Die Suche nach einem Schutzheiligen

Eine Geschichte von André T. Hensel (RC Villach)
Auf Einladung des RC Villach hielt eine Wiener Rotarierin, Theologin und Journalistin einen Gastvortrag zu ihrer Publikation über Heilige im Jahreslauf, die auch schon in der Rubrik Exlibris im Rotary Magazin Nr. 02/2021 vorgestellt worden war. Sie berichtete über Märtyrertum, Selig- und Heiligsprechungen sowie Attribute und Patrozinien. Die Conclusio war, dass es praktisch keinen Ort, keine Krankheit und keinen Beruf ohne die dazu passenden Schutzheiligen gebe. Bei der anschließenden Diskussion tauchte folgerichtig die Frage auf, wer eigentlich als Patron von Rotary infrage käme. Der darauffolgende Brainstorming-Prozess brachte folgende Ergebnisse: Der ideale Kandidat müsste den Namen Rotarius tragen, 1905 in Chicago geboren, im rotarischen Jahr 1937/38 den Märtyrertod erlitten und 1949/50 von den Toten wiederauferstanden sein. Als sein Attribut käme nur das Zahnrad infrage.
Daraufhin meldete sich der Agnostiker im Club zu Wort und gab zu bedenken, dass sich Rotary zu religiöser und weltanschaulicher Neutralität verpflichtet habe, weshalb sich jedwede Diskussion über einen Schutzheiligen für Rotary verbiete. Dies wollte wiederum der Pfarrer im Club nicht unwidersprochen im Raume stehen lassen. Er gab zunächst zur allgemeinen Enttäuschung zu Protokoll, dass im Martyrologium Romanum kein heiliger Rotarius verzeichnet sei. Allerdings brachte er den verstorbenen Papst Franziskus ins Spiel, der doch als Ehrenmitglied des RC Buenos Aires quasi der erste Rotarier auf dem Stuhle Petri gewesen sei. Sein Nachfolger, der justament im Jahr des goldenen Gründungsjubiläums von Rotary 1955 in Chicago geboren wurde, hätte bereits anklingen lassen, dass sein Vorgänger ein heiliger Mann gewesen sei. All das seien doch himmlische Vorzeichen. Jetzt fehle nur noch ein passendes Wunder, zum Beispiel die Ausrottung von Polio.
Beseelt ging die rotarische Freundesrunde nach dem Glockenschlag auseinander.
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