorin Christine Büring (Zonen 15, 16) und RI-Direktorin Soffia Gisladottir (Zonen 17, 18) aus Island. „Wir wollten das Baltikum, das uns so nah ist und über das wir so wenig wissen, ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit holen“, so Büring. „Außerdem wollte ich den Schwung dieser dynamischen Region mitnehmen und die Internationalität von Rotary leben.“ Tatsächlich entwickeln sich Rotary und Rotaract in Litauen seit einigen Jahren sehr positiv – 1800 Rotarier bei weniger als drei Millionen Einwohnern – andererseits hätten die baltischen Staaten wegen ihrer Nähe zu Russland ein besonderes Sicherheitsbedürfnis, das sich in einer starken rotarischen Solidarität mit der angegriffenen Ukraine zeige.
Als die Entscheidung auf Litauen gefallen war, hätten Büring und Gisladottir die sichere Variante wählen können: die Hauptstadt Vilnius. Aber sie entschieden sich bewusst für das „Abenteuer Palanga“, wie Büring sagt. Der kleine, aber feine Badeort an der Ostsee hatte sich herausgeputzt für das internationale Publikum, und zeigte stolz vor, was sich dort in den vergangenen Jahren in den Bereichen Hotellerie, Gastronomie und Kultur entwickelt hat.
Büring brach mit einigen Konventionen, verzichtete auf Ehrentische für die RI-Spitze und Direktoren, weniger rotarische Predigten und mehr Inhalte. „Mir war der Austausch wichtig, wir wollen doch voneinander lernen“, sagt sie. Das Programm hätte Chefdramaturgin Büring nicht passender wählen können: In großen Plenumsveranstaltungen und in kleinen intensiven Workshops beschäftigten sich die Summit-Teilnehmer mit den Schlüsselfragen zur Zukunft von Rotary: Mitgliederentwicklung, der Übergang von Rotaract zu Rotary sowie die Frage, wie Rotary nachhaltige Friedensarbeit gerade in diesem Teil der Welt leisten kann.
Dass das Thema Sicherheit für die Menschen des Baltikums von essenzieller Bedeutung ist, weiß kaum jemand besser als General a.D. Jörg Vollmer (RC Bonn-Rheinbach). Von 2015 bis 2020 war er Inspekteur des Heeres und von 2020 bis 2022 Oberbefehlshaber der Nordostflanke, die von Norwegen bis zur Slowakei reicht. Bei der Auftaktveranstaltung in der Konzerthalle betonte er, dass Rotary in geopolitischen Fragen eine wichtige Rolle spielen könne. „Wir sind Botschafter der Wahrheit. Die Vier-Fragen-Probe verpflichtet uns dazu, uns einzumischen und eine klare Haltung zu zeigen. Ein stabiles Baltikum stabilisiert ganz Europa und führt zu nachhaltigem Frieden“.
Zum Konzept der Chefdramaturgin gehörte es auch, zwischen einzelnen Programmpunkten Musik einzuspielen und mit ihren Gesprächspartnern auf der Bühne zu tanzen. Sogar RI-Präsident Olayinka Hakeem Babalola, von allen Yinka genannt, ließ sich zu mehreren Tänzchen hinreißen. Mit großer Leidenschaft rief er die rotarischen Freunde dazu auf, nachhaltige Veränderungen zu bewirken: „Jeder von euch muss rausgehen und seine Geschichte erzählen, wie Rotary ihn verändert hat. Dann werden wir nicht nur neue Mitglieder gewinnen, sondern auch nachhaltig in die Gesellschaft hineinwirken.“ Zurecht werteten die litauischen Gastgeber Yinkas Teilnahme als starkes Signal: „Er war hier bei uns statt auf einer der vielen anderen rotarischen Veranstaltungen“, freute sich Mingaile Scherer, Organisatorin und Bürings rechte Hand vor Ort. Als weitere Zeichen der Wertschätzung waren auch die Past-RI-Präsidenten Holger Knaack und Stephanie Urchick nach Palanga gekommen. Gleich drei RI-Präsidenten in Litauen – das hatte es zuvor noch nie gegeben.
Ganz neu war auch Bürings Idee, den Summit in ein bestehendes Konzept zu integrieren und ihn zwischen den Governor-Schulungen und der Rotariada einzubauen. Zur Rotariada, der 25. Auflage der „rotarischen olympischen Spiele“ schwoll das Ostseestädchen von 400 auf 1800 Rotarier aus 20 Ländern an. Im Stadion von Palanga gab es neben leichtathletischen Wettkämpfen auch Vergleiche im Pistolenschießen, Pétanqe und natürlich in der litauischen Nationalsportart Basketball. Die Stargäste kamen aber aus der Ukraine: Das „Team of Heroes“, kriegsversehrte Veteranen, war auf Einladung einiger litauischer Rotary Clubs gekommen, um über ihr Schicksal zu berichten, an der Rotariada teilzunehmen, sich für die große Hilfe der Rotarier zu bedanken und sich ein paar Tage zu erholen.




























