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Distriktkonferenz

Rotarische Identität und wertschätzende Sprache

Distriktkonferenz - Rotarische Identität und wertschätzende SpracheFotostrecke: Bilanz und Governorwechsel in D1830
Staffelstabübergabe in D1830: Nach Thomas Preisendanz geht Klaus-Günther Strack ins Amt. - FÜR WEITERE EINDRÜCKE KLICKEN SIE AUF DAS BILD! © Julius Schölkopf

Mitte Mai hatte Governor Thomas Preisendanz (RC Schwäbisch-Hall) die rotarische Familie aus dem Distrikt 1830 zur Distriktkonferenz in die "kleinste Metropole der Welt" eingeladen, um das Engagement von Rotary im Distrikt hervorzuheben sowie den reflektierten und sensiblen Umgang mit Sprache und Minderheiten zu diskutieren.

Julius Schölkopf01.08.2022

Dieser Einladung waren rund 160 Rotary- und Rotaract-Mitglieder gefolgt und bei sommerlicher Temperaturen nach Schwäbisch Hall oder in den Live-Stream gekommen. Der amtierende Präsident des ausrichtenden Clubs, Wolfgang Binnig, begrüßte die teilnehmenden Rotary- und Rotaract-Mitglieder in der ehemaligen Fassfabrik und wünschte eine kompakte, unterhaltsame, informative und genussvolle Distriktkonferenz. 

Bei seinem Rückblick auf die vergangenen Monate als Governor hob Thomas Preisendanz das Multilateral Rotarian-Forum, kurz MRF, besonders hervor. Mit dem distriktübergreifenden Projekt konnte ein neuer Anlauf gestartet werden, Europa und die europäischen Werte mit vereinten Kräften zu verteidigen. Für die Zukunft des MRFs wünsche er sich die Öffnung des Projekts für einen osteuropäischen Distrikt. Besonders wichtig sei ihm auch das Thema Berufsdienst gewesen, denn im Impuls der Berufe liege die größte Stärke Rotarys. Wer Menschen aus anderen Berufen erlebt, erschließt sich eine weitere Welt und ein tiefergehendes Verständnis, so der Governor.

Er bedankte sich bei den Clubs im Distrikt für die wunderschönen Besuche und hob die Freude des Wiedersehens bei den ersten Begegnungen nach vielen digitalen Meetings hervor. Trotz der ausgefallenen Reisen, Meetings und Veranstaltungen ist er überzeugt, dass Rotary stark aus der Pandemie zurückgekehrt sei. Insbesondere mit der Reaktion auf die Flut im Ahrtal und den Krieg in der Ukraine. Beides mal wurden außergewöhnliche finanzielle Unterstützung sowie beeindruckende direkte Hilfe aufgeboten. Der Beschluss des diesjährigen Council on Legislation, dass Rotaract-Mitglieder nun alle Meetings von Rotary Clubs weltweit besuchen dürfen, freue ihn und er motivierte die Zuhörenden, diese Chance wahrzunehmen.

Vor der Übergabe des Staffelstabs des Governors an seinen Nachfolger, Klaus-Günther Strack (RC Aalen-Heidenheim), bedankte sich Thomas Preisendanz bei den Mitgliedern seines Distriktbeirats und den Amtsvorgängern, die ihn immer freundschaftlich unterstützt haben. Der neue Governor, der sein Amt zum 1. Juli antritt, bedankte sich bei seinem Vorgänger und dessen Ehefrau mit sorgsam ausgewählten Geschenken. Darunter ein Reiseführer für Florida, dem Ort an dem ihn die aufgrund der Pandemie in die digitale Welt verlegten International Assembly auf das Governorjahr eigentlich hätte vorbereiten sollen.

Klaus-Günther Strack betonte die Kontinuität in den Zielen und Projekten des Distrikts sowie innerhalb der Governorstafette. Aber die Zukunft bringe auch neue Aufgaben, daher wolle er in seinem Amtsjahr dem Thema Europa einen noch größeren Stellenwert einräumen. Europa sei vor allem in der Welt nach dem 24. Februar ein Thema, für das sich jeder Einsatz lohne und im Distrikt vor allem durch den rotarischen Freundschaftsaustausch, die Weiterentwicklung des MRF und die verstärkte Teilnahme am Jugendaustausch gelebt werden soll. Besonders wichtig ist ihm die Zusammenarbeit mit Rotaract, einem wichtigen und gleichberechtigten Teil der rotarischen Familie. Er betonte, dass die jungen und engagierten Rotaract-Mitglieder begeistert aufgenommen werden sollen, da sie nicht nur im demographischen Sinne, sondern auch im geistigen Sinne die Zukunft seien und zu gegebener Zeit in die Fußstapfen der heutigen Rotary-Mitglieder treten müssen. Zudem soll der Service-Gedanken des Distrikts gestärkt und den Clubs ermöglicht werden, den Distrikt bewusster als Dienstleister zu erleben.

Als neue Vertreter des Distrikts beim Rotary Deutschland Gemeindienst e.V. wurden PDG Peter Fischer (RC Ellwangen) und Stefan Werner (RC Aalen-Limes) gewählt.

Thomas Preisendanz war es gelungen, Petra Gerster und ihren Mann, Christian Nürnberger, zur Distriktkonferenz einzuladen. Die ehemalige "heute"-Nachrichten Moderatorin und der mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Publizist griffen in einem informativen Vortrag die Diskussion rund um Identitätspolitik aus ihrem neuen Buch "Vermintes Gelände" auf. Dabei führten sie in das Thema ein, indem sie über Twittergewitter, Shitstorms, Entschuldigungsreigen und Reflexionsprozesse sprachen, die die Debatte rund um das Gendern und der damit verbundenen gegenseitigen Wertschätzung begleitet haben. Gerster kritisierte, dass in der Debatte häufig absurde Beispiele ausgedacht würden, anstatt dass aus Höflichkeit Lehrer*innen gesagt werde, da drei von vier Lehrerkräften Frauen seien. Die beiden Gäste trugen anschaulich zur Aufklärung in der Debatte bei und zeigten, wie der Kampf gegen Benachteiligung von Menschen, die sich in der westlich-männlichen Wertegemeinschaft nicht wiederfinden würden, die Notwendigkeit von wertschätzender Sprache betone. Häufig werde sie gefragt, ob sie denn in Zeiten des Krieges in der Ukraine keine anderen Sorgen als das Gendern hätte. Dies könne sie zwar bejahen, dennoch habe der Krieg auch mit Worten und der damit verbundenen Unterdrückung von Identitäten begonnen. Wer Putin zugehört hat, hätte damit rechnen können, aber im Krieg sei es zu spät für die richtigen Worte, so die ehemalige Nachrichtensprecherin. Gerster schloss den Vortrag damit, dass Worte nicht nur „Weltverschlechterungsanbahner“ sein könnten, sondern auch „Weltverbesserungsanbahner“. In der anschließenden Podiumsdiskussion rund um Identitätspolitik und die Macht der Sprache wurde nicht nur über eine Schlichtung des Konflikts rund um den Krieg der Worte diskutiert, sondern auch wie dies Rotary betreffe. 

Die Konferenz war nicht nur informativ und kompakt, sondern wie angekündigt auch genussvoll. Das Saxophonquartett der Musikschule Schwäbisch Hall und das Ensemble der Würth Philharmoniker untermalten die gelungene Distriktkonferenz musikalisch. Das gemeinsame Mittagessen und der Imbiss luden die rotarischen Freunde zum Austausch über Clubs hinweg ein. Im Anschluss an die Distriktkonferenz konnte bei einer Führung in der Kunsthalle Würth Werke aus der Ausstellung "Sport, Spaß & Spiel" betrachtet werden. Dabei konnten die Teilnehmenden erfahren, wie Freizeitaktivitäten die Kreativität von Ernst Ludwig Kirchner, Max Ernst oder Pablo Picasso beeinflusst haben und nach der Corona-Pandemie so eine neue Perspektive auf verpasste Freizeit der letzten zwei Jahre erhalten.

MEHR EINDRÜCKE VON DER DISTRIKTKONFERENZ IN D1830: http://rotary.de/fotostrecke/414

Julius Schölkopf
Julius Schölkopf (Rotaract Club Ludwigsburg) studierte Volkswirtschaftslehre in Mannheim, Zürich und Heidelberg und promoviert derzeit in empirischer Wirtschaftsforschung. 2016 wurde er über ein RYLA-Seminar Mitglied bei Rotaract. Er hatte unter anderem mehrere Jahre das Amt des Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit in seinem Club inne, arbeitete im Organisationsteam des KidsCamps in Heilbronn mit und vertrat den Distrikt 1830 als Assistant-Distriktsprecher im Clubjahr 2018/19. Seit fünf Jahren engagiert er sich bei Rotaract Deutschland unter anderem im Ressort Öffentlichkeitsarbeit und im Bereich Organisationsentwicklung. Seit Juli 2021 ist er als Distriktberichterstatter für den Distrikt 1830 sowie als Sprecher für das Ressort Öffentlichkeitsarbeit des Rotaract Deutschland e.V. aktiv.