Meine Herausforderung für dieses Jahr

Präsidentenbrief jeden Monat direkt aus Evanston
Frieden geschieht nicht von allein. Er muss bewusst und strategisch aufgebaut und in unser gesamtes Handeln integriert werden. Dazu fordere ich die rotarische Welt in diesem Jahr heraus.
Frieden ist seit Langem einer unserer Schwerpunktbereiche. Ich glaube jedoch, dass Frieden mehr sein muss als nur eine Kategorie für unsere Projekte. Er muss unsere Linse sein, durch die wir blicken müssen, wenn wir planen, anderen helfen und uns fragen, welche Wirkung wir wirklich hinterlassen wollen.
Nach der Definition des Institute for Economics and Peace stützt sich der positive Frieden auf acht Säulen: eine gut funktionierende Regierung, ein intaktes Wirtschaftsumfeld, die gerechte Verteilung von Ressourcen, die Akzeptanz der Rechte anderer, gute Beziehungen zu Nachbarn, den freien Informationsfluss, den hohen Grad an Humankapital und den niedrigen Grad an Korruption. Diese Säulen beschreiben die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden. Und beim genauen Hinschauen sehe ich darin ein gewaltiges Potenzial für Rotary. Nicht, weil unser Engagement automatisch zum Frieden beiträgt, sondern nur, weil wir gezielt darauf hinarbeiten.
Potenzial bewusst aufdecken
Ein Wasserprojekt allein schafft noch keinen Frieden. Wenn das Wasserprojekt aber mit Blick auf die Säulen des positiven Friedens konzipiert wird und die Frage in den Mittelpunkt stellt, wie ein gerechter Zugang zu Ressourcen das Vertrauen in der Gemeinschaft stärkt, legt es das Fundament für den Frieden. Ein Berufstrainingsprogramm ist keine Garantie für Versöhnung. Wenn es aber zerstrittene Gemeinschaften bei gemeinsamen wirtschaftlichen Möglichkeiten zusammenbringt, legt es den Grundstein für diese. Das Projekt ändert sich nicht. Die Intention dagegen schon.
In Kolumbien demonstriert dasRotary-Programm „Pathways to Peace and Prosperity in Colombia“, wie dies in der Praxis aussieht. In Gemeinwesen, die von jahrzehntelangen bewaffneten Konflikten und Vertreibung geprägt sind, verbindet das Programm wirtschaftliches Empowerment mit Konfliktlösungstrainings und einer von den Kommunen ausgehenden Versöhnung. Frieden war kein erhoffter Nebeneffekt. Sondern ein zentralerAspekt des Projektdesigns. An diesem Maßstab sollten wir uns alle orientieren.
Es geht nicht darum, das zu ändern, was wir tun. Sondern darum, wie wir es tun
Ich möchte Sie bitten, bei der Planung Ihres nächsten Projekts, egal in welchem Schwerpunktbereich, einen Moment innezuhalten und sich folgende Frage zu stellen: Wie schaffen wir damit die Bedingungen für den Frieden? Sehen Sie sich die Säulen des positiven Friedens an. Finden Sie die Schnittpunkte Ihrer Arbeit. Und stellen Sie diese dann bewusst her. Teilen Sie Ihre Erkenntnisse mit Ihrem Club, Ihrem Distrikt und Ihrem Gemeinwesen. Je mehr wir über den Frieden als eine Praxis und nicht als ein Ziel sprechen, desto selbstverständlicher wird er unser gesamtes Handeln prägen.
Es geht nicht darum, das zu ändern, was wir tun. Sondern darum, wie wir es tun: mit mehr Bewusstsein, mehr Zielstrebigkeit und einer klareren Vorstellung von der Welt, die wir gestalten wollen. Jedes Rotary-Projekt birgt dieses Potenzial. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potenzial aufzudecken – nicht zufällig, sondern bewusst.
Ihr Yinka
Lesenswert:
Reden und Aktuelles von RI-Präsident Olayinka H. Babalola auf
rotary.org/office-president





