Rotary AktuellPorträt
von Claus Bruckmann |
| Lesezeit: 3 Minuten

(Fast) 60 Jahre lang 100 Prozent Präsenz

Klaus Galle ist das dienstälteste Mitglied beim ältesten Club in Österreich und Deutschland, dem RC Wien. Er hat so gut wie alle wichtigen Ereignisse der letzten 100 Jahre persönlich erlebt

Klaus Galle sitzt am Esstisch in seinem gemütlichen Haus nahe des Ossiacher Sees in Kärnten, seine Frau serviert Kaffee und frischen Apfelstrudel von Äpfeln aus dem eigenen Garten. Bis vor einigen Jahren hat er die Äpfel noch selbst – auf einer langen Leiter stehend – geerntet, das macht er nun nicht mehr.

Seine Familie stammt ursprünglich aus Kranj im​ heutigen Slowenien, während der Habsburgermonarchie hieß die Stadt Krainburg. Der Familienname ist die Anrufung des heiligen Gallus im Vokativ und wird daher doppelsilbig „Gal-le“ ausgesprochen – mit gleicher Betonung auf beiden Silben, was sich wie französisch „Gallé“ anhört.

Er erinnert sich: „Mein Vater musste zur Wehrmacht einrücken. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sind wir zu meinem Großvater nach Kärnten geflüchtet. 1945 – ich war 13 Jahre alt – saßen wir auf einem Lastwagen, da sind uns Tiefflieger entgegengekommen, wir sind herausgesprungen und haben uns unter den Lastwagen geworfen, doch wir wurden nicht beschossen.“

„Das Jahr 1955 habe ich als 23-jähriger Student in Wien erlebt. Wir haben es als das Ende einer Ära empfunden, aber nicht unbedingt als Befreiung, man hat sich besiegt gefühlt, das war auch schon 1945 so. Natürlich war es erfreulich, dass die Alliierten abgezogen sind.“

Elitärer Herrenclub

1966 wurde Klaus Galle bei Rotary aufgenommen. „Damals war das ein elitärer Herrenclub. Bei den Klassifikationen wurde streng darauf geachtet, dass wirklich nur ein Mitglied pro Berufsgruppe Rotarier wurde. Ich war der zweite Rechtsanwalt im Club, durfte daher nur Zusatzmitglied sein und nicht in den Vorstand gewählt werden. Bald nach meinem Eintritt sollte ich Sekretär werden, doch in den Satzungen stand, dass Sekretär nur ein ordentliches Mitglied werden kann. Also hat man die Klassifikation geteilt. Vorher hatte mein Pate die Klassifikation Handels-, Steuer- und Zivilrecht, nachher nur mehr Handels- und Steuerrecht, und ich bekam die Klassifikation Zivilrecht, somit konnte ich auch Sekretär werden.“

Das Clubleben war viel formeller als heute. „Alle Herren erschienen selbstverständlich in Anzug und Krawatte und waren untereinander per Sie. Wurde einem Jungen das Du-Wort angeboten, so sprach er das ältere Gegenüber nicht mit dem Vornamen, sondern mit ,Du, Herr Generaldirektor‘ an.“ Noch wehrt sich Klaus Galle gegen das automatische Du für jedes neue Clubmitglied, er möchte persönlich entscheiden, mit wem er per Du sein möchte.

Viele rotarische Gäste besuchten damals den RC Wien, bei manchen Meetings nahmen gleich viele Mitglieder wie Gäste teil. Der Clubmeister erfragte von den Gästen ihre Klassifikation und setzte den Gast dann zu einem Mitglied mit gleicher oder ähnlicher Klassifikation.

Nachdenklich

Als es vor zehn Jahren um die Aufnahme von Damen ging, hat sich Klaus Galle nicht dagegengestellt, sondern nur befürchtet, dass der Club, der bereits mehr als 120 Mitglieder hatte, unübersichtlich wird.

Wenn er an einem Meeting seines RC Wien teilnimmt, dann blickt Klaus Galle ein wenig nachdenklich in die Runde: „Alle sind nach mir aufgenommen worden“ – und ist dann doch sehr stolz: „Während meiner 59 Jahre als Rotarier habe ich in jedem Jahr 100 Prozent Präsenz erbracht, das ist wie ein Hobby!“

Zur Person: Klaus Galle (RC Wien)

war wie sein Vater Rechtsanwalt in Wien. 1932 geboren, wurde er 1966 Mitglied des RC Wien. Heute ist er so etwas wie das lebende Gewissen und die lebende Tradition. Seit 2013 ist er auch Ehrenmitglied des RC Villach, wo er am nahen Ossiacher See die Sommer verbringt. Gerne besucht er auch den Rotary Club Cividale del Friuli in der Heimatstadt seiner Frau.

Claus Bruckmann

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