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Porträt

"Ich bin dort Dr. Heiner"

Porträt -
Ein Jahr ohne Nepal-Besuch ist für Heiner Winker undenkbar – gerade ist er wieder unterwegs. © Martin Jehnichen

Der Unfallchirurg Karl-Heinrich Winker aus Erfurt hilft, ein Krankenhaus in Nepal mithilfe des GRVD auszubauen und Mediziner aus der Region auszubilden.

Sabine Meinert01.12.2018


Zur Person

Prof. Dr. Heiner Winker (RC Erfurt-Krämerbrücke) ist Unfallchirurg und Notfallmediziner. Er arbeitete an Krankenhäusern in Baden-Württemberg und Thüringen. Neben seinem Engagement für das Krankenhaus in Nepal organisiert er ein Kammermusikfestival im Kloster Volkenroda mit. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.


 

„Doktor Heiner …“ – An die für hiesige Verhältnisse doch recht ungewöhnliche Anrede für einen Arzt musste sich Karl-Heinrich Winker vom RC Erfurt-Krämerbrücke und eigentlich Professor erst einmal gewöhnen. Aber, so lacht der sympathische 68-Jährige: „In Nepal ist manches anders. Das ahnte ich schon – spätestens seit meiner Hochzeitsreise.“

Denn Heiner Winker – geboren in Baden-Württemberg, lange Zeit im Allgäu, am Bodensee und in Tübingen lebend –hatte bereits 1975 erste private Schritte in den Himalaya gesetzt. Über 40 Jahre später ist für ihn ein Jahr ohne Nepal-Besuch nicht denkbar. Doch das liegt weniger an bunten Gebetsfahnen, himmelhochragenden Bergen oder exotischen Bräuchen. Sondern an den Menschen und der Hilfe, die er dort anbieten kann.

Hilfe, die angehenden Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen zu einer Ausbildung verhilft. Hilfe, die Patienten nach schweren Unfällen wieder gesunden lässt. Hilfe, die medizinische Versorgung in abgelegene Bergdörfer bringt, auch nach den schweren Erdbeben 2015. Inzwischen hat der Arzt zehn mehrwöchige Aufenthalte im Himalaya hinter sich. Er packt in einem Krankenhaus in Dhulikhel nahe Kathmandu mit an, organisiert und operiert, bildet zusätzlich junge Menschen aus Nepal, Bangladesh und Myanmar aus.

„Das ist eine unglaublich erfüllende Aufgabe. Und die Menschen dort nehmen nicht nur, sie geben unglaublich viel: diese Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die andere Sicht auf die Dinge, der unvoreingenommene Austausch, das Engagement, mit dem sie ihre Aufgabe erfüllen. Jeder, der in die Region reist, wird das erleben und selbst ganz viel mitnehmen.“

Nicht nur medizinische Aufgaben

Anfang der 90er Jahre war der Orthopäde und Unfallchirurg nach seiner Habilitation in Thüringen gelandet. Damals war der Umzug in die neuen Bundesländer längst nicht selbstverständlich – und auch nicht so einfach wie gedacht, muss Heiner Winker gestehen. Inzwischen aber fühlt er sich mit seiner Familie in der Landeshauptstadt Erfurt, wo er an einem großen Krankenhaus tätig war, sehr heimisch. Schon früh fragten ihn Rotarier, ob er Gründungsmitglied des RC Erfurt-Krämerbrücke sein wolle. Er wollte, lief einige Jahre jedoch nur mit. „Neben meinem Job waren Projekte schwierig. Aber ich habe dort echte Freunde getroffen – und den German Rotary Volunteer Doctors e. V. (GRVD) kennengelernt.“ Das Engagement wuchs.

Kurz vor dem Übergang in die Rente kamen Kontakte nach Nepal zustande. Seitdem ist Heiner Winker mindestens zweimal im Jahr unterwegs dorthin – immer mit ordentlichem Übergepäck. Anfangs war darin Basismaterial: Verbandszeug, Geräte, Schienen. Heute versucht Heiner Winker, auch künstliche Gelenke oder Technik für die Schlüssellochmedizin aufzutreiben. Häufig klappt das über Firmenspenden. „Bei den Zollangelegenheiten und dem Transport ist Julia Seifert vom GRVD eine große Hilfe. Doch diesmal werde ich es wohl mit ein paar Taschen schaffen“, sagt er und weist auf einen Tisch mit medizinischen Schräubchen, Stangen zur Stabilisierung von Knochen oder Spezial-Akkus. „Auch wenn es nach wenig aussieht: Hier liegen 50.000 Euro“, macht er den Wert deutlich.

Was genauso zähle, seien jedoch Erfahrungen, deshalb liege sein Fokus zunehmend auf der Ausbildung von Personal, erklärt Winker, während er vorsichtig das Material in Päckchen und Tüten verstaut. Schon mehrfach hat er daher nepalesische Pfleger und Ärzte an sein früheres Krankenhaus in Erfurt geholt, damit sie sich weiterbilden können.

Die Erfolge dieses Austauschs sieht er dann in dem Krankenhaus in der Kathmandu-Region. „Dort in Dhulikhel können wir wirklich was bewirken“, sagt er hoffnungsvoll. Und: „Sobald wir das nach außen tragen, ist hierzulande eigentlich immer wieder jemand Neues infiziert und bereit, mitzumachen.“

Auch seine Frau begleitet ihn häufig in den Himalaya. Ursula Winker ist Allgemein­ärztin und Spezialistin für Naturheilverfahren. Sie nutzt die Aufenthalte, um Kenntnisse in traditioneller Medizin zu sammeln. „Vor allem aber unterstützt sie mich. Ihre Schwerpunkte sind mittlerweile die Krankenhausküchen – Stichwort Hygiene“, erzählt er. Zusammen mit anderen europäischen Medizinern sollen künftig zudem die Ausbildung vor Ort verstärkt und Mikrokredite angeboten werden.

Gemeinsam mit Rotariern vor Ort

Wenn Heiner Winker Zeit findet, versucht er auch mal, Freunde in der Region zu besuchen oder in den Bergen zu wandern. Demnächst steht ein Meeting im RC Dhulikhel auf dem Plan. Der will mit Regierung und Hilfsorganisationen ein neues Traumazentrum am Krankenhaus bauen. „Wichtig ist dabei: Was wollen die Nepalesen? Vieles, was uns wichtig erscheint, ist dort Luxus. Deshalb dürfen wir die einheimischen Rotarier und Projekthelfer nicht übergehen“, sagt Winker, der längst grübelt, wie er bei der technischen Ausstattung des Zentrums unterstützen kann.

Bei einem seiner letzten Besuche bescheinigten die Nepalis Heiner Winker übrigens plötzlich: „Du bist hier kein Gast mehr …“ Und nach einer Schrecksekunde: „Du bist jetzt einer von uns und daher immer willkommen.“ Ein Schmunzeln erhellt sein Gesicht – gepaart mit Vorfreude. Ab Juli 2019 ist er erst mal Governor im Distrikt 1950. Da wird die Aufgabe in Nepal sicher ein wenig abgespeckt. Aber dann …