Die rotarische Geografie

Orientierungskompetenz auf unterschiedlichen Ebenen ermöglicht raumwirksames Handeln
Fragt man nach dem, was man mit Geografie verbindet, erhält man immer noch die Antwort, in diesem Fach habe man in der Schule gelernt, was wo liegt. Sicher hat das Schulfach auch früher schon mehr als dieses Wissen vermittelt. Und dennoch stellt die räumliche Kompetenz mit der Befähigung zur Orientierung auf unterschiedlichen Maßstabsebenen eine notwendige Grundlage für geografisches Denken und raumwirksames Handeln dar.
Auch Rotary kommt ohne die geografische Kompetenz der Orientierung nicht aus. Unsere Organisation vermittelt vielmehr die Befähigung zur räumlichen Orientierung – im Nahraum des Clubgebietes, in der Region des Distriktes, mit Partnerclubs in internationalen Grenzüberschreitungen verbunden und als weltweite Vereinigung im globalen Kontext von interkontinentalen persönlichen Beziehungen und Verflechtungen in der geistigen Welt rotarischer Werte.
Räumliche Erfahrung schafft eine dreidimensionale Welt
Dass in diesem Zusammenhang dem Jugendaustausch eine große Bedeutung zukommt, verdient einerseits eine besondere Hervorhebung, ist aber andererseits zugleich selbstverständlich. Wenn junge Menschen für einen kürzeren Austausch oder für ein Jahr ins Ausland gehen, informieren sie sich natürlich vorab auf der Weltkarte und in Karten der Zielländer über die Lage des jeweiligen Clubortes, in dem sie leben werden, über Entfernungen in ihrer Stadt und im Landesinneren sowie über weltweite Distanzen im Spiegel von Flugrouten und Reisezeiten. Wollen die Jugendlichen mit ihren Eltern daheim Kontakt aufnehmen, spielt auch in Zeiten veränderter Kommunikationsmöglichkeiten der vorübergehende Aufenthalt in unterschiedlichen Zeitzonen und/oder mit anderen Jahreszeiten oft eine Rolle. Auf diese Weise vermittelt Rotary jungen Menschen, die später an der Gestaltung der Zukunft der Welt mitwirken werden, eine räumliche Kompetenz, die über ein „Was liegt wo?“ hinausgeht und Vorstellungen von räumlichen Beziehungen in unterschiedlichen Maßstäben schafft. Die räumlichen Erfahrungen lassen in den Köpfen der jungen Menschen die dreidimensionale Welt und kulturelle Welten wie auch deren Fragmentierungen zugleich entstehen.

Geografische Forschung – Schnittmenge mit Rotary
Nun geht es in der Geografie nicht nur um die räumliche Orientierung, wiewohl sie für diese Disziplin und ebenfalls für Rotary und rotarisches Handeln unerlässlich ist. Die geografische Forschung befasst sich im weitesten Sinn mit der materiellen und geistigen Welt, in der wir leben – eine weitere Schnittmenge zwischen Geografie und Rotary. Wenn sich die Geografie an der Universität und im Schulunterricht – dort mit didaktisch reduzierten Inhalten – mit der Erdoberfläche befasst, dann verknüpft sie natur- und gesellschaftswissenschaftliche Zugehensweisen und Fragestellungen miteinander, um interdisziplinär die Strukturen und die Dynamiken der physischen Umwelt wie ebenfalls das menschliche Handeln in und mit dieser Umwelt zu erforschen. Die Mensch-Umwelt-Beziehungen konkretisieren sich in vermehrten Störungen der physischen Umwelt als natürlicher Grundlage des Lebens der Menschen, die zunehmend Eingriffe vornehmen. Der Kontext von ökologischen und ökonomischen sowie sozialen, kulturellen und politischen Wechselwirkungen nimmt Einfluss auf Entwicklungsprozesse im globalen Süden und löst weltweite Migrationen aus, die zu Strukturwandlungen in Ländern zumeist in der sogenannten Westlichen Welt führen.
Rotary muss interdisziplinär und geografisch denken
Mit der Auseinandersetzung mit all diesen geografischen Phänomenen, Problemen, Wandlungen und Herausforderungen hat ursächlich auch Rotary zu tun. Wenn eines der wichtigsten Ziele von Rotary die Pflege der Völkerverständigung und der Einsatz für den Frieden eine immanente Bedeutung für diese weltweite auf einer geistigen Basis handlungsorientierte Vereinigung hat, dann erwächst daraus für Rotary – international auf auf lokaler Clubebene – die Notwendigkeit, an seinem Erreichen mitzuwirken. Nicht zuletzt wegen der zuvor genannten Probleme, mit denen sich die Geografie beschäftigt. Rotary kann eigentlich gar nicht ungeographisch sein, es muss interdisziplinär und damit auch geografisch denken, denn Störungen des Friedens auf lokaler, regionaler, nationaler sowie auf kontinentaler und globaler Ebene erwachsen nicht zuletzt aus menschlichen Eingriffen mit daraus folgenden Konflikten in der Welt, in der wir in Frieden leben wollen.
Mit diesen Fragestellungen und Zielen müssen wir uns in Meetings und übergreifenden Veranstaltungen auseinander setzen. Und damit ganz bewusst auch die jungen Menschen vertraut machen, die Rotary in die weite Welt schickt und die diese Welt zu ihrer Welt machen, denn: Wer über sich und die Welt nachdenken kann, der ist gebildet. Rotary ist ein ständiger Bildungsprozess mit Aufträgen zur Orientierung und zum Handeln in unserer jeweils kleinen und in der weiten Welt.



















