Rotary Aktuell

„Entscheidend ist, Kinder kontinuierlich zu erreichen”

von Florian Quanz | 
 |  Lesezeit: 12 Minuten

Dr. Zubair Wadood ist medizinischer Epidemiologe und derzeit als Teamleiter für Überwachung, Labore und Zertifizierung am Hauptsitz der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Genf tätig. Wie kein zweiter kann er die derzeitige Polio-Lage in Afghanistan und Pakistan beurteilen.

Er koordiniert die weltweiten Überwachungsstrategien, Labornetzwerke und Zertifizierungsverfahren zur Ausrottung von Polio. Zuvor unterstützte er in mehreren Ländern – darunter Nigeria, Syrien, Indonesien und die Demokratische Republik Kongo – wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung von Polio-Ausbrüchen. Zudem fungierte Dr. Wadood als WHO-Teamleiter für Polio in Afghanistan und Pakistan und unterstützte dort die nationalen Programme bei der Umsetzung von Maßnahmen zur Ausrottung der Krankheit. Im Gespräch mit dem Rotary Magazin erklärt er, wie gefährlich der zirkulierende impfstoffabgeleitete Poliovirus Typ 2 ist, wie schwierig die Finanzsituation ist, und was ihn dennoch hoffnungsvoll stimmt.

Wir kämpfen seit fast 40 Jahren für die Ausrottung von Polio. Warum ist es gelungen, die Krankheit weltweit um mehr als 90 Prozent zurückzudrängen, aber bislang nicht, die Übertragung in Pakistan und Afghanistan zu stoppen?

Wir haben die Zahl der Poliofälle sogar um 99,9 Prozent reduziert. Früher wurden jeden Tag etwa 1000 Kinder gelähmt, mehr als 350.000 im Jahr. Heute liegt die jährliche Zahl der Fälle durch das Polio-Wildvirus nur noch im zweistelligen Bereich. Die Wildpoliovirus-Typen 2 und 3 sind ausgerottet. Nur Typ 1 ist noch übrig.

Das zeigt: Biologisch und technisch ist die Ausrottung möglich, politisch und operativ ist sie jedoch schwierig. Wir verfügen über wirksame Instrumente, darunter Impfstoffe, und müssen sie konsequent einsetzen. Auch Pakistan und Afghanistan haben die Wildpoliovirus-Typen 2 und 3 eliminiert. Es ist also auch dort möglich.

Das Virus zirkuliert nicht überall in beiden Ländern gleichermaßen, sondern konzentriert sich auf bestimmte Gebiete mit jeweils eigenen Herausforderungen. Unsicherheit und geopolitische Probleme können verhindern, dass wir Kinder erreichen. Um die Übertragung von Mensch zu Mensch zu stoppen, müssen wir alle Kinder in diesen Gebieten mindestens sechs Monate lang konsequent impfen, ohne bestimmte Gruppen wiederholt auszulassen.

In den meisten Teilen Pakistans und Afghanistans ist uns das gelungen. Im Süden der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwa konnten wir jedoch schätzungsweise 150.000 bis 300.000 Kinder nicht kontinuierlich erreichen. Manche werden bei einer Impfkampagne erreicht und bei der nächsten wieder nicht. Wir brauchen verlässlichen Zugang zu allen Kindern.

Ein weiterer Hotspot ist der Süden Afghanistans. Dort können keine Haus-zu-Haus-Impfungen durchgeführt werden, weil die lokalen Behörden diese Strategie nicht erlauben. In anderen Teilen des Landes sind sie möglich. Die Poliofälle und positiven Umweltproben in Afghanistan konzentrieren sich auf den Süden.

Das heißt, vor allem der Süden Afghanistans ist problematisch?

Auch andernorts kann das Virus nachgewiesen werden, weil Menschen mobil sind. Aber der Süden Afghanistans ist ein Zentrum der Übertragung. Idealerweise würden wir in ganz Afghanistan Zugang für Haus-zu-Haus-Impfungen erhalten, insbesondere im Süden.

In Pakistan stellt Karachi eine andere Herausforderung dar. In bestimmten Teilen dieser riesigen Stadt, die größer ist als viele Länder, sind die Probleme weniger sicherheitsbedingt als vielmehr operativer Natur. Wir brauchen eine bessere Planung auf lokaler Ebene, geeignete Teams und eine wirksame Einbindung der Bevölkerung, um jedes Kind zu erreichen.

Die Global Polio Eradication Initiative, kurz GPEI, und das nationale Programm Pakistans haben das Programm in Karachi im November 2025 umfassend überprüft. Dabei gab es Bedenken hinsichtlich der Genauigkeit und Interpretation der Daten. Daraus wurden Empfehlungen abgeleitet, die die Regierung inzwischen umsetzt. Wir sehen Anzeichen dafür, dass die Zahl positiver Umweltproben zurückgeht. Fälle von durch Polio verursachten Lähmungen gibt es in Karachi derzeit nicht. Das Virus wurde durch die Umweltüberwachung nachgewiesen. Unser Ziel ist es, zu handeln, bevor Kinder gelähmt werden.

Im Süden Afghanistans und im Süden von Khyber Pakhtunkhwa ist die Entwicklung weniger ermutigend. Vor etwa zehn Monaten haben sich Teams aus beiden Ländern und den betroffenen Regionen zusammengesetzt, um neue Wege zu finden, Kinder zu erreichen, die wiederholt nicht geimpft wurden. Die Pläne sind nun stärker auf die jeweiligen lokalen Bedingungen zugeschnitten.

Bis Ende September liegt der Schwerpunkt auf Planung und Vorbereitung. Der Sommer und der Monsun sind die Zeit hoher Übertragung. Von Oktober bis März geht die Übertragung zurück, und der Impfstoff wirkt unter den Bedingungen vor Ort besser. Dann sollen auf Grundlage der neuen Planungen qualitativ hochwertige Impfkampagnen durchgeführt werden. Bis dahin helfen auch Routineimpfungen dabei, weitere Kinder zu erreichen. Unser Fokus liegt auf den Kindern, die bislang nicht erreicht wurden.

Wie viele Kinder werden derzeit in Afghanistan und Pakistan nicht erreicht?

Im Süden von Khyber Pakhtunkhwa sind es etwa 50.000 bis 300.000. Die Zahl schwankt von Kampagne zu Kampagne. Manchmal sinkt sie auf unter 100.000, aber diese Verbesserung konnten wir bislang nicht dauerhaft aufrechterhalten. Auch im Süden Afghanistans schwanken die Zahlen. Entscheidend ist, diese Kinder kontinuierlich zu erreichen.

Wir haben in anderen Ländern gesehen, wie schnell die Fallzahlen sinken können, wenn wirklich jedes Kind erreicht wird. Indien ist ein Beispiel, Nigeria ein anderes. Indien hatte 2009 noch Hunderte Fälle, der letzte Fall des Polio-Wildvirus trat dort aber bereits im Januar 2011 auf. Wenn Kinder konsequent geimpft und Impfkampagnen miteinander koordiniert werden, lässt sich die Übertragung schnell unterbrechen.

Heute konzentriert sich das Problem auf bestimmte Gebiete in nur zwei Ländern. Epidemiologische Erkenntnisse und Laborbefunde, einschließlich genetischer Analysen der Viruslinien, weisen insbesondere auf den Süden Afghanistans und den Süden von Khyber Pakhtunkhwa hin. Dort liegt derzeit die größte Herausforderung.

Gibt es in Pakistan Fälle, die mit Menschen zusammenhängen, die aus Afghanistan kommen? Überschreitet das Poliovirus die Grenze zwischen beiden Ländern?

Afghanistan und Pakistan bilden epidemiologisch einen gemeinsamen Block. Das Virus kennt keine Grenzen. Es lebt im Darm von Menschen – und Menschen bewegen sich. Wir beobachten deshalb Übertragungen über die Grenze hinweg in beide Richtungen. Zeitweise ist die eine Richtung stärker ausgeprägt als die andere.

Deshalb müssen die nationalen Polioprogramme beider Länder eng zusammenarbeiten, auch wenn es politische Spannungen gibt. Sie koordinieren ihre Impfkampagnen so, dass diese idealerweise in derselben Woche oder zumindest zeitlich eng beieinander stattfinden, und stimmen ihr Vorgehen in den Grenzregionen ab. Besonders wichtig sind dabei der Süden von Khyber Pakhtunkhwa und der Süden Afghanistans.

An den Grenzübergängen werden Menschen, insbesondere Kinder, geimpft. Die Teams arbeiten zudem in Siedlungen entlang der Grenze. Werden größere Bevölkerungsbewegungen erwartet, können gemeinsam mit Partnern zusätzliche Impfstellen eingerichtet werden. In der Vergangenheit sind viele Afghanen von Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt. Solche Bewegungen machen ein koordiniertes Vorgehen beider Länder unerlässlich.

Auf der 45. Tagung des WHO-IHR-Notfallausschusses wurde eine Finanzierungslücke von rund 30 Prozent genannt. Wie ernst ist die finanzielle Situation?

Sehr ernst. Das Budget für 2026 wurde gegenüber 2025 um rund 30 Prozent oder sogar etwas mehr gekürzt. Deshalb mussten wir unsere Planungen anpassen und optimieren, auch bei Impfkampagnen in Afghanistan und in Ländern mit Polioausbrüchen. Diese finanziellen Einschränkungen sind eine erhebliche Herausforderung und ein Risiko. Die GPEI musste genau priorisieren: Was können wir reduzieren, ohne ein inakzeptables Risiko einzugehen, dass Polio wieder aufflammt?

Afghanistan und Pakistan blieben oberste Priorität. Obwohl die Mittel weltweit um mehr als 30 Prozent reduziert wurden, betrug die Kürzung in diesen beiden Ländern nur etwa 15 Prozent. Keine Impfkampagne wurde gestrichen. Stattdessen haben wir Ausgaben für Koordinierungstreffen, Reisen, Personal und andere Bereiche genau geprüft. In den Gebieten mit dem höchsten Risiko, darunter der Süden von Khyber Pakhtunkhwa und der Süden Afghanistans, wurden technische Unterstützung und Personal weitgehend geschützt.

Andernorts mussten wir dagegen bei der Überwachung kürzen. Aktive Überwachung bedeutet, dass Menschen reisen müssen. Einige dieser Aktivitäten außerhalb Pakistans und Afghanistans, darunter in Teilen Afrikas, wurden reduziert. Grundlage dieser Entscheidungen waren jeweils das Risiko, die epidemiologische Situation und die Anforderungen vor Ort.

Auch für 2027 rechnen wir mit einer ähnlich schwierigen finanziellen Situation. Es wird immer schwieriger, Mittel zu mobilisieren, während gleichzeitig die Kosten unserer Arbeit steigen. Höhere Treibstoffpreise verteuern beispielsweise den Transport von Impfteams und Impfstoffen. Wir passen uns an, appellieren aber gleichzeitig an Regierungen und andere Geldgeber, die Ausrottung von Polio weiterhin zu unterstützen. Jetzt ist der Moment, unsere Anstrengungen zu intensivieren. Wenn wir nachlassen, riskieren wir, bereits erzielte Fortschritte wieder zu verlieren.

Was kann Rotary konkret tun, um diese Finanzierungslücke zu schließen, statt lediglich allgemein zu weiteren Spenden aufzurufen?

Rotary ist wie das Blut in den Adern des Kampfes gegen Polio. Das sage ich nach fast 20 Jahren Erfahrung. Ich habe meine Arbeit gegen Polio in einem Unterbezirk in Pakistan begonnen, später in Afghanistan und afrikanischen Ländern gearbeitet und schließlich das Programm auf globaler Ebene unterstützt.

Die Unterstützung durch Rotary war auf jeder Ebene unverzichtbar – von der nationalen Planung bis zur Arbeit in den Gemeinden. Und Rotary ist Mitbegründer der Global Polio Eradication Initiative. Das dürfen wir nicht vergessen.

Finanzielle Unterstützung ist ein Teil davon. Rotary-Mitglieder können aber auch immer wieder erklären, warum die Ausrottung von Polio wichtig ist. Das ist heute wichtiger denn je. In Industrieländern begegnen viele Menschen Polio überhaupt nicht mehr. Das ist ein Erfolg, führt aber auch dazu, dass das verbleibende Risiko kaum noch wahrgenommen wird.

Solange das Virus in seinen letzten Rückzugsgebieten überlebt, kann es sich erneut ausbreiten – auch in Regionen, die seit Jahren poliofrei sind. Die jüngsten Nachweise von Polioviren in Umweltproben in europäischen Ländern, darunter Deutschland und auch Hamburg, zeigen, warum Überwachung und Impfungen weiterhin wichtig sind.

Rotary-Mitglieder können gegenüber Regierungen sowie in nationalen und regionalen Gremien für dieses Anliegen eintreten. Und sie können weiterhin finanziell beitragen. WHO, UNICEF und die anderen Partner der GPEI überwachen, wie die Mittel geplant und eingesetzt werden. Jeder Beitrag zählt. Rotary hat geholfen, diese Initiative ins Leben zu rufen. Ich hoffe, dass Rotary sie nun auch bis über die Ziellinie führt. Jeder einzelne Dollar zählt.

Während WPV1 heute nur noch in zwei Ländern zirkuliert, verursacht das zirkulierende impfstoffabgeleitete Poliovirus Typ 2, kurz cVDPV2, die Mehrheit der Poliofälle weltweit. Allein Nigeria trägt rund 50 Prozent der globalen Krankheitslast, mehr als 24 Länder sind betroffen. Wie verhindert die WHO, dass ausgerechnet das Instrument, das wir zur Ausrottung von Polio einsetzen – der orale Lebendimpfstoff –, zu einem der letzten Hindernisse auf dem Weg zur Ausrottung wird?

Das ist eine wichtige Frage, über die wir offen und wissenschaftlich diskutieren müssen. Die Typ-2-Komponente wurde 2016 weltweit aus dem oralen Polioimpfstoff für Routineimpfungen entfernt. Dennoch hat das zirkulierende impfstoffabgeleitete Poliovirus Typ 2 Ausbrüche verursacht, insbesondere dort, wo die Immunität in der Bevölkerung gering ist. Während der Zeit um die COVID-19-Pandemie stieg die Zahl auf fast 700 Fälle. In diesem Jahr liegen wir bei etwa 100. Sowohl die Zahl der betroffenen Länder als auch die Zahl der Fälle ist zurückgegangen. Eine wichtige Entwicklung ist der neuartige orale Polioimpfstoff Typ 2, nOPV2. Er wurde so entwickelt, dass er genetisch stabiler ist und ein deutlich geringeres Risiko birgt, neue zirkulierende impfstoffabgeleitete Viren hervorzubringen.

Die verbliebenen Ausbrüche konzentrieren sich auf bestimmte Regionen. Nigeria steht vor ähnlichen Herausforderungen, wie wir sie früher beim Polio-Wildvirus erlebt haben: Kinder werden nicht konsequent erreicht, in manchen Gebieten gibt es Vorbehalte gegenüber Impfungen oder die Qualität der Kampagnen schwankt. Auch im Osten der Demokratischen Republik Kongo ist es teilweise schwierig, bestimmte Bevölkerungsgruppen kontinuierlich zu erreichen. Dennoch gibt es dort Fortschritte.

Gleichzeitig müssen wir andere gesundheitliche Notlagen berücksichtigen, etwa Ebola in der Demokratischen Republik Kongo. Wir arbeiten deshalb mit den Verantwortlichen der Ebola-Bekämpfung zusammen. Die Polioprogramme verfügen über große Erfahrung bei Überwachung, gesundheitlicher Aufklärung und Mobilisierung der Bevölkerung, von der auch andere Programme profitieren können. Umgekehrt kann ein Ebola-Ausbruch geplante Polio-Impfkampagnen beeinträchtigen. Einige Kampagnen in Teilen des Kongo mussten deshalb verschoben werden.

Diese Ausbrüche zeigen zugleich Schwächen bei den regulären Kinderimpfungen. In einigen betroffenen Gebieten liegen die Impfquoten nur bei zehn oder 15 Prozent. Impfkampagnen allein können keinen dauerhaften Schutz gewährleisten. Deshalb arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern daran, sowohl die Routineimpfungen als auch zusätzliche Impfkampagnen zu stärken. Wir müssen die Übertragung stoppen und gleichzeitig eine dauerhafte Immunität aufbauen.

Die GPEI arbeitet außerdem an neuen oralen Impfstoffen gegen die Typen 1 und 3 und baut dabei auf den Erfahrungen mit Typ 2 auf. Langfristig wollen wir einen Punkt erreichen, an dem orale Polioimpfstoffe überhaupt nicht mehr benötigt werden.

Sie beschäftigen sich vermutlich jeden Tag mit Zahlen, Virusproben und Impfquoten. Erinnern Sie sich an ein einzelnes Kind oder eine Begegnung, bei der Ihnen ganz persönlich bewusst wurde, warum dieser Kampf geführt werden muss?

Ja. Es gibt viele solcher Begegnungen, aber eine fällt mir sofort ein. Als ich in Pakistan als Arzt in der epidemiologischen Überwachung arbeitete, lernte ich eine Familie kennen, deren elf Monate alte Tochter plötzlich gelähmt war. Der Fall wurde einem Krankenhaus gemeldet. Als ich das Mädchen untersuchte, hatte ich sofort den Verdacht auf Polio. Wir nahmen entsprechend den Vorgaben zwei Stuhlproben und schickten sie ins Labor. Das Ergebnis bestätigte den Verdacht.

Damals hatte ich selbst eine Tochter, die ungefähr im gleichen Alter war. Sie hatte ihre regulären Impfungen und bei den Impfkampagnen auch den Polioimpfstoff erhalten. Dieses kleine Mädchen dagegen hatte keine einzige Dosis bekommen. Was mich besonders berührte: Impfteams hatten die Familie bei früheren Kampagnen mehrfach zu Hause besucht. Ich konnte die Kreidemarkierungen an der Tür sehen.

Ich sprach mit den Eltern. Die Mutter hatte überhaupt nichts gegen die Polioimpfung. Sie wusste, dass sie wichtig war. Andere Kinder in der Familie und in der Nachbarschaft wurden geimpft. Doch die Teams kamen meist gegen neun Uhr morgens – und zu dieser Zeit schlief das Baby. Die Mutter wollte ihre Tochter nicht wecken. Also blieb sie im Bett und verpasste die Impfung. Das geschah bei mehreren Besuchen.

Die Folgen waren verheerend: Ausgerechnet der Grund, aus dem die Mutter ihr Kind im Bett hatte liegen lassen wollen, wurde schließlich zum Grund dafür, dass ihre Tochter einen großen Teil ihres Lebens dort verbringen würde – wegen Polio.

Ich blieb lange Zeit mit der Familie in Kontakt. Der Vater ist Schneider. Wir versuchten, ihnen Zugang zu Rehabilitationsmaßnahmen zu ermöglichen, denn ohne entsprechende Unterstützung können bei einem heranwachsenden Kind körperliche Fehlstellungen entstehen. Gemeinsam mit lokalen Partnern und Rotary-Mitgliedern organisierten wir regelmäßige Kontrolluntersuchungen und Unterstützung für ihre Schulbildung. Das Mädchen dürfte heute etwa 20 Jahre alt sein. Sie konnte zur Schule gehen, und wir haben versucht, sie und ihre Familie während ihres Heranwachsens zu unterstützen.

Es ist schön zu hören, dass die Familie Unterstützung erhalten hat und nicht allein gelassen wurde.

Absolut. Wenn ein Kind durch Polio gelähmt wird, ist die ganze Familie betroffen.

Glauben Sie persönlich, dass Sie es noch während Ihres Berufslebens erleben werden, dass die Welt offiziell für poliofrei erklärt wird?

Ja, ich bin sehr zuversichtlich. Ich arbeite an der Ausrottung von Polio, weil ich daran glaube. Es ist nicht nur meine berufliche Aufgabe, sondern auch eine persönliche Leidenschaft. Rotary-Mitglieder sind ein eindrucksvolles Beispiel für selbstloses Engagement für dieses Ziel. Ihre Unterstützung beruht auf Überzeugung und Großzügigkeit. Der Kontakt mit meinen rotarischen Kolleginnen und Kollegen trägt dazu bei, mich – und viele andere – immer wieder zu motivieren.

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