Interview - Netzwerker mit Teamgeist

"Ein Job für Menschen und mit Menschen": Hamburgs Messe-Chef Bernd Aufderheide © Frank Siemers

01.01.2018

Interview 

Netzwerker mit Teamgeist

Als Hamburgs Messe-Chef ist Bernd Aufderheide Gastgeber der Rotary International Convention 2019 in der Hansestadt

Der Büroausblick ist ein ungewöhnlicher: Von seinem Holzschreibtisch aus blickt Bernd Aufderheide auf den, wie er scherzt, "schlanken Fuß des Fernsehturms". Sein Büro hat der Vorsitzende der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH dekoriert mit Geschenken, Erinnerungsstücken und Auszeichnungen. "Sie sehen: Ich gehöre in die Kategorie Jäger und Sammler – mit dem Schwerpunkt Sammler, ich kann nichts wegwerfen!" Er zeigt auf Bilder von sich mit Kanzlerin Angela Merkel, auf ein anderes mit dem Staatsgründer Singapurs, auf kleine Skulpturen im Regal und Poster von Ausstellungen mit Joseph Beuys aus seiner Düsseldorfer Zeit. 


Bernd Aufderheide, RC Hamburg-Hafentor, Jahrgang 1959, ist seit 2007 Vorsitzender der Geschäftsführung der Hamburg Messe und Congress GmbH. An der Universität Köln studierte er Anglo-Amerikanische Geschichte, Englische Philologie, Alte Geschichte und VWL.

hamburg-messe.de


Als Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Hamburg sind Sie 2019 Gastgeber der Rotary Convention, zu der rund 25.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden. Wie bereiten Sie sich auf dieses Großereignis vor?
Wir arbeiten im Team eng mit dem Organisations-Komitee der Rotarier und der Stadt Hamburg. Alle freuen sich, diese großartige Veranstaltung nach Hamburg zu holen. Der Hauptteil der Convention mit Vollversammlung und der dazugehörigen Ausstellung wird hier in den Messehallen stattfinden. Für uns als Messe ist es wichtig, dass auch die Infrastruktur rundherum funktioniert. Wir vernetzen uns also eng mit den Verkehrsbetrieben, Sicherheitskräften, der Hotellerie, Gastronomie und der Politik. Für mich als Rotarier wird es einzigartig, rotarische Freunde aus aller Herren Länder zu Gast zu haben. Ein cooles Gefühl, das, was mir am Herzen liegt – den internationalen Gedanken von Rotary und den internationalen Gedanken des Messewesens – zusammenzuführen. 

Stellen Sie sich vor, es ist der 6. Juni 2019, gestern endete die Rotary Convention in Hamburg. Wie war es?
Die rotarischen Freundinnen und Freunde werden mit großer Begeisterung wieder in ihre Heimat zurückkehren. Ich würde mich freuen, wenn sie noch einmal hierher reisen. Eines unserer Ziele ist es, die Teilnehmer zu Botschaftern der Stadt Hamburg zu machen. Sie sollen sagen: Wow, so kannte ich Hamburg noch gar nicht! Und, wenn ich mir was wünschen dürfte, hätten wir noch richtig gutes Wetter gehabt. Aber das weiß man bei Hamburg ja nie... So oder so wird der soziale Gedanke von Rotary die Menschen beflügeln. Ich glaube, richtig helfen kann man nur, wenn man es mit einer gewissen Fröhlichkeit macht. Die gute Stimmung so eines Treffens wird sich auf die Stadt übertragen. Ich bin da völlig ruhig, dass alles gut hinhauen wird, wie man hier sagt. 

Im Vorfeld von G20 wurden Sie mit der Erwartung zitiert, es werde "im Umfeld etwas Stress geben". Dann jedoch wurden ganze Straßenzüge verwüstet, Geschäfte geplündert, Autos brannten. Wie haben Sie diese Tage im Juli 2017 erlebt, wie konnte es zu solch einer Fehleinschätzung kommen?
Einige Wochen vor der Veranstaltung musste ich persönlich schon die ersten Erfahrungen machen, wozu manche fähig sind. Es gab einen Farbanschlag auf mein Wohnhaus, auf meine Familie, Scheiben meines Autos wurden zertrümmert. Die Krawalle in der Schanze, die Gewaltexzesse, das war aus meiner Sicht international organisiertes Verbrechen. Da müssen unsere Sicherheitskräfte in Zukunft international besser zusammen arbeiten. Was unser Messegelände betrifft, habe ich G20 als perfekt organisierte Veranstaltung mit mehreren Tausend Teilnehmern aus aller Welt erlebt. Ich bin überzeugt davon, dass solche internationalen Treffen enorm wichtig für die internationale Gemeinschaft sind. Staatsoberhäupter müssen sich überall zu jeder Zeit treffen können. Andernfalls ist unser ganzes System in den Grundfesten erschüttert. 

Nach dem mit 111 Millionen Euro Umsatz erfolgreichsten Geschäftsjahr der Geschichte 2016 – wie blicken Sie auf das Jahr 2017 zurück? 
Auch 2017 war ein sehr erfolgreiches Jahr für die Hamburg Messe und Congress, nicht zuletzt durch den G20-Gipfel, der ein wirtschaftlicher Erfolg war. In geraden Jahren haben wir mehr Veranstaltungen, die unseren Umsatz pushen. 2017 hatten wir mit einem Jahresumsatz in Höhe von 69 Millionen Euro gerechnet – diese Summe werden wir erheblich übersteigen. So eine positive Bilanz kann man nur im Team erreichen. 

Und Ihre persönliche Bilanz?
Ich bin ein ewiger Optimist. Für meine Familie und mich war 2017 ein spannendes Jahr, in dem viel passiert ist. Da würde ich explizit auch den G20-Gipfel einbeziehen. Wann hat man schon mehr als 20 Regierungschefs gemeinsam praktisch in der eigenen Hütte? In den Tagen während des Gipfels habe ich Frankeichs Staatspräsident Emmanuel Macron kennengelernt, ein sehr eloquenter, charmanter Mann. Der Premierminister von Singapur war auch da. Da ich ein paar Jahre in Singapur gelebt habe und noch immer intensive Beziehungen dorthin pflege, war das für mich ein persönliches Highlight. Zu sehen, wie auf einem solchen Treffen miteinander gesprochen wird, der Umgang, das war sehr faszinierend. Deswegen bin ich nochmal überzeugter, dass der persönliche Kontakt unersetzbar ist. Das passt auch zum Messegedanken. 

Die bekannte "Hanseboot" fand 2017 nach mehr als 50 Jahren zum letzten Mal statt, es heißt, das Konzept sei nicht mehr zeitgemäß. Wie wollen Sie das Format Messe in Zeiten des permanenten Austauschs im Internet, in Foren, Sozialen Netzwerken und via Videokonferenzen in seiner Bedeutung bewahren?
Diese Frage müssen Sie eigentlich den rund eine Millionen Besuchern stellen, die jedes Jahr zu uns kommen. Ich denke, dass bei aller Digitalisierung und allen Möglichkeiten, die das Internet bietet, sich die Menschen bei bestimmten Themen und in bestimmten Situationen trotzdem persönlich treffen wollen. Ein großes Investment wie eine Windanlage tätigen Sie nicht im Internet. Sie wollen wissen: Wer baut die, wer ist mein Partner, wie verlässlich ist der? Auf der Windenergiemesse sind alle Wettbewerber da, man kann vergleichen, sich kennenlernen. Da spielt auch das Bauchgefühl eine Rolle. Das wird sich bei allem Fortschritt auch in Zukunft nicht verändern. Das Konzept Messe gibt es in Hamburg seit 650 Jahren. Sie ist Marktplatz, Jahrmarkt – und wird weiter bestehen bleiben. Bestes Beispiel war der Chaos Computer Club, die Digitalen überhaupt, den wir bis zum Umbau des CCH viele Jahre mit seinen Communitytreffen bei uns hatten. Wir nutzen die Möglichkeiten des Internets, die digitalen Medien, indem wir netzwerkverstärkend sind. Wir bieten unseren Kunden über die eigentliche Messezeit hinaus Plattformen zum Austausch. Neben Networking ist Matchmaking ein riesiges Thema: die Vermittlung zwischen Ausstellern und Fachbesuchern. 

Das Netzwerken zieht sich duch Ihren Job wie auch durch Ihre Freizeit, Sie sind schon lange Mitglied bei Rotary und anderen Vereinen... 
Es gibt keine Messe, auf der ich nicht vorbeischaue und mit den Menschen spreche. Eine Reihe von Kunden begleite ich auf Messen ins Ausland, halte Kontakt zu wichtigen Ausstellerverbänden und pflege politische Kontakte. Dies ist ein Job für Menschen und mit Menschen. Der funktioniert über den persönlichen Kontakt. Ohne diese Begegnungen würde mir definitiv etwas fehlen. Ich bin außerdem ehrenamtlicher Handelsrichter, Fregattenkapitän der Reserve und in fünf, sechs weiteren Vereinen engagiert. Ich habe einfach Spaß daran, mich zu vernetzen. Wenn man gleichzeitig etwas Gutes bewirken kann wie bei Rotary – umso besser. Es ist wichtig, ehrenamtlich was zu tun. Wir alle profitieren von unserem funktionierenden Gemeinwesen. Da sollte man auch ein bisschen was zurückgeben.

Das Gespräch führte Anne Klesse.


Rotary-Information
Vom 1. bis 5. Juni 2019 findet in Hamburg die RI-Convention 2019 statt – nach 1987 in München zum zweiten Mal in Deutschland. Ab dem 15. Januar wird die Webseite für die deutschsprachigen Rotarier freigeschaltet, hier kann man sich dann für den Newsletter registrieren.


 

Rotary Magazin 1/2018

Rotary Magazin Heft 1/2018

Titelthema

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