Rotary Institute Madrid 2016 -

Der stimmungsvolle Ausblick aus dem Hotelzimmer in Madrid gab nur den Rahmen ab: Die Diskussionen waren anregend und drehten sich um den Nachwuchs und Zukunftsthemen. © Thomas Meier-Vehring (alle Fotos)

07.12.2016

Rotary Institute Madrid 2016 

"Do not call them young – call them Rotarians!"

Thomas Meier-Vehring

Ehemalige, amtierende und künftige rotarische Führungskräfte trafen sich vor wenigen Tagen in Madrid zum Rotary Institute, um Informationen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und Neuerungen zu diskutieren. Im Fokus stand diesmal auch die rotarische Jugend.

„Nur bei Rotary gelten 30- bis 40-Jährige noch als jung.“ Bradford R. Howard, Rotary International Direktor 2015-17, hatte sich beim Institute der Zonen 11 bis 14 sowie 17 bis 19 in Madrid vorgenommen, über die wesentlichen Entscheidungen des Board of Directors zu sprechen. Er nutzte seine 20 Minuten für eine flammenden Appell an die Rotary Clubs, sich vor allem den jüngeren Generationen zu öffnen.

Engagiert dabei: die Governor-Crew von 2017/18 und ihre Trainer © Thomas Meier-Vehring

Schon bei der Herbstsitzung des Rotaract Deutschland Komitees wenige Tage zuvor in Hattingen wurde deutlich, dass die Potenzialeliten, die Rotary in die Zukunft begleiten sollen, nicht einfach nur „Jungrotarier“ sein wollen. „Wir sind Rotaracter“ – hieß es dort selbstbewusst. Das Institut in Madrid gab diesem Selbstbewusstsein deutlichen Rückenwind: „Do not call them young – call them Rotarians“, forderte Bradford Howard. Langer Applaus des Auditoriums zeigte, dass er damit wohl auch den Nerv des mit gestandenen Rotarierinnen und Rotariern besetzten Auditoriums getroffen hatte.

Keine rotarische Nabelschau

Mehr als 400 internationale Gäste zählte das Madrider Institute, das zusätzlich einen eigenen Workshop für die Rotaracter angeboten hatte. Damit war schon vor der Eröffnungszeremonie am 26. November 2016 klar, dass es hier nicht um eine rotarische Nabelschau gehen sollte. Zweifellos sind die Leistungen unserer Clubs, der Foundation und aller weiteren Initiativen keine Randnotizen. Aber wenn wir von und mit Rotaract reden, geht es auch um die Zukunft von Rotary International.

Im Board of Directors hat man das wohl früh erkannt, denn ernste Alarmzeichen sind unübersehbar. „Wenn nur fünf Prozent der Rotaracter den Weg in unsere Clubs finden, aber gut 30 Prozent von Lions entdeckt werden, haben wir ein Problem“, wies RI President elect Ian H.S. Riseley auf eine Diskrepanz hin, die weltweit so nicht akzeptiert werden kann. „Wir müssen uns daran gewöhnen, Rotarier als Freundinnen und Freunde aufzunehmen, die womöglich jünger als unsere eigenen Kinder sind.“ -Tja, wenn das mal so einfach wäre.

Ein deutliches Zeichen verspricht Ian Riseley für seine Amtszeit als RI-Präsident ab Juli 2017: „Ich bin dafür, junge Leute in unser Board of Directors zu integrieren. Diese Anerkennung sind wir ihnen schuldig.“

Flexibilität zeigen

Auf dem Podium, von links: Ian Riseley, Howard Bradford, Florian Wackermann, Kenneth Schuppert und am Pult Jennifer Jones          © Thomas Meier-Vehring

In die gleiche Richtung appellierte Jennifer Jones, Rotary International Director und Vizepräsidentin im Board of Directors: „ Das CoL 2016 hat uns neue und inspirierende Möglichkeiten gegeben, viel Flexibilität bei der Organisation unserer Rotary Clubs zu zeigen.“ Sagte es und gab die Bühne frei für Florian Wackermann, der als Rotaracter den Vorsitz im Deutschland Komitee hatte und der seit Juli 2016 Mitglied im RC Germering ist. Später war sie mit dem Workshop der Rotaracter live im Facebook – „geht doch“, möchte man laut sagen.

Holger Knaack, Rotary International Director 2013-15 und heute in vielfältiger Mission für RI unterwegs, betonte die Pflichtaufgabe der Rotary Clubs: „Attraktive Clubprogramme finden das Interesse junger Führungskräfte. Ein warmes Mittagessen und ein Gespräch mit Pensionären reichen da längst nicht mehr aus.“ Damit bleibt heute sicher vielerorts die Frage offen, ob die Clubs für Rotaracter überhaupt noch interessant sind und eine Mitgliedschaft bei Rotary für sie das Ziel ist. „Wenn Du keinen Rotary Club findest, der zu Dir passt oder Dich kein Rotary Club entdeckt, nimm ein paar Freunde und gründe einen neuen Club. Das wird Rotary verändern“, macht er Rotaractern Mut. Und den Rotariern empfahl er: „Eine Doppelmitgliedschaft junger Leader in Rotaract und Rotary ist sehr interessant und wird schon praktiziert. Liebe Governor: Bitte unterstützt Alumnis und Rotaracter auch bei der Gründung neuer Clubs. Seid mutig und helft Rotary hier weiter.“ Notfalls müsse man dann zu gegebener Zeit die Zügel selbst in die Hand nehmen. Angenehmer Begleitumstand: „Vergesst den Spaß nicht – hier können wir von jungen Menschen viel lernen.“

In die Zukunft denken

Dabei ist der dazu notwendige Perspektivwechsel vor der Aufnahme neuer Mitglieder nach Kenneth M. Schuppert, TRF Vicechair 2016-17, eigentlich völlig normal und im Selbstverständnis unserer Serviceclubs impliziert: „Rotarier zu sein, ist wie Bäume zu pflanzen, unter denen du niemals sitzen wirst, deren Schatten dich niemals kühlen und deren Früchte Du wahrscheinlich nicht genießen kannst.“ Das Rotary Institute Madrid 2016 könnte bei späterer Rückschau in dieser Hinsicht ein weiteres zartes Pflänzchen gewesen sein.


Josephine Goetz beim Jugendworkshop
© Thomas Meier-Vehring

 Jugendworkshop Madrid

Erstmalig wurde im Rahmen des Rotary Institutes ein separater Jugendworkshop veranstaltet. Etwa 40 Rotaracter, Interacter und Rotexer dabei. Die Teilnehmer kamen aus 15 Ländern: Spanien, Polen, Belgien, Luxemburg, aus der Schweiz, den Niederlanden, der Tschechei, der Türkei, aus Rumänien, Schweden, Italien, Kroatien, Moldawien, Deutschland und den USA. Unter den internationalen Rotaractern waren auch drei junge Frauen aus Bremen, die sich engagiert an den Diskussionen beteiligten.

Das große Thema war: Was bewegt die Jugend von heute in der Zukunft? Wie können Rotary und Rotaract daran teilhaben? Auch um Jugendarbeitslosigkeit und die damit verbundene Abwanderung von Potenzialträgern sowie der Verlust an Bildung und beruflichen Fähigkeiten innerhalb einer Generation spielten in der Diskussion eine Rolle. Ebenso im Fokus: Umweltthemen.

Mit Bezug auf Rotary und Rotaract stellten sich die Teilnehmer des Jugendworkshops die Frage: Wie nehmen andere Rotary und Rotaract wahr? Wie können wir mehr Mitglieder gewinnen? Wie können wir den Nachwuchs aus Interact und Rotex besser an uns binden? Wie präsentieren wir uns dafür in den sozialen Medien?

Eine der wichtigsten Fragen war zudem auch hier: Wie kann der Übergang von Rotaract zu Rotary gelingen? Einige Erfahrungsberichte dazu zeigten Möglichkeiten und Schwierigkeiten auf.

Das Fazit der deutschen Teilnehmerinnen: "Das war ein spannendes Wochenende mit internationalem Flair und interessanten Diskussionen - dank sehr unterschiedlicher Standpunkte. Außerdem konnten wir Freundschaften schließen und vertiefen und gleichzeitig für Rotary sichtbarer werden. Nicht zuletzt gab Madrid uns die Möglichkeit, Rotaract jetzt und in Zukunft besser zu gestalten", so Josephine Goetz.
 

Rotary Magazin 2/2017

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