Rotary Aktuell
von Florian Quanz |
| Lesezeit: 7 Minuten

„Vorbereitung rettet Leben”

Mildred Vitangcol ist als Public Image Koordinatorin von Rotary für die Philippinen pausenlos im Einsatz. Im Gespräch erklärt sie, welche Rolle Rotary bei der Katastrophenhilfe spielt und welche neuen Ansätze es gibt.

Wir trafen sie am Rande eines ShelterBox-Hilfseinsatzes im Norden der Insel Cebu zum Gespräch.

Welche Rolle haben Sie für die Rotary-Mitglieder auf den Philippinen?

Ich bin Public Image Coordinator von Rotary für die Philippinen. Diese Aufgabe bietet mir die Möglichkeit, das öffentliche Verständnis von Rotary zu stärken, indem wir Geschichten darüber teilen, wie wir als People of Action in unseren Gemeinschaften positive Veränderungen bewirken.

Diese Region gehört zur Zone 10A und umfasst zehn Rotary-Distrikte auf den Philippinen. Aktuell befinden wir uns im Distrikt 3860, der Cebu City sowie Teile der Visayas und Mindanaos abdeckt.

Leider wurde diese Region in letzter Zeit stark getroffen: Vor einem Monat gab es ein Erdbeben, und nun schwere Überschwemmungen. Die Regenfälle, die ursprünglich für Nord-Luzon vorhergesagt waren, haben sich hierher verlagert, sodass Teile von Cebu überflutet wurden und viele Menschen unvorbereitet waren. Ich habe eine persönliche Verbindung zu dieser Provinz, da ich hier in Cebu Medizin studiert habe.

Die Hauptaktivitäten von ShelterBox auf den Philippinen sind in Cebu angesiedelt. Welche Rolle haben Sie dort?

Ich wurde vom ShelterBox Trust beauftragt, bei der Umsetzung und Weitergabe (Cascading) ihrer Programme zu helfen. Auch wenn die Schulungsmodule noch nicht vollständig ausgerollt sind, arbeiten wir bereits auf der Basis- bzw. Gemeindeebene. Wir unterstützen Gemeinschaften dabei, mit Katastrophen umzugehen, und hoffen, ihre Not zumindest ein wenig lindern zu können.

Gibt es auf den Philippinen noch Potenzial, das Bewusstsein für ShelterBox zu stärken?

Ja, definitiv. Viele Rotary-Mitglieder kennen ShelterBox bereits, insbesondere durch frühere Einsätze bei großen Katastrophen wie Taifun Yolanda. ShelterBox hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Familien sich erholen konnten – nicht nur praktisch, sondern auch emotional. Selbst heute, nach den morgendlichen Nachbeben, sieht man, wie groß der psychologische Unterstützungsbedarf ist.

Rosemarie erwähnte Ihre Arbeit beim Kapazitätsaufbau in Rotary-Clubs in Zusammenarbeit mit ShelterBox Operations Philippines. Wie sieht Ihre Vision dazu aus?

Ich habe diese Aufgabe erst im vergangenen Juli übernommen. Die Bedürfnisse unterscheiden sich von Gemeinde zu Gemeinde, aber wir haben gesehen, wie Rotary nach Katastrophen helfen kann – zum Beispiel in Mindanao, wo wir Fischer dabei unterstützt haben, ihre Boote wiederaufzubauen und so ihre Existenzgrundlage zu sichern.

ShelterBox ist nun seit über fünf Jahren auf den Philippinen tätig, und viele Familien, die von Verlust überwältigt waren, hatten dadurch die Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen und sich zu erholen. Unsere Hoffnung ist, mehr Clubs in Projekte zur Existenzsicherung einzubinden, sobald die Unterbringung gesichert ist, und Familien durch Bildung und Beratung zu unterstützen, wie es für sie weitergehen kann.

Die ShelterBox-Teams – wie das von Rosemarie – sammeln hervorragende Bedarfsanalysen. Diese helfen Rotary-Clubs, passende Maßnahmen zu planen, sei es Nahrungsmittelhilfe, Unterstützung bei der Einkommenssicherung oder sichere Beleuchtung. Gemeinsam können wir Gemeinschaften – einschließlich Schulen – transformieren und den Menschen nach einer Katastrophe neue Hoffnung geben.

Sie haben das „Cascade-System“ erwähnt. Wie funktioniert das?

Ich habe kürzlich einen anderen Distrikt mit ähnlichen Herausforderungen besucht und dort mit Distrikt-Governors gesprochen, die für alle Clubs verantwortlich sind. Die Idee ist, dass die Governors Seminare organisieren – online oder in Präsenz –, in denen die ShelterBox-Programme vorgestellt und weitergegeben werden. Die Distrikte können außerdem Katastrophenteams bilden und mit ihren Public-Image-Ausschüssen sowie den lokalen Katastrophenschutz- und Risikominderungsstellen der Regierung zusammenarbeiten. Gemeinsam können wir Gemeinden während Katastrophen unterstützen und den Wiederaufbau begleiten.

Und die Module, die ShelterBox einführt – sie befassen sich mit Bedarfsanalysen, Einverständnis, ethischem Storytelling und Schutzkonzepten, richtig?

Ja. Rosemarie und der neue Manager haben uns durch die Module geführt. Sie sind sehr informativ und werden helfen, die Arbeit auf Gemeindeebene weiter zu verbessern.

Sie hoffen, dass Rotary-Clubs diese Online-Module im Rahmen ihrer Katastrophenvorsorge absolvieren?

Auf jeden Fall. Die Philippinen erleben regelmäßig Erdbeben und Taifune. Wir sollten nicht warten, bis eine Katastrophe eintritt – Vorbereitung rettet Leben. Rotary kann dabei eine wichtige Rolle spielen: als stabile, kompetente, engagierte und gut vernetzte Kraft in Gemeinschaften weltweit.

Die Module stärken das Wissen und die Fähigkeiten von Rotary, um Gemeinschaften bereits vor einer Katastrophe widerstandsfähiger zu machen – und damit auch die Erholung danach zu erleichtern.

Sehen Sie auch, dass Rotary-Clubs diese Schulungen für ihre eigenen Projekte nutzen?

Ja. Da jedes Jahr neue Distrikt-Governors ihr Amt antreten, hoffen wir, diese Inhalte in ihre Ausbildungsprogramme zu integrieren. Ich bin der Meinung, dass Katastrophenmanagement ein fester Bestandteil der regulären Rotary-Schulungen sein sollte.

ShelterBox Operations Philippines reagiert direkt auf Katastrophen, aber Rotary-Clubs führen auch eigene Projekte durch. Können Sie Beispiele nennen?

Viele Clubs beginnen mit Spendenaktionen. Der dringendste Bedarf ist oft Nahrung. Rotary-Clubs reagieren nicht nur auf Taifune und Erdbeben, sondern auch auf Überschwemmungen und Brände. Mitglieder sind häufig als Erste vor Ort und versorgen Betroffene mit warmen Mahlzeiten, Decken und anderen lebenswichtigen Gütern. Sie organisieren Sammlung und Verteilung der Hilfsgüter. Später führen Clubs medizinische Einsätze durch oder organisieren temporäre Unterkünfte. Das Rotary-Modell der „adoptierten Gemeinde“ hilft dabei, diese Einsätze effizient zu gestalten.

Blicken wir nach vorn: Sehen Sie weitere Kooperationsmöglichkeiten zwischen Rotary und ShelterBox?

Ja. Mit über 7600 Inseln stellen Logistik und Erreichbarkeit eine große Herausforderung dar. Der Aufbau mehrerer regionaler Logistikzentren könnte die Reaktionszeiten deutlich verkürzen. ShelterBox arbeitet mit einem kleinen Team, aber lokale Freiwillige könnten eine wichtige Rolle übernehmen. Einige Distrikte arbeiten bereits eng mit Katastrophenteams zusammen – dieses Modell möchten wir ausweiten.

Gibt es Möglichkeiten für Rotary-Mitglieder, nach Katastrophen direkt bei ShelterBox mitzuarbeiten?

Auf jeden Fall. Wir verfolgen dieselbe Mission: den gleichen Gemeinschaften mit humanitärer Hilfe beim Wiederaufbau nach Katastrophen zu dienen. Zusammenarbeit macht Projekte wirkungsvoller und sinnvoller, weil wir mehr Menschen erreichen – auch jene, die sonst vielleicht keine Hilfe erhalten würden.

Welche Botschaft möchten Sie Rotary-Mitgliedern weltweit zur Zusammenarbeit zwischen Rotary und ShelterBox auf den Philippinen mitgeben?

Wir sind sehr dankbar für die Partnerschaft mit ShelterBox. Sie war entscheidend dabei, Familien bei der Erholung zu unterstützen. Eine engere Kommunikation zwischen ShelterBox und der Rotary-Distriktführung wird die Geschwindigkeit und Wirksamkeit der Hilfe weiter verbessern. Die Arbeit von ShelterBox gibt einigen der ärmsten Familien hier neue Hoffnung.

Gestern haben wir Bernard Vonn Sia getroffen, der die Bedeutung der ShelterBox-Bedarfsanalysen hervorgehoben hat, um Rotary dabei zu helfen, besonders gefährdete Haushalte zu identifizieren und zu unterstützen. Wenn Clubs diese Module übernehmen, lernen sie bewährte Verfahren der Katastrophenvorsorge und -hilfe und können diesen durchdachten Ansatz auch auf eigene Projekte übertragen.

Sind Sie auch mit Rotaract auf den Philippinen bestens vernetzt?

Ja. Rotaract und die Rotary Community Corps (RCCs) sind starke Partner. Die Mitglieder der RCCs sind tief in ihren Gemeinden verwurzelt und arbeiten oft gemeinsam mit Rotary-, Rotaract- und ShelterBox-Teams an Projekten. Ein Rotary Community Corps besteht aus Nicht-Rotariern, die unser Engagement teilen, durch Serviceprojekte die Welt zu verändern. Auch RCCs können von ShelterBox lernen und das Wissen lokal weitergeben – über Rotary hinaus.

ShelterBox führt zudem umfassende Nachbewertungen abgeschlossener Projekte durch, zu denen manche Clubs nicht die Kapazitäten haben. Das stellt Nachverfolgung und Kontinuität sicher – ein sehr wichtiger Beitrag.

Können Sie einige grundlegende Zahlen zu Rotary auf den Philippinen nennen? Wie viele Clubs und Mitglieder gibt es?

Wir haben mehr als 25.000 Rotary-Mitglieder in 992 Clubs sowie 8257 Rotaracter in 641 Clubs – insgesamt also über 33.000 Mitglieder.

Und in welchem Club sind Sie selbst Mitglied?

Ich bin Mitglied im Rotary Club Makati Uptown im Distrikt 3830 in Metro Manila. Als Public Image Coordinator besuche ich alle Distrikte, um Seminare zur Öffentlichkeitsarbeit von Rotary – und nun auch von ShelterBox – durchzuführen. Das ist eine perfekte Gelegenheit.

Florian Quanz

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