Achtung Falle! - Betrugsversuche eines

ACHTUNG BETRÜGER - bitte kein Geld weitergeben! © Rotary Magazin

08.03.2017

Achtung Falle!

Betrugsversuche eines "Rotariers"

Sabine Meinert

Rotarische Freunde in Berlin und Brandenburg erhielten in diesen Tagen Anrufe eines Mannes, der vorgab, Rotarier zu sein und um finanzielle Hilfe bat. Der offensichtliche Betrüger bediente sich einer alten Masche.

Rotarier sind hilfsbereit, zumal wenn es um einen rotarischen Freund geht. Das versuchte kürzlich ein Betrüger auszunutzen. Der Mann meldete sich telefonisch bei Rotariern in und um Berlin - und ließ einen alten Trick  wiederaufleben: "Ich bin selbst Rotarier aus Kanada und bitte Sie, mir die Fahrkarte zum Flughafen (Frankfurt/M. o.a.) auszulegen, da ich meine Geldbörse verloren habe. Für Polizei und Fundbüro bleibt keine Zeit, sonst verpasse ich meinen Flug."

So oder so ähnlich muss der Fremde versucht haben, die Hilfsbereitschaft der Rotarier auszunutzen. Er benutzt den Namen Fabian Lauren (oder auch Kevin Lauren) und besitzt offenbar ein Mitgliederverzeichnis der deutschen Rotarier. Er selbst ist offensichtlich kein Rotarier. Er versucht zu verdeutlichen, wie dringend die Situation sei, zumal weitere Hilfeersuchen bereits ins Leere gelaufen seien. Seine großen Hoffnungen setze er auf den Angerufenen. Er hoffe darauf, dass man sich unter Rotariern helfe, gibt er an.

ACHTUNG: KEIN GELD WEITERGEBEN!

Governor Gerhard Lögters (D1940) informiert über zahlreiche solche Betrugsfälle und -versuche und bittet eindringlich, kein Geld an den Mann weiterzugeben oder zu überweisen. "Bitte informieren Sie ihre Clubmitglieder über diese dreisten Versuche, sich mit Hilfe eines aktuellen Rotary-Adressverzeichnisses Zugang zu unseren Clubs und/oder den Mitgliedern zu verschaffen sowie unter dem Vorwand einer ausländischen Clubzugehörigkeit und um Abhilfe aus einer angeblichen finanziellen Notlage zu bitten."

Möglicherweise sind es auch mehrere Personen, denn die Fälle häufen sich in D1940:

  • RC Bernau bei Berlin
    „Am  16.1.2017 erhielt ich einen ‚Hilferuf‘ von einem Herrn  Kevin Lauren, der in unserem Rotary Treffpunkt  Bernau Schwarzer Adler  gestrandet war. Er teilte mir mit, dass er Mitglied des Rotary Clubs Winnipeg/Kanada sei, auf Rundreise-Urlaub in Deutschland unterwegs und nun kurz vor Schluss  auf dem Weg von Angermünde nach Bernau seine Geldbörse verloren habe. Kreditkarten weg, Bargeld weg. Er bat mich, ihm für den Zug nach München um Bargeld in Höhe von 200 Euro. Ich habe ihn getroffen, ihm das Bargeld gegeben und ihn zum Bahnhof gebracht. Er bedankte sich und versprach, das Geld zu überweisen, wenn er wieder zurück in Kanada sei."
  • RC Berlin-Pankow
    „Mich hat eben ein Mann im Büro aufgesucht, der sagte, er sei rotarischer Freund vom RC Winnipeg in Kanada und in misslicher Lage. Sein Portemonnaie sei gestohlen worden und er benötige nun 76 Euro, um eine Fahrkarte nach München zu lösen, damit er seinen Rückflug nach Kanada bekomme. Er hatte meinen Namen aus einem recht mitgenommen aussehenden Rotary-Verzeichnis und gab an, bereits versucht zu haben, den Präsidenten und den Schatzmeister unseres Clubs zu erreichen. Er nannte seinen Namen: Fabian Lauren. Ich habe ihm gesagt, dass ich meinerseits versuchen würde, den Schatzmeister telefonisch zu erreichen und außerdem einen kanadischen Arbeitskollegen. Bei meinem Anruf sagte unser Schatzmeister, dass Herr Lauren wohl über unser Meeting-Hotel versucht hatte, ihn zu erreichen. Als ich 'bewaffnet' mit der Adresse der kanadischen Botschaft zu unserem Empfang kam, wo er auf mich warten wollte, war er verschwunden.“
  • RC Berlin-Zitadelle
    „…ich war heute auch Opfer dieses Menschen. Er traf sich mit mir am Johannesstift in Spandau und nannte verschiedene Freunde aus meinem Club, die er schon erfolglos kontaktiert hätte (nur AB). Ich gutgläubiger Dummkopf bin ihm auf den Leim gegangen und habe ihm 80 Euro 'geliehen' (Lehrgeld bezahlt). Er gab vor, im Johannesstift Freundin (Pfarrerin) von Kekulé treffen zu wollen, diese wäre aber nicht zugegen gewesen. Jetzt weiß ich, Freundin von Kekulés Gemeinde ist in Hermsdorf.
    Ich habe vor, morgen Vormittag Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dann könnte möglicherweise ein nächstes vermeintliches Opfer ihn auf frischer Tat den Ordnungskräften zuführen - falls diese die Angelegenheit wichtig genug nehmen und 'mitspielen'. Der Club in Winnipeg war auch schon informiert - sie kannten den Fall, kennen den Betrüger aber nicht.“
  • RC Werder/Havel
    „……der RC Werder (Havel) ist leider auch betroffen!
    Gleicher Ablauf wie beim RC Berlin-Pankow hat sich Herr Fabian Lauren bei mir gemeldet. Am 07.02.2017, mit der Bitte um Unterstützung in einer misslichen Lage. Für ein Zugticket benötigte er 68,50 Euro, um nach München zu kommen. Ich habe ihn aus dem rotarischen Gedanken heraus unterstützt und ihm 70 Euro geliehen, und anschließend zum Bahnhof gefahren.
    Ein Zettel mit seinen Kontaktadressen in Winnipeg hat er mir dagelassen.
    Schade, ich hätte mir gewünscht wirklich einem rotarischen Freund geholfen zu haben! Wieder was dazu gelernt. Leider bin ich dadurch persönlich enttäuscht, was mögliche andere Hilfesituationen angeht.“
  • RC Guben
    „...leider bin ich offensichtlich vorige Woche Donnerstag auch in diese Falle getappt. Ich gab Herrn Fabian Lauren 70 Euro für seine Zugfahrt von Berlin nach München , damit er seinen Flug nicht verpasst...
    Insofern erreicht mich diese Nachricht zu spät. Am betrübtesten bin ich darüber, dass jemand so offensichtlich meine Hilfsbereitschaft erwartet hat und dies ausgenutzt hat."
  • RC Brandenburg/Havel
    "...danke für die Warnung! Sie kam gerade noch rechtzeitig.
    Bei uns als RC Brandenburg/Havel stellte sich der Vorgang wie folgt dar:
    Ein Freund von uns wurde am späten Vormittag des 14.02.17 angerufen, ob er dem "Freund" Fabian Laurell vom RC Winnipeg ( Kanada) mit 86 Euro für eine Fahrkarte von Brandenburg/Havel nach Frankfurt/Main- Flughafen helfen könne, da ihm in Brandenburg seine Brieftasche gestohlen worden sei und er unbedingt seinen gebuchten Flug nach Kannada erreichen müsse. Er hätte auch keine Zeit mehr, den Diebstahl durch die Polizei verfolgen zu lassen. Als Übergabeort schlug er unser Meetinghotel vor. Unser Freund war sowieso auf dem Weg dorthin und sagte zu, sich dort treffen zu können. Zwischenzeitlich rief er mich an und schilderte den Fall. Der Fremde gab vor, bereits versucht zu haben, Schatzmeister, Präsident und Präsident elect angerufen zu haben. Das konnte ich negieren, da bei mir niemand angerufen hatte. Ich empfahl, durch entsprechende Fragen herauszubekommen, ob er tatsächlich Rotarier sei und ihm auch mitzuteilen, dass er bezüglich der Anrufe gelogen habe.
    Nach dem Lesen der E-Mail rief ich sofort unseren Freund an, der in diesem Moment gerade mit dem Fremden zusammentraf, um ihn zu warnen. Der Fremde behauptete, im Hotel übernachtet zu haben. Aus dem Telefonat bekam er offenbar mit, dass ich empfohlen habe, die Polizei einzuschalten und verschwand noch während des Telefonates mit der Bemerkung, umbuchen zu wollen. Nach dem kurzen Telefonat fand ihn unser Freund nicht mehr. Es war auch zu keiner Geldübergabe gekommen. Auf Nachfrage an der Rezeption stellte sich auch heraus, dass der Fremde nicht im Hotel übernachtet hatte."
  • RC Havelland
    „...soeben war der genannte Herr bei uns im Geschäft und wollte meinen Vater oder ein anderes rotarisches Mitglied sprechen. Gleiche Geschichte, aber er benötigte nur noch 68 Euro für ein Ticket. Dank der Mail und einem Anruf bei Herrn Prill konnte ich ihn „unverrichteter Dinge“ loswerden. Er muss wohl 'Lunte gerochen' haben!!“
  • RC Strausberg
    "...dann kann ich von einem dritten Fall selber berichten, der sich am 02.02.2017 bei mir im Geschäft früh morgens um 9 Uhr zugetragen hatte. Es war ebenfalls ein Kevin Lauren aus Kanada und Mitglied im RC Winnipeg. Die Angaben gleichen denen aus Fall 1. Er machte eine Rundreise und kam aus Müncheberg (Märkische Schweiz) und habe seine Geldbörse verloren. Sein Flugticket nach Hause habe er noch. Er bräuchte aber jetzt 68 Euro, um mit der Bahn von Strausberg nach Düsseldorf (Abflug) zu kommen.
    Auch bei mir hatte er ein sehr stark mitgenommenes Rotary-Verzeichnis. Ich versuchte, telefonisch über unseren Club-Schatzmeister, diese 68 Euro zu bekommen. Es wären dann nur zehn Minuten Fußweg gewesen, um auf das Geld zu warten. Herr Lauren zog es vor, seine Sachen zu nehmen und abzuziehen.
    Später erfuhr ich, dass es so einen Vorfall vor einem Jahr schon einmal bei uns gab. Also Vorsicht (!!!) bei allem helfenden Gut was wir Rotarier sonst haben."
  • RC Berlin-Süd
    "... Am 27. 02. 2016 versuchte unser „Freund“ unter dem Namen Patrick Cornell im Chefarzt-Sekretariat eines unserer Mitglieder sein Glück. Er hat sich ohne Beute vom Acker gemacht, als versucht wurde, die Polizei zu rufen. Auf jeden Fall vielen Dank für die Warnungen."

Governor Lögters gibt auch noch weiter:  "Die Polizei in Berlin empfiehlt, dass alle geschädigten Rotarier bei ihrer örtlichen Polizeidienststelle ein Anzeige erstatten. Und: Ich hoffe, dass jetzt alle Clubs vorgewarnt sind und kein Rotarier mehr dem falschen 'Freund' aus Kanada auf den Leim geht."

Die beschriebene Masche ist nicht neu. Bereits vor Jahren tourte ein Betrüger mit der gleichen Methode durch Deutschland. Außerdem gab es Mail-Aktionen, die um Überweisungen baten. Auch hier gilt: Bitte immer erst Daten und Hintergrund prüfen! Großenteils stecken auch hier Trickbetrüger dahinter!


NAchklapp

Der Betrüger ist offenbar weiter unterwegs. Es gibt aber ein gutes Mittel, um ihn zu stoppen - nach persönlichen Daten fragen:

  • RC Berlin-Brücke der Einheit
    "... 'Herr Laurin or Lauren' ist jetzt bei unserem Club angekommen. Ich habe eben einen Anruf von ihm erhalten - als ich ihn bat, mir seine Handynummer zu geben, legte er auf.
    Vorher sagte er aber, dass er jetzt noch andere aus unserem Club kontaktieren werde, wenn ich ihm nicht helfen wolle. Also: Warnung an alle! ... Ich bin froh, dass ich Bescheid wußte!!!"

Und weitere Betrugsfälle werden bekannt. Der Betrüger baut seine Geschichte blumig aus, wie man hört:

  • RC Berlin-Lilienthal
    "Gestern konnte ich im besten Sinne Rotarier sein, hatte unser Gast aus Kanada doch sein Portemonaie verloren und brauchte Geld für die Fahrt zum Flughafen/M. Er hat unseren ganzen Club abtelefoniert und endlich mich in Zürich erreicht. Er rief aus dem alten Krug an. Ich konnte M. aus dem Team bewegen, ihm das Geld zu geben. Heute hab ich es ihr erstattet. Jetzt warte ich auf einen brieflichen Traveller Check über 68 Euro. Herr Massart war soo hilflos und überdankbar. Jetzt darf ich mich jederzeit in Florida, in Colorado, in Montreal, in seinen Hotels ... mit meiner Familie in einem seiner Häuser als Gast fühlen ... Bin mal gespannt, ob ich am Ende der Dumme bin. .."
  • RC Schleswig
    "XY hatte dem 'Kanadier' die 86 Euro gegeben. Der Kanadier versprach ihm, später das geliehene Geld mit einem Scheck begleichen zu wollen..."

Desweiteren:

  • RC Passau
    Präsident Gernot Possmann aus D1842 berichtet, dass ein etwa 60-jähriger Mann bereits im vergangenen Jahr im Süden sein Glück versuchte. Auch dieser angebliche Rotarier nannte den RC Winnipeg/Kanada als seinen Heimatclub. Er hatte einen Treffpunkt am Bahnhof ausgemacht und gab an, seine Papiere in einem Zug vergessen zu haben, aber dringend einen Flug ab München erreichen zu müssen. Herr Possmann hatte sich nicht nur einen Zeugen, sondern auch ein bisschen Zeit mitgenommen. Im Gespräch fiel ihm auf, dass die zeitlichen Abläufe, von denen der geldsuchende "Rotarier" berichtete, etwas absonderlich klangen. Zudem war der "Gestrandete" bereits zum zwei Kilometer entfernten Clublokal gelaufen - unglaubwürdig. Ähnliche Erfahrungen aus dem Geschäftsleben bewahrten Freund Possmann vor einer übereilten Geldübergabe. Der Betrüger verzog sich.

Rotary Magazin 3/2017

Rotary Magazin Heft 3/2017

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