Gemeinsame Führung, doppelte Stärke

Warum die Doppelspitze in Clubs und anderen rotarischen Ämtern eine sinnvolle Lösung sein kann
Gemeinsame Führungsspitzen sind im Kommen – und das ist gut so! In Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wächst die Erkenntnis: Komplexe Aufgaben lassen sich besser bewältigen, wenn Verantwortung geteilt wird. Wer heute noch glaubt, Führung müsse zwingend an eine einzelne Person gebunden sein, denkt in den Kategorien von gestern. Die Herausforderungen unserer Zeit, vom Klimawandel bis zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, verlangen Kooperation, Perspektivenvielfalt und gegenseitige Entlastung. In der Wirtschaft ist das längst erprobt. Große Unternehmen wie der Autovermieter Sixt oder Modehändler Zalando haben mit Co-CEOs gezeigt, dass geteilte Leitung nicht zu Reibungsverlusten führt, sondern zu klügeren Entscheidungen. Auch in der Politik hat sich das Prinzip etabliert: Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen oder Die Linke setzen seit Jahren erfolgreich auf Doppelspitzen; nicht aus Symbolik, sondern weil es funktioniert. Wo mehrere Blickwinkel aufeinandertreffen, entsteht Balance statt blinder Fleiß, Austausch statt Eitelkeit.rundtext
Kein organisatorischer Trick
Genau diesen Gedanken greift der Rotary Club Friedensstadt Osnabrück auf. Er wagt, was in vielen Clubs noch Zukunftsmusik ist: eine gleichberechtigte Doppelspitze im Präsidentenamt. Zwei Menschen teilen sich Verantwortung, Aufgaben und die Freude am Gestalten. Das ist kein organisatorischer Trick, sondern Ausdruck eines modernen Führungsverständnisses. Führung bedeutet hier nicht, über anderen zu stehen, sondern mit anderen zu wirken.Wichtig dabei: Es geht nicht um eine Mann-Frau-Konstellation, nicht um Repräsentation nach außen, sondern um gelebte Gleichberechtigung im Inneren. Ganz gleich ob Mann, Frau, nonbinär oder queer, entscheidend ist Augenhöhe. Die Stärke dieses Modells liegt in der arbeitsteiligen Herangehensweise: Unterschiedliche Denkweisen, Erfahrungen und Temperamente fließen zusammen und ergänzen sich. Wo früher vielleicht eine Person alles schultern musste, entsteht jetzt Raum für Kreativität, gegenseitige Unterstützung und neue Energie.
Wirkung vervielfacht
Natürlich gehört auch Skepsis dazu, wenn Neues alte Strukturen herausfordert. So war nicht jedes Clubmitglied von Beginn an begeistert. Doch die Erfahrung zeigt, dass nach anfänglicher Zurückhaltung heute die Zustimmung überwiegt. Die Mitglieder erleben, dass diese Form der Führung nicht nur fairer, sondern auch effektiver ist und den Beteiligten viel Freude in der Zusammenarbeit bereitet. Das Motto des Clubs – „Frieden verbindet“ – wird dadurch zudem zur gelebten Realität. Denn Frieden bedeutet eben auch, Macht zu teilen, Vertrauen zu schenken und Vielfalt als Stärke zu begreifen. Der Club beweist, dass Führung partnerschaftlich, respektvoll und gemeinschaftlich sein kann. Das Modell ist auch ein Signal an andere Clubs, an Organisationen, an Rotary International selbst. Es zeigt, dass Strukturen wachsen dürfen, wenn Werte wachsen. Das Präsidententeam sieht es als Aufgabe, die gelebten Werte nach innen und außen strahlen zu lassen. Und die Idee trägt weiter. Das nächste Führungsduo steht schon bereit – ein starkes Zeichen dafür, dass aus einem Experiment ein Prinzip geworden ist. Vielleicht ist die Zeit gekommen, dass auch Rotary International diesen Wandel offiziell aufnimmt. Denn wo Verantwortung geteilt wird, vervielfacht sich die Wirkung!


























