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Frankfurt

Potenzial vor Position – der jüngste Frankfurter Club stellt sich vor

Frankfurt - Potenzial vor Position – der jüngste Frankfurter Club stellt sich vor
Clubmitglieder des RC Frankfurt Rhein-Main an gewohnt großer Tafel beim Vortragsmeeting © RC Frankfurt Rhein-Main

Der RC Frankfurt/M. Rhein-Main gehört seit Februar 2020 auch offiziell zur rotarischen Familie. Hier Auszüge aus einem Bericht der Gründungspräsidentin Cara Dielmann.

Christian Kaiser18.05.2020

Gründungsidee:

Unser Club entstand im Jahr 2019 auf Initiative von Past-Governor Karl-Heinrich Link und mir, als langjährige Rotaracterin. Vor der Gründung stand die Frage, warum bisher nur so wenige Rotaracter ihren Weg zu Rotary finden, obwohl sie das Interesse haben sich zu engagieren, mit der rotarischen Familie vertraut und von den rotarischen Ideen überzeugt sind. Zwar öffnen sich inzwischen sehr viele Rotary Clubs auch gegenüber sog. Young Professionals. Laut Rotary Central liegt die Anzahl der unter 40-Jährigen im Distrikt 1820 jedoch gerade mal bei 158 im Vergleich dazu bei 3.549 bei den über 40-Jährigen. Gerade die jungen Berufstätigen legen großen Wert auf soziales Engagement, sind geübte Teamplayer, fit im Multi-Tasking und zeichnen sich durch exzellente Vernetzung aus.

2020, Gründungspapiere, D1820, RC Frankfurt/M. Rhein-Main
DG Rainer Moosdorf, Beirat D1820 f. Clubdienst  Charlotte Mori und Gründungspräsidentin Cara Dielmann bei Unterzeichnung der Gründungspapiere © RC Frankfurt Rhein-Main

Dabei wird Selbstverwirklichung nicht mehr nur im beruflichen Umfeld gesucht, vielmehr will sich diese Generation im Rahmen ihrer sog. Work-Life- Balance auch außerhalb der Arbeit weiterbilden, sich aktiv in eine Gemeinschaft einbringen und gemeinsam mit dieser etwas bewirken. Der Dienst an der Gemeinschaft ist für diese Generation quasi selbstverständlich und so wird trotz persönlichen Herausforderungen, wie der Karriere- und Familienplanung, bewusst und zielgerichtet, Zeit für gesellschaftliches Engagement eingeplant. Zum oft sehr schnelllebigen Arbeitsalltag, wird in der Freizeit nach einer gewissen Beständigkeit gesucht. Man hat den Wunsch, sich an einem festen Ort niederzulassen, beständige Freundschaften aufzubauen und sich langfristig einer Sache zu verschreiben.

So kamen wir zu dem Schluss, dass diese Zielgruppe sehr viel Potenzial bietet, und das meist schon, bevor sie eine gewisse berufliche Position erreicht hat. Man sollte sie also keinesfalls für Rotary verlieren. Unabhängig von den Aufnahmebedingungen der örtlichen Clubs, ist Rotary für diese Generation – zumindest auf den ersten Blick – leider jedoch meist nicht wirklich attraktiv. Das Image das Rotary in dieser Generation (leider und fälschlicherweise) anhaftet, ist oft recht einseitig und man ist sich nicht sicher, ob man überhaupt Zugang zu diesen „elitären“ Kreisen findet, Mittagsmeetings lassen sich kaum mit dem Arbeitsalltag vereinbaren und auch die Tatsache, dass einige Clubs keine Frauen aufnehmen, erscheint nicht mehr zeitgemäß.

Selbst Rotaracter, die die rotarische Idee bereits leben und sich in der rotarischen Familie heimisch fühlen, gehen oft als rotarischer Nachwuchs verloren. Rotaracter sind es gewohnt stets „ein bisschen mehr“ zu tun, sie engagieren sich und sehen die Rotarische-Gemeinschaft als enorme Bereicherung für ihr Leben. Finden sie keinen nahtlosen Übergang zu Rotary, werden sie sich in der Regel nach einer neuen Gemeinschaft umsehen um sich dort zu engagieren und ihr Potenzial zu entfalten. Deshalb haben wir es uns zum Ziel gemacht, ein Clubkonzept zu entwickeln, welches die geschätzten etablierten und essentiellen Werte Rotary’s und moderne Ansätze vereint.

Gründungsgeschichte:

Nachdem die Grundidee gelegt war, fanden im Sommer 2019 zwei Infoabende statt, zu denen ich zum einen ehemalige Rotaracter aus dem Rhein-Main Gebiet einlud, zum anderen aber auch Kandidaten, die mir durch rotarische Freundinnen und Freunde empfohlen worden waren. Dabei wurden alle Interessenten über die Organisation Rotary und ihre Werte, aber auch über die Verpflichtungen eines Rotariers aufgeklärt. Schnell fand sich eine interessierte und motivierte Gruppe zusammen, die letztlich dann auch die Gründungsmitglieder des Clubs bildeten.

Bevor wir dann im Oktober 2019 unseren regulären Clubbetrieb aufnahmen, führte der ADG der Region 6 Bernd Thoma unseren Club in die Gemeinschaft der Frankfurter Clubs ein. Dort wurden wir herzlichst und mit offenen Armen empfangen, erhielten von allen Seiten viel Unterstützung und wurden von Anfang an überall mit einbezogen und eingeladen. Darüber freuen wir uns nach wie vor sehr und fühlen uns bestens in die Gemeinschaft integriert.

Der Rotary Club Frankfurt International bot uns unter Präsident Devender Maggo seine Patenschaft an, die wir dankend angenommen haben. Wir haben zwei eigene, stets hilfsbereite Patinnen zugeteilt bekommen und haben eine enge Freundschaft zu dem Club entwickelt. Bereits im Oktober konnten wir einen engagierten Vorstand bilden und alle wichtigen rotarischen Ämter und Ausschüsse besetzen. Seit 20. Februar 2020 sind wir offiziell durch Rotary International gegründet. Aufgrund der Covid-19 Pandemie, ist die bereits geplante Charterfeier leider auf unbestimmte Zeit verschoben.

Clubkonzept:

2020, plauderabend, d1820, gründung

Clubmitglieder beim geselligen Plaudermeeting im Weinlokal © RC Frankfurt Rhein-Main

Die klassischen Vortragsmeetings werden jede zweite Woche durch ein sogenanntes Plaudermeeting abgelöst. Dabei kommen wir in ungezwungener Runde in verschiedenen Restaurants oder Bars zusammen, gehen mal gemeinsam Kegeln oder besuchen eines der örtlichen Museen. Die Idee der Plaudermeetings haben wir uns bei Rotaract abgeschaut. Die Plaudermeetings fördern die Freundschaft und den Zusammenhalt im Club, zudem bringen sie Abwechslung in das Clubleben und sorgen dafür, dass man Gastronomie und Kultur in der eigenen Stadt besser kennenlernt. Der rege Austausch und das persönliche Kennenlernen, das bei den Vortragsmeetings wegen des Fokus auf den Referenten und die Thematik oft nur knapp ausfällt, wird von unseren Clubmitgliedern bei den Plaudermeetings als sehr positiv wahrgenommen. Die Präsenz bei den Plaudermeetings ist genauso vorbildlich wie bei den regulären Vortragsmeetings.

Gemeindienstprojekte:

Bei unseren Gemeindienstprojekten legen wir großen Wert auf Hands-On-Aktionen. Unsere Clubmitglieder möchten sich aktiv einbringen und die unmittelbaren Resultate aus ihrem Engagement selber miterleben. Wir beteiligen uns zwar auch an klassischen Spendenprojekten (insbesondere TRF und EPN), probieren aber mindestens 2-3 Projekte im Clubjahr als Hands-On-Projekte zu realisieren. So haben wir zu Weihnachten Plätzchen für die Drogenhilfe gebacken und Reinhild Link bei der Durchführung eines "gesunde kids e.V. -Workshops" in der Carl-von-Weinberg Schule unterstützt. Als nächstes größeres Projekt war die Unterstützung von „Bike 4 Charity“ mit einer Station auf dem Frankfurter Römer geplant gewesen, die diesjährige Spendentour von „Bike 4 Charity“ wurde - corona-bedingt - jedoch leider abgesagt. Aktuell unterstützten wir die Obdachlosenhilfe „Street Angel e.V.“ mit Lebensmitteltaschen und Spenden.

Meetings:

Unsere Vortragsmeetings finden am 1. und 3. Donnerstag im Monat um 20 Uhr nur wenige Fußminuten vom Frankfurter Hauptbahnhof entfernt statt. Nach Begrüßung und Formalia, folgt das Essen. Danach kommt der Vortrag, der meist noch in angeregte Diskussionen und ein geselliges Miteinander mündet. Zurzeit finden unsere Meetings natürlich online statt. Jeden 2. und 4. Donnerstag kommen wir zum geselligen Plaudermeeting in verschiedenen Lokalitäten in Frankfurt oder im Rhein-Main-Gebiet zusammen. Dies sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern fördert auch die Freundschaft und stärkt den Zusammenhalt im Club.

Strukturen:

Vier unserer 20 Mitglieder sind unter 30 Jahre alt, 13 zwischen  30 und 40, 3 zwischen 40 und 65 Jahre. Trotz des Fokus auf junge Berufstätige, heißen wir Kandidaten jeden Alters willkommen. Zwölf unserer 14 weiblichen und sechs männlichen Mitglieder sind ehemalige Rotaracter. Unser Partnerclub ist der RC Frankfurt International. Beruflich sind wir sehr durchmischt. So sind neben Juristen, Ärzten auch eine Kriminalpolizistin ein Filmemacher und ein Marketingexperte vertreten. Für einen Frankfurter Club sicher ungewöhnlich ist die Tatsache, dass wir bisher noch keine/n Banker/in im Club haben - aber das kann ja noch werden.

Christian Kaiser

Christian Kaiser wurde 1942 in Hessen geboren, machte Abitur in Hanau. Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen und Bonn mit Promotion. Pächter der Hessischen Staatsdomäne Kinzigheimerhof bis 2004. Öbuv. Sachverständiger. Verheiratet, zwei Kinder. Seit 1981 im RC Hanau. Präsident 1999/2000, PHF+3 und Distriktberichterstatter für D 1820.