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Regensburg

Hinsehen — und ein Lächeln schenken

Regensburg - Hinsehen — und ein Lächeln schenken
Krankenpfleger Massaoudou litt als Kind selbst unter Noma, heute arbeitet er für Noma e. V. als Pfleger mit. Das Lebenswerk von Ute Winkler-Stumpf setzt ihr Sohn Mathis Winkler fort. © Hilfsaktion Noma e. V.

Der Regensburger Rotary Club Regensburg-Marc Aurel unterstützt seit seiner Gründung die weltweit größte Hilfsorganisation im Kampf gegen die heimtückische Krankheit Noma.

Ulrike Löw01.11.2021

Ein Abend im August 1994. Die Regensburger Lehrerin Ute Winkler-Stumpf hatte Ferien. Sie saß vor dem Fernsehgerät und hörte erstmals von der Krankheit Noma. In jener Nacht schlief sie kaum. Noma befällt meist Kinder in den ärmsten Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas. Im Niger sollen unter 100.000 Einwohnern bis zu 14 Erkrankte sein. Hier werden viele Kinder untergewichtig geboren, weil auch ihre Mütter mangelernährt sind. Ihr Immunsystem ist anfällig für Infektionen wie HIV, Masern, Malaria, Kinderlähmung, Tuberkulose oder Herpes. Kommen mangelhafte Mundhygiene und verseuchtes Trinkwasser hinzu, hat der Erreger leichtes Spiel. Die Bakterien fressen sich durch Fleisch und Knochen, wer überlebt, bleibt gezeichnet von Wunden. Durch die Narbenbildung entstehen Kiefersperren, das Sprechen und Essen wird immer schwerer. Wer in diese entstellten Gesichter blickt, verzweifelt an der Welt. Doch Ute Winkler-Stumpf wollte den Kindern ihr Lächeln zurückzugeben und initiierte nach jenem TV-Abend einen Verein, der sich seit dem zur weltweit größten Hilfsorganisation im Kampf gegen Noma entwickelt hat. Als sich 1996 der Rotary Club Regensburg-Marc Aurel zusammenfand, wurde ihr Gatte Paul Winkler Gründungsmitglied. Natürlich erzählte Winkler seinen neuen Clubfreunden von den Plänen seiner Frau, und so kam es, dass der junge Club von Anfang an den Verein unterstützte.

WHO: „Vorbildlicher Verein“

Zu Beginn wurden über die Hilfsaktion Kinder aus dem Niger geholt und hier operiert, dazu schulisch und beruflich betreut. Die Aufenthalte dauerten Monate, manchmal Jahre – und diejenigen Kinder, die in Afrika erst wegen ihrer entstellten Gesichter geächtet waren, wurden später als „Bevorzugte“ ausgeschlossen. Um diese Ausgrenzung zu vermeiden, verlagerten die Verantwortlichen die Infrastruktur, Krankenhäuser und Pflegeheime nach Westafrika. Heute würdigt die WHO die Hilfsaktion Noma e. V. als vorbildlich.  Seit Gründung wurden 4833 Kinder operiert, 72.509 Impfungen gegen Infektionskrankheiten verabreicht und 94.852 unterernährte Kinder zum Normalgewicht gebracht. Zwei Kliniken wurden gebaut, vier Kinderhäuser, ein Ernährungszentrum und ein Schulungs-Centrum für westafrikanische Chirurgen. Die Clubfreunde sind stolz: Mit ihrem Initial-Projekt und weiteren 43.000 Euro Spenden über die Jahre, plus Einzelspenden, die anonym bleiben sollen, konnten sie einen erheblichen Beitrag zum Erfolg der Hilfsaktion leisten.