Meinung & Debatte - Rotary ist ansteckend

15.10.2014

Meinung & Debatte 

Rotary ist ansteckend

Martin W. Huff

Sollen Rotarier die Nadel tragen? Auf jeden Fall, sagt Martin W. Huff

Warum trauen sich eigentlich so wenige Rotarier (gemeint sind hier natürlich auch die Rotarierinnen), außerhalb der eigenen Veranstaltungen die rotarische Nadel als Erkennungszeichen zu tragen? Leider gibt es zu dem Prozentsatz der „Nadelträger“ keine zahlenmäßigen Erkenntnisse. Aber in der „Schreibphase“ für diesen Kommentar habe ich noch mehr als sonst darauf geachtet. Daher wage ich die These, dass es nicht einmal ein Drittel der Freundinnen und Freunde sind, die regelmäßig im beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld die Nadel tragen.


Ich begreife das nicht. Denn das kleine runde Rad ist bei den eigenen Veranstaltungen eher überflüssig. In der Regel kennt man sich und die Tatsache, dass man Rotarier ist, ergibt sich aus der Teilnahme an dem Meeting, der Veranstaltung. Die Nadel ist doch für die Erkennbarkeit nach außen gedacht, anders kann man dies  eigentlich nicht verstehen. Sollten hier nicht die Präsidenten bei der Aufnahme neuer Mitglieder stärker darauf hinweisen? Unbedingt! Für mich persönlich erfüllt die Nadel ihren wesentlichen Zweck gerade außerhalb des „inneren Zirkels“. Zum einen ist das regelmäßige Tragen der Nadel ein Zeichen für die persönliche Verbundenheit mit Rotary und der Überzeugung, dass die Mitgliedschaft wesentlich ist und man die Tatsache des „Rotarier-Seins“ auch bewusst nach außen dokumentieren will. Warum trauen sich dies viele Rotarier nicht? Hat man Sorge, als elitär zu gelten? Möchte man nicht erkannt werden? Scheut man sich etwa, gefragt zu werden, was die Nadel bedeutet?


Bewusst Rotarier sein
Wie oft bin ich schon unterwegs auf die Nadel angesprochen worden und hatte dadurch die gute Gelegenheit, Ziele und Aufgaben von Rotary zu erklären. Dabei habe ich am Jackett in der Regel nur eine kleine Nadel, diese reicht aus, protzen muss man nicht, und vielleicht ist das Tragen der Edelsteine tatsächlich nicht angebracht. Aber erkannt werden darf man. Wer dies nicht möchte, der ist – auch wenn es hart klingen mag – bei Rotary verkehrt. Rotary muss sich nach außen in die Gesellschaft hinein öffnen und die Rotarier müssen sich ihrer Mitgliedschaft bewusster werden. Und dazu auch stehen. Auf keinen Fall brauchen wir den Vergleich mit Unternehmen zu scheuen, deren Mitarbeiter das Logo ihres Unternehmens stolz am Jackett tragen. Und zwar nicht nur Verkäufer, Servicepersonal etc., sondern auch – wie neulich bei einem Seminar gesehen – die leitenden Syndikusanwälte eines großen Autoherstellers.


Zum anderen ist die Nadel auch das Erkennungszeichen nach außen. Wenn man, wie ich, beruflich auf vielen Veranstaltungen und Terminen unterwegs ist, hält man gerne Ausschau nach Kolleginnen und Kollegen, die die Nadel ebenfalls tragen. Dies ist ein guter und im Sinne der rotarischen Gemeinschaft wichtiger Einstieg in ein Gespräch – dadurch konnte ich schon viele Freunde kennenlernen. Auch die direkte Frage, in welchem Club man denn sei, hat mir noch niemand übel genommen. Viele Freunde haben mir bestätigt, dass man sich freue, angesprochen zu werden.


»Nadelausstattung« verbessern
Viele Bürgerinnen und Bürger tragen stolz die Abzeichen für einen verliehenen Orden, warum tun dies so wenige Rotarier? Vielleicht hinkt dieser Vergleich etwas, aber darüber nachdenken sollte jede Freundin/jeder Freund.
Finanzielle Gründe, die Nadel nicht zu tragen, gibt es nicht, denn die Kosten für weitere Nadeln sind gering, unser Club zieht einen Betrag als Spende für den Sozialfonds für jede zusätzliche Nadel ein, damit dient die – was mir auch schon passiert ist – verlorene Nadel noch einem guten Zweck. Daher sollte insgesamt auch die „Nadelausstattung“ der Freunde verbessert werden. Und sicher findet jeder auch in der großen Auswahl an Größen und Befestigungsformen die Nadel, die er am wenigsten verliert.


Natürlich muss man nicht mehrere Anstecker tragen, wenn man etwa für eine andere Organisation, zum Beispiel den Arbeitgeber, unterwegs ist. Man sollte sich aber bewusst bei jeder Gelegenheit für das eine oder andere entscheiden. Zu schildern ist auch noch ein kleines Erlebnis mit der Nadel: Ich war mit der Bahn unterwegs. Nach einem Umstieg betrat ich ein Abteil, in dem ein älterer Herr saß. Nach wenigen Minuten erkannten wir beide an unseren Nadeln, dass wir Rotarier waren, ich damals aus Hanau, er aus den USA. Wir kamen ins Gespräch – man merkt immer wieder, wie schwer man sich tut, plötzlich und unerwartet in die andere Sprache umzuschalten – und der ältere Herr traute sich dann zu fragen, ob ich wisse, wie das Umsteigen am Münchner  Hauptbahnhof funktioniere, er fühle sich hier sehr unsicher und könne vieles auch nicht mehr lesen. Nachdem ich ihm dies erklärt hatte, kam die Bitte, ob ich ihm bei dem zahlreichen Gepäck helfen könne. Er habe sich bisher nicht getraut, jemanden zu fragen, da er Sorge um sein Gepäck mit vielen wertvollen Büchern habe. Wir haben noch lange miteinander gesprochen, die Hilfe war selbstverständlich und für den Freund sehr erleichternd. Die Nadel als wichtiges Erkennungszeichen der Rotarier – wie schön.


Also: Mein Appell geht dahin, dass wir Rotarier bewusst und gewollt die Nadel nach außen als Erkennungszeichen tragen und uns damit als Rotarier zu erkennen geben und uns damit ins Gespräch bringen und für Gespräche sorgen. Wagen wir hier alle mehr, als wir es bisher getan haben.

Erschienen in Rotary Magazin 10/2014

Martin W. Huff
Martin W. Huff wurde 1959 in Köln geboren. Nach seinem Jura-Studium arbeitete er bei verschiedenen Verlagen in diversen Redaktionen und Funktionen, zuletzt als Chefredakteur und Leiter Unternehmenskommunikation. Derzeit ist Martin Huff Vorsitzender des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit und Sprecher der Rechtsanwaltskammer Köln. Das Amt des Distrikberichterstatters für D 1810 nimmt er seit Juli 2012 wahr.

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