Rotary in Wisconsin – anders und doch vertraut

Wie unterschiedlich kann dieselbe rotarische Idee gelebt werden? Besuch bei einem Club in Wisconsin/USA, der eng mit seiner Gemeinde verbunden ist. Besonders in der Projektarbeit, den Meetings und im Selbstverständnis des Präsidenten wurden Unterschiede sichtbar – aber auch Gemeinsamkeiten
Vier Meetings, vier Themen – und ein klares Bild davon, wie Rotary in den USA gelebt wird. Während eines Familienaufenthalts in Fond du Lac, Wisconsin, besuchte ich im Juli und Anfang August 2026 den örtlichen Rotary Club. Der Club zählt rund 70 Mitglieder und trifft sich wöchentlich. Bei vier Meetings erlebte ich einen amerikanischen Club, der eng mit seiner Gemeinde verbunden ist. Besonders in der lokalen Projektarbeit, in den Meetings und im Selbstverständnis des Präsidenten wurden Unterschiede sichtbar – aber auch überraschend viele Gemeinsamkeiten.

Schon beim ersten Treffen fiel mir die starke Verankerung des Clubs in der örtlichen Gemeinschaft auf. Auf der Tagesordnung standen Gesundheitsvorsorge, Musikunterricht und Sportpsychologie. Wegen einer kurzfristigen Tornadowarnung musste das Meeting vorzeitig beendet werden. Ca. 60 km nördlich von Fond du Lac richtete ein Tornado erhebliche Schäden an.
Bemerkenswert war für mich die Eröffnung mit einer „Invocation“, einem kurzen überkonfessionellen Gebet, sowie dem „Pledge of Allegiance“, dem Treuegelöbnis auf die amerikanische Flagge. Diese Form war für mich ungewohnt, passte jedoch zum amerikanischen Verständnis von „Service Above Self“.
Beim zweiten Meeting im Fond du Lac Golf Club ging es um konkrete Unterstützung vor Ort. Vertreter einer Grundschule und einer Musikschule berichteten über ihre Arbeit; der Club überreichte beiden Einrichtungen Spenden. Ein Vortrag zur Krebsversorgung zeigte ebenfalls die enge Verbindung des Clubs zu lokalen Institutionen.

Beim dritten Treffen durfte ich über die Stadt Potsdam und den RC Potsdam berichten. Die anschließenden Fragen führten zu einem lebhaften Austausch über Gemeinsamkeiten und Unterschiede.
Kurz vor meiner Abreise nahm ich an einem vierten Treffen teil. Den Hauptvortrag hielt Craig Culver, Unternehmer und Mitgründer der Restaurantkette Culver’s. Er vermittelte eindrucksvoll den Unternehmergeist, wie er in den USA gelebt wird. Eine besondere Ehre war für mich die Verleihung einer Ehrenmitgliedschaft im Rotary Club Fond du Lac.

Gerade bei der unmittelbaren Arbeit für die Gemeinde wurde für mich ein wesentlicher Unterschied sichtbar. Der RC Fond du Lac versteht sich als aktiver Gestalter in seiner Kommune: Fundraising, Projektentwicklung und Umsetzung liegen eng beieinander. Vereinfacht gesagt: „What can we do for our community?“ Deutsche Clubs erlebe ich demgegenüber häufiger als Förderer und Unterstützer. Ihre besondere Stärke liegt in internationalen Kontakten, langfristigen Clubpartnerschaften und im internationalen Dialog.
Auch die Rolle des Präsidenten wirkte in Fond du Lac stärker als die eines Organisators und Motivators, der Mitglieder zusammenführt und Aktivitäten anstößt. In Deutschland kommt häufig eine stärker repräsentative Funktion hinzu.
Mein Fazit: Kein Modell ist besser als das andere. Beide verkörpern dieselbe rotarische Idee, setzen jedoch unterschiedliche Schwerpunkte. Die amerikanische Stärke des unmittelbaren Handelns in der lokalen Gemeinschaft und die deutsche Tradition der Internationalität und langfristiger Beziehungen können sich hervorragend ergänzen. Der Besuch hat mir gezeigt, wie bereichernd es ist, die eigene Clubkultur einmal mit den Augen eines anderen Rotary Clubs zu betrachten.




























