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Hamburg

Die Zeichen stehen auf Veränderung

Hamburg - Die Zeichen stehen auf Veränderung
"Wenn wir Freude an Rotary haben, wird Rotary leben": Governor Wolfgang Bülow (RC Hamburg-Haake) leitete die erste Online-Distriktversammlung von D1890. © D1890/Can Özren (alle Fotos)

Auf der Distriktversammlung im D1890 standen die Herausforderungen der Zukunft im Mittelpunkt: Wie kann sich Rotary verjüngen? Dabei könnte Rotaract eine entscheidende Rolle spielen.

Can Özren20.02.2021

Noch hat die Coronakrise die Gesellschaft im Griff. Aber die Rotarier in D1890 planen bereits für die Zukunft. Auf der ersten Online-Distriktversammlung mit anschließendem President Elect Training Seminar (PETS) stimmte Governor Wolfgang Bülow (RC Hamburg-Haake) die 80 Clubs auf Veränderungen ein. "Rotary lebt, wenn wir es wollen", sagte er. "Dafür müssen wir unser Profil schärfen. Ich empfehle daher jedem Club, sich einmal im Jahr mit sich selbst zu beschäftigen", betonte er in der Veranstaltung mit rund 300 Teilnehmern - ein neuer Rekord für eine Distriktversammlung.

Was dabei herauskommen kann, erfuhren die Teilnehmer von Henner Buhck vom RC Hamburg-Bergedorf. Sein Club beschäftigt sich seit 2019 mit der eigenen Entwicklung, angeregt durch Eindrücke der Convention in Hamburg. "Wir haben einen Arbeitskreis 'Rotary 2025' gegründet. Viele Ideen gibt es in anderen Clubs auch, wir wollen aber vieles systematisieren und uns für 2025 aufstellen", so Buhck. Ein Schwerpunkt liegt bei der Begleitung neuer Mitglieder durch einen Paten. Nach einem Jahr soll es ein Gespräch geben, damit der Club durch den Blick eines Neuen Impulse erhalte.

Freunde interviewen Freunde

Auch die Attraktivität der Meetings wollen die Bergedorfer durch Einbindung aller Freundinnen und Freunde in die Organisation erhöhen. "Um die Freundschaft zu fördern, wollen wir die Familien stärker einbeziehen. Partner und Kinder ab 15 Jahren können an den Meetings teilnehmen, auch ohne das eigentliche Mitglied", sagte Buhck. Ein ganz neues Projekt fand bereits großen Anklang im Club: ein Podcast, in dem ein Rotarier einen Freund interviewt. So erführen die Mitglieder vieles über ihre Freunde.

Neue Wege in der Kommunikation geht auch der Distrikt. Ende des vergangenen Jahres hat Öffentlichkeitsarbeiterin Susanne Meise (RC Eckerförde-Dänischer Wohld) die Facebook-Seite des D1890 gestartet: www.facebook.com/rotarydistrikt1890 "Damit wollen wir vor allem Jüngere erreichen. Facebook hat eine große Reichweite in der Zielgruppe der 30- bis 49-Jährigen", sagte sie. Auf der Seite finden Rotarier und Interessenten aktuelle Informationen und Wissenswertes rund um Rotary. Susanne Meise rief die Clubs dazu auf, ihrem Team und ihr für die Veröffentlichung Veranstaltungen, Termine, Aktionen und Aktivitäten mit Beispielcharakter zu melden. In Vorbereitung sei eine Gesichter-Serie zum Thema: "Ich bin bei Rotary, weil…" Noch in der Sitzung gewann Susanne Meise viele neue Freunde für die Facebook-Seite.

Eine jüngere Zielgruppe stand auch im Mittelpunkt der von Jörg Kutzim (RC Hamburg-Haake) moderierten Online-Diskussion zum Thema "Gemeinsam am Rad drehen". Die Rotarierinnen und Rotarier Juliane von der Wense (Rotaract-Beauftragte des D1890, RC Stade-Elbmarschen), Wulf Sophus Theophile (Präsident des RC Oldenburg/Holstein) und Matthias Bähre (RC Ottendorf-Land Hadeln) sprachen mit den Rotaractern Neele Kühl, Monique Xiao (ganz neu auch Mitglied im RC Oldenburg/Holstein) und Claas Röbe-Oltmanns über Chancen und Barrieren einer engen Zusammenarbeit. Hintergrund war die Erfahrung von Governor Bülow bei Besuchen bei den Rotaract Clubs: Obwohl Rotaract ein Teil der rotarischen Familie ist, vermissten die junge Leute vielfach die Akzeptanz der Rotarier.

Gemeinsam am Rad drehen

Bähre empfahl daher eine verbesserte und engere Einbindung der Rotaracter in die Rotary Clubs: "Wir müssen die jungen Leute möglichst früh abholen und engmaschig begleiten." Für Juliane von der Wense und Wulf Sophus Theophile liegt das Geheimnis des Erfolgs in regelmäßigen Begegnungen und Projekten. Neele Kühl verfolgte einen anderen Ansatz. Wichtig wäre ein Leitfaden für die RAC für die Kooperation mit den Rotary Clubs. Zugleich beklagte sie die häufig zu hohen Anforderungen der Rotarier an die berufliche Führungsposition und die Finanzkraft neuer Mitglieder bei der Aufnahme von Rotaractern. Der Governor appellierte an die Clubs, hier Lösungen zu finden, um gemeinsam mit den jungen Leuten am selben Rad drehen zu können. Hoffnung mache ihm die Mitgliedschaft von Monique Xiao bei Rotaract und Rotary als Vorbild für die Einbindung jüngerer Mitglieder.

Ein Beispiel für gemeinsame Projekte der rotarische Familie könnte die Aktion "End Plastic Soup" werden. Präsident Ketilbjörn Tryggvason und Freund Robert Henrich vom RC Großhansdorf berichteten über die 2018 in den Niederlanden enstandene Idee zur Vermeidung von Plastikmüll bis zum Jahr 2050. Ziel ist es, dass in 30 Jahren kein Plastik mehr in die Gewässer gelangt und der Umwelt, den Meereslebewesen und damit auch den Menschen schadet. Schon jetzt arbeiten RAC und RC weltweit zusammen, um den Plastikmüll zu reduzieren. "Es geht nicht darum, Kunststoff zu verteufeln, er hat große Vorteile. Aber wir wollen das Bewusstsein für einen sorgsamen Umgang mit Plastik schärfen", sagte Tryggvason.

2021, distriktversammlung, pets, katze
Auch Eddy, der Kater des Berichterstatters, verfolgte die Distriktversammlung.

Die eigentliche Herausforderung bestehe in den Entsorgungsketten, ergänzte Henrich. "Wir haben keine Kunststoffkreislaufwirtschaft. Der Recyclinganteil liegt in Deutschland bei 40 Prozent, weltweit bei 20 Prozent, weil der Müll häufig verschmutzt ist oder aus verschiedenen Materialien besteht." Europa habe jahrelang Kunststoffmüll nach China oder Afrika exportiert. Dort ist der Müll aufgrund unsachgemäßer Lagerung oder durch Wind in Gewässer, Flüsse und Meere gelangt. Zerrieben im Wasser, gelangt das Plastik in die Nahrungskette, weil Meeresbewohner es mit ihrer Nahrung aufnehmen. Und über Fische wiederum nehmen auch die Menschen den Kunststoff auf. Der RC Großhansdort engagiert sich für die Vermeidung von Plastikmüll und sucht Mitstreiter in Nachbarclubs und Verbänden.

Dieses Engagement wäre geeignet, um gemeinsam mehr zur bewegen und stärker nach außen zu wirken, wie Governor Elect Thomas Garske (RC Ahrensburg) es fordert. Das Motto seines Amtsjahres lautet: “Serve to Change Lives”, zu Deutsch. "Engagieren – Leben verändern". Da er die deutsche Übersetzung nicht so stark finde, würde er gern beim Original bleiben, kündigte Garske an. Der künftige RI-Präsident Shekhar Mehta kündigte an, das Leben von Menschen verändern zu wollen und rief die angehenden Governors dazu auf, die umfassenden Veränderungen bei Rotary zu verwirklichen. Garske: "Rotary hat die Kraft, Leben zu ändern!"

"An Rotary erfreuen"

Eines der Ziele von Mehta sei es, am 1. Juli 2022 mehr als 1,3 Millionen Mitglieder weltweit zu zählen - das entspricht einem Wachstum von zehn Prozent. Das sei zwar ambitioniert, aber: "Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir mehr tun und damit mehr werden", sagte der Incoming Governor. Vorrangiges Ziel müsse es aber bleiben, die Gemeinschaft in Freundschaft zu fördern, gemeinsam etwas zuvor Definiertes zu tun und die Individualität der Clubs zu erhalten. "Über allem steht: Wir wollen uns an Rotary erfreuen", sagte Garske.

Diesen Satz übernahm Governor Bülow in sein Schlusswort und prophezeite in Anspielung an sein Eingangszitat: "Wenn wir Freude an Rotary haben, wird Rotary leben!" Für die erste Online-Distriktversammlung erhielt Bülow viel Lob von den Teilnehmern im Chat und bei Facebook. Seinem Nachfolger Garske, der Governor elect Petra Niemann-Heßler (RC Kiel-Eider) und dem frisch gewählten Governor des Amtsjahres 2023/24, Uwe Honschopp vom RC Kiel-Düsternbrook, wünschte Bülow, dass sie wieder zu Präsenz-Versammlungen einladen können.