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Puppentheater im Erzgebirge

von Petra Zönnchen | 
 |  Lesezeit: 4 Minuten

Ein Wander-Puppentheater über das Leben der berühmten Erzgebirgerin Barbara Uttmann

Das Rotary Magazin vom April beschäftigte sich mit dem Thema Puppentheater und der alten Kunst des Puppenspiels. Auch im Erzgebirge entwickelte sich diese Kunst über die Jahrhunderte. Bis heute ist das Puppenspiel lebendig – und begibt sich auf Wanderschaft. Man kann es mieten für eine kurzweilige „Geschichtsstunde der anderen Art”. Denn häufig werden damit besondere Ereignisse und Lebensgeschichten der Region dargestellt.

Erz und Spitze

„Ein Leben für Erz & Spitze” heißt es zum Beispiel im Figurentheaterstück über die Erzgebirgerin Barbara Uttmann. Darin werden die Zuschauer zurück in die Renaissance versetzt, wo sie auf den Spuren einer außergewöhnlichen Frau wandeln können.

Zu Uttmanns Lebzeiten blühte der Bergbau im Erzgebirge, neue Städte wurden gegründet – so auch das heutige Annaberg-Buchholz, bekannt durch das Wirken des Rechenmeisters Adam-Ries.

Das Stück über Barbara Uttmann zeichnet den Lebensweg dieser Frau nach. Um das Jahr 1525 zieht die Familie der sechsjährigen Barbara nach Annaberg, wohin der Vater Heinrich als wohlhabender Bergherr vom Kurfürsten, als Bergzehntner berufen wurde. Dort angekommen hilft Mali, Tochter der Annaberger Hebamme ihnen im Durcheinander des Umzugs und wird zur lebenslangen Freundin und unverzichtbaren Verbündeten der jungen Barbara.

Mit Wissen als Basis

Diese erkämpft sich einen Platz in der Rechenschule von Adam Ries und lehrt Mali ebenfalls heimlich das Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Mädchen erlernen das Entwerfen und Weben von Borten, wie sie im Erzgebirge in dieser Zeit häufig hergestellt werden.

Die 14-jährige Barbara lernt den etwa 20-jährigen Montanunternehmer und Textilhändler Christoph Uttmann kennen und heiratet ihn mit 15. Sie bekommen zwölf Kinder und Barbara baut nebenher ein Verlagssystem für ihre Spitzen und Borten auf, erfahren die Zuschauer im Puppentheater.

Die Familie investiert in die Saigerhütte Grünthal bei Olbernhau, welche das Monopol zur Verhüttung von Kupfer hat. Auch während der Religionskriege können Christoph und Barbara sowohl ihren Besitz als auch das Kupfermonopol behaupten und den Bortenhandel ausbauen.

Allein weiter mit neuen Ideen

Im Alter von 42 Jahren verunglückt Christoph Uttmann im Berg und Barbara wird mit 37 Witwe. Gemeinsam mit ihren ältesten Söhnen Paul und Heinrich behauptet sie ihre Stellung als Montanunternehmerin und erreicht 1595 die Verlängerung des Kupfermonopols.

Durch die Relegionskriege kam das Klöppeln, das sogenannte „Flandrische Flechten“ auch ins Erzgebirge. Das Stück erzählt, wie durch eine im Hause Uttmann aufgenommene Brabanterin, das Klöppeln nach Annaberg kam. 

Als die Silbergruben nicht mehr schütteten, brachte Barbara Uttmann als Verlegerin von Borten und Spitzen mit der neuen Handarbeitstechnik wieder Arbeit und Brot in die Region. Durch das Klöppeln auf der Rolle, basierend auf den bekannten Grundschlägen, konnten meterlange Spitzen schneller hergestellt werden. Als Unternehmerin beschäftigt sie ab 1561 bis zu 900 Klöpplerinnen, denen sie das Material liefert und die gefertigten Waren abkauft. Sie stirbt als reiche, vielgeehrte Frau, mit Mali an ihrer Seite, zeigt das Puppenspiel.

Ein Highlight für die Besucher: Im Anschluss an das Stück ist es möglich, die 14 Figuren anzufassen und die Stabpuppen hautnah kennenzulernen.

Einzigartige Handwerkskunst

Ziel der Organisatoren des Puppentheaters ist es, Atmosphäre und Reichtum der erzgebirgischen Handwerksschätze zu zeigen. So entstand die Idee für das Stück. Ab Juni 2023 wurden Puppenköpfe gefilzt, Kleider genäht, Kulissen und Hintergründe gebaut und ein altes Puppentheater restauriert. Insgesamt elf Kinder, Jugendliche und Erwachsene – Praktikanten und Profis – engagierten sich bis zur Uraufführung am 12. April 2025.

Der Förderverein Barbara-Uttmann-Haus e.V. will zudem mit dem Erhalt und der Pflege ihres Wohnhauses am Markt in Elterlein ein Stück Ortsgeschichte bewahren. Ein Denkmalschutz-Gutachten ergab, dass das Haus äußerst wertvoll ist, weil es Zeitzeugnisse über die Jahrhunderte ab 1500 enthält. Eine Restaurierung geht langsam, aber stetig voran.

Getanztes Kapitel

Und am Thema Barbara Uttmann wird weitergearbeitet, zum Beispiel innerhalb des Großprojektes „Barbara Uttmann – Tanzbild in drei Akten”. Es stellt die Entwicklung vom Weben und Flechten zur Klöppelspitze dar. Die erfahrene Choreographin Claudia Mutze, die auch klöppeln kann, fand dafür ausdrucksstarke, tänzerische Bewegungen und Bilder. Im Hintergrund entsteht dabei ein riesiges geklöppeltes Muster.

Außerdem wird gezeigt, wie Barbara Uttmann mit Erz und Spitze an den Dresdner Hof geht: 1559 muss sie ihr Kupfermonopol gegenüber dem Kurfürsten behaupten und Absatz für ihre Borten und Spitzen finden – ein 14-minütiges Tanzbild mit 18 Tänzerinnen zwischen 6 und 70 Jahren. Das Finale zeigt die Episode „Barbara Uttmann im Weihnachtsland Erzgebirge – alles kommt vom Berge her“.

Dieses Projekt, das die Entwicklung der erzgebirgischen Textilindustrie bis in die Gegenwart darstellt und sowohl Schnitzen/ Holzkunst, Bergbau, Klöppeln und böhmische Glasperlen miteinander zu einem Weihnachtstanz verbindet, soll seine Premiere am 4. Dezember 2026 im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz feiern.

Petra Zönnchen

Inner Wheel Club Chemnitz-Erzgebirge
(Ehefrau von Dr. Andreas Zönnchen, RC Annaberg-Buchholz)

Foto: privat

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