„Dörfer bekommen eine Zukunft“

Wasserprojekte sind die Basis für jede Gemeinde-Entwicklung – ein Beispiel: Wer das Global-Grant-Projekt der Distrikte 1830 und 3131 im indischen Maharashtra besucht, erlebt unmittelbar, was Wasser bewirken kann: Entwicklung, Selbstvertrauen, eine neue Zukunftsperspektive.
Die vielen strahlenden Gesichter der Dorfbewohner sind kein höfliches Ritual, sondern Ausdruck echter Veränderung. Mehr als 80 Prozent der Clubs in D1830 haben dieses Projekt unterstützt – und die Wirkung ist weit größer als die knappe halbe Million Dollar, die investiert wurde. Entscheidend ist das, was die Menschen vor Ort spüren: eine gestärkte Lebensgrundla-ge und die Erfahrung, selbst wieder etwas bewirken zu können.
Der Ursprung dieser Dynamik liegt im Jahr 2007, als im Großraum Stuttgart der Arbeitskreis Wasser gegründet wurde. Unter der Leitung zunächst von Christian Gehring und ab 2016 von Hans Mehlhorn entwickelte er sich zu einem Kompetenzzentrum für nachhaltige Wasserprojekte – vom Wasserrucksack Paul über Brunnenbauten und Staubecken und Wasserversorgung für Schulen bis hin zu edukativen Wasserläufen in Deutschland. Hier wurde gelernt, diskutiert, hinterfragt und technische wie soziale Expertise aufgebaut.

Auf diesem Fundament entstand die Idee für ein umfassendes Projekt in Indien. Die Herausforderung in Maharashtra ist typisch. „Während der dreimonatigen Monsunzeit fällt zu viel Wasser, danach herrscht monatelange Trockenheit“, erklärt Sunil Gokhale vom RC Pune Metro. Die Lösung: Regenwasser in Becken speichern, Hangrinnen anlegen, Erosion stoppen und neue Anbauflächen schaffen. Ergänzt durch Agroforstsysteme, Solarpumpen und den Test ertragreicher Reissorten entsteht ein Kreislauf, der Einkommen schafft und Perspektiven zurückbringt. Kinder bleiben im Dorf, Gemüse wird auf Märkten verkauft, und aus neuem Mut entstehen weitere Initiativen – etwa eine Wanderbibliothek oder ein kleines Dorfbüro als administratives Zentrum. „Dank Rotary bekommen diese Dörfer wieder eine Zukunft“, sind sich Narendra Pal Singh Bakshi und Kailash Monga vom RC Pune einig.
Beeindruckend ist auch die lokale Organisation: Jede Aufgabe wird doppelt besetzt. Wer heute unterstützt, übernimmt morgen Verantwortung. Ein solidarisches Lernsystem, das bei den Projektbesuchen eindrucksvoll demonstriert wurde. Die indischen Partnerclubs, insbesondere aus dem Stadtbezirk Pune, sowie die Fachorganisation WOTR waren dabei neben weiteren Impulsgebern unverzichtbare Partner.
Entscheidender Hebel
Nicht jedes Projekt muss diese Größe haben – aber dieses kann beispielhaft auch für andere Distrikte sein. Hier zeigt sich, dass Wasser immer ein positiver Hebel für Entwicklung, für Gerechtigkeit und für Frieden ist.
Um die wachsende Erfahrung noch besser zu nutzen, richtet sich der Arbeitskreis Wasser im Distrikt derzeit neu aus. Die Wirkung inländischer Bildungsprojekte, internationaler Wasserkreislauf‑Projekte und einer systematischeren Vernetzung mit Partnern wie Wasser ohne Grenzen wird weiter ausdifferenziert. Ein Expertenteam soll Clubs schnell und kompetent zu Finanzierung und Machbarkeit beraten. Die Vortragsthemen reichen von Projekt-Updates über Wassertechnik bis hin zu globalen Zusammenhängen wie Klimawandel oder Weltethos als moralischer Kompass rotarischen Handelns. Eines zeigt sich klar: Wasser ist mehr als ein isoliertes Projektfeld. Es ist der Anfang von Entwicklung – und im Distrikt 1830 beginnt gerade das nächste Kapitel dieser Arbeit.























