Und wie läuft das in Chicago?

Der Besuch in der RI-Zentrale in Evanston bot die Gelegenheit, rotarische Freunde vom RC Chicago Financial District und ihre Aktionen kennenzulernen.
Der Finanzdistrikt in Chicago unterscheidet sich kaum von dem in Frankfurt. Hochhäuser auf jedem freien Quadratzentimeter, kaum Grün, die Straßen voller Anzugträger und Taxis. Doch mittendrin, an der West Adams Street, lockt das traditionelle „Berghoff Restaurant“ zu einem Mittagsstopp. – Offenbar kehren hier seit Jahren auch Rotarier ein: die Mitglieder des RC Chicago Financial District, die sich hier alle zwei Wochen treffen.

Eigentlich wäre an diesem kühlen Märztag dort kein Meeting – doch für einen Gast aus Deutschland nehmen sich einige Mitglieder extra Zeit. Beim ersten Austausch von Clubinfos stellt sich heraus: Ja, die rotarischen Freunde kommen allesamt irgendwie aus der Finanzbranche. Und nein, groß ist der Club nicht mehr. Die Mitgliederzahl schrumpft seit Jahren, das Durchschnittsalter wächst. Letzteres klingt ganz ähnlich wie die Entwicklung hierzulande.
Soziale Projekte
Doch, ob plus/minus 60 Jahre oder nicht: Die Chicagoer haben einiges auf der Tagesordnung. So packen die Mitglieder zusammen mit anderen RCs Produkte des täglichen Bedarfs und Hygieneartikel für benachteiligte Kinder zusammen, unterstützen Nahrungsmittelspenden für ärmere Familien.
Ein schönes Dinner, Besuche im Schauspielhaus, der Oper oder ein Symphoniekonzert – auch solche Termine schweißt die 15-köpfige rotarische Gruppe aus dem Finanzdistrikt zusammen. Und bei solchen Events diskutieren sie häufig, wie sie noch stärker aktiv werden können. Denn die Region braucht das, sind sie sich sicher.
Und dann noch: Smart Art
Ein Projekt ist seit Jahren ihr Lieblingsprojekt und der Hauptbrocken ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Wobei: „Arbeit trifft es nur halb, denn es ist großartig zu sehen, wie sich Kinder entwickeln und mit ‚Smart Art‘ aufblühen!“, sagt Präsident Gerald McIlvain gleich zu Anfang.

Unter dem Titel „Smart Art“ versuchen die Rotarierinnen und Rotarier, mit Museumsbesuchen Kinder aus weniger betuchten Stadtteilen für Kunst zu begeistern und so ihre Entwicklung zu fördern. Der Club lädt ganze Klassen 9- und 10-jähriger Schüler ein, eine Ausstellung in einem der großartigen Kunstmuseen Chicagos zu besuchen – und so etwas ganz Neues kennenzulernen. Für viele der Kinder ist es der erste Schritt in ein Museum, der erste Kontakt mit Kunst – und daher doppelt aufregend.
Zusammen mit den Lehrern wird eine Rundum-Tour geplant oder ein Thema entwickelt, das Abstraktes oder völlig ungewohnt Traditionelles einbezieht. Mit einem Führer erkunden die Museumsräume, entdecken und erkunden in alle Richtungen. Danach werden die Kinder aufgefordert zu reflektieren, was sie gesehen und erlebt haben.
Kinder fördern
„Es ist unglaublich berührend, was die Kinder alles mitnehmen und wie sie ihre Welt hinterher ganz anders wahrnehmen“, berichten Vickie Dorgan und Cliff Harstad. Und Gerald ergänzt: “Einmal bei einer Malaktion nach dem Rundgang durchs Museum of Contemporary Art strich ein kleiner Junge ein großes rotes Viereck auf sein Papier und malte mit Kraft krakelige Muster hinein. Neben ihm saß ein Mädchen, die sehr feine Zeichnungen in ein kleines rotes Quadrat setzte. Beide hatten die gleiche kunstvoll verzierte rote Tür gesehen!“

Inzwischen sind bereits weit mehr als 2000 Schüler in den Genuss der Smart Art gekommen. Und selbst die Eltern interessieren sich nun für einen Museumsbesuch. „Mancher lässt sich dann von seinem Sohn oder der Tochter die Kunst an der Wand erklären. Und wir hatten auch schon einige Kinder, die beim Verlassen des Museums fragten, wann sie zurückkommen können. Das ist doch toll“, sagt Gerald.
Mittlerweile versucht der kleine Club, die Idee in alle Welt zu exportieren. Und sucht bereits Partner und Spender. Selbst über Zoom oder Video könne man so Kinder an Kunst heranführen, sagen die Rotarier. Erste Clubs in Kalifornien und Nigeria hätten bereits Interesse angemeldet und wollen die Idee mit ortsansässigen Künstlern und Museen umsetzen. Denn wer sich für Kunst und schöne Dinge interessiert, der driftet eher nicht in Gewalt ab, sind sich Vickie, Cliff und Gerald sicher. „Und das könnten wir weltweit gut gebrauchen, oder?“





















