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DISTRIKT

Studieren im Flüchtlingslager

DISTRIKT - Studieren im Flüchtlingslager
Studierende Am PC im Flüchtlingslager Kakuma/Kenia

Weniger als ein Prozent aller Flüchtlinge haben Zugang zur Universitätsbildung. Rotary könnte das ändern

Harald Bos31.10.2015

Keine Frage, dass wir den Flüchtlingen helfen müssen. Sie werden durch Bürgerkriege, vor allem aber durch Armut, Hunger, Unterdrückung, Ausbeutung und Perspektivlosigkeit aus ihrer Heimat vertrieben. Langfristig aber müssen wir helfen, die Situation in den Herkunftsländern zu verbessern. Ohne die Beseitigung der Fluchtgründe wird der Zustrom verzweifelter Menschen nicht versiegen.

Dabei ist Bildung das A und O jeder positiven Entwicklung. Bildung hilft nicht nur bei der Entfaltung der eigenen Talente und Persönlichkeit, sondern auch um Menschen zu formen, die das Leben und die Zukunft in ihren Heimatländern mitentscheiden, verändern und gestalten.

Diese Bildung ist Flüchtlingen versperrt. Und gerade junge Flüchtlinge, die nichts anderes kennen als die eng begrenzte Welt ihres Lagers, träumen davon zu lernen, zu studieren, sich und anderen eine Zukunft aufzubauen.
Eigentlich sollten Flüchtlingslager vorübergehende Notunterkünfte sein, viele sind jedoch zu dauerhaften Bleiben geworden.

Die jesuitische Initiative für Hochschulbildung an den Grenzen bringt — gemeinsam mit dem Jesuiten-Flüchtlingsdienst — Bildungsstationen mit Hochschulcharakter zu ihnen: Online-Universitäten für Flüchtlinge. Angeboten werden jeweils ein dreijähriger Diplom-Studiengang mit den Schwerpunkten Bildung und Wirtschaft und kürzere Kurse mit Zertifikat, die an die prak­tischen Bedürfnisse und Wünsche der Flüchtlings­lager angepasst sind.

Dozenten aus aller Welt
Die Kurse werden online unterrichtet, von Universitätsdozenten aus aller Welt. Diese Online-Unis haben sich bereits in Flüchtlingslagern in Kenia, Malawi und Jordanien bewährt.

Ein gutes Ziel für Rotary wäre es, sich auf Bildungsprojekte in Krisengebieten zu konzentrieren. Angeregt durch den Auftritt von Peter Balleis, dem Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes, auf unserem Rotary-Wertetag im Februar, plant der Distrikt 1841 – gemeinsam mit möglichst vielen Clubs – eine Online-Universität in einem Flüchtlingslager im Ostkongo.

    

Harald Bos
Harald Bos, RC Bad Wörishofen, arbeitet nach einer Ausbildung zum Diplom-Werbefachwirt, in der Werbe- und Kommunikationsbranche. Außerdem war er 23 Jahre lang Verlagsdirektor und Mitglied der Geschäftsleitung eines mittelständischen Wirtschaftsverlages.