Iran-USA-Deal: Das Schlimmste ist eingetreten

Spätestens mit der Absichtserklärung zwischen den USA und dem Iran ist die Hoffnung auf einen Regimewechsel erloschen. Die Islamische Republik geht als Sieger aus dem Konflikt hervor. Was macht diese bittere Realität mit den Menschen, die so sehr auf Freiheit gehofft hatten?
Es ist ein Schlag ins Gesicht der Iraner – anders lässt sich der Deal zwischen den USA und dem Iran nicht beschreiben. Ein Verrat an der Freiheit, an der Menschenwürde und letztlich ein Stich ins Herz aller, die so sehr auf ein Ende der Unterdrückung gehofft hatten – allen voran die iranische Zivilbevölkerung. Mal wieder wurde mit dem islamischen Regime verhandelt. Nach drei Monaten Krieg hat man sich wieder einmal geeinigt. Geeinigt mit jenen Terroristen, die noch Anfang des Jahres bis zu 18.000 Menschen aus der Bevölkerung getötet, Unzählige zum Tode verurteilt und hingerichtet haben. Ein Verrat an uns allen.
In den Verhandlungen ging es nie um die Zivilbevölkerung, nie um ihre Sicherheit oder Freiheit. Immerzu werden wir zu Beobachtern dessen, wie auf internationaler Ebene über die Köpfe der Bevölkerung hinweg politische Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen, die nicht mal mehr den Anschein erwecken wollen, den Menschen im Land zu helfen.
Derweil versucht Donald Trump, diesen Deal als Erfolg zu verkaufen. Dabei sind sich Experten einig, dass dieser Pakt das schlimmstmögliche Szenario darstellt: Das islamische Regime geht nun gestärkt aus den Auseinandersetzungen hervor. Wenn alles nach Plan läuft, erhält es wieder Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten. Die USA werden die Sanktionen fallenlassen. Und als wäre das alles nicht schon bitter genug, werden dem Iran auch noch 300 Milliarden US-Dollar zugesichert – angeblich als Wiederaufbaufonds. Wer das Regime kennt, weiß, dass dieses Geld die Bevölkerung niemals erreichen wird. Es wird einzig in die Stärkung des Machtapparats fließen. Die Menschen, deren Existenz durch den Krieg zerstört wurde, werden von dieser Summe keinen Cent sehen. Das ist sicher.
Wenn ich heute mit Menschen im Iran telefoniere, versuche ich politische Themen, insbesondere den Krieg, bewusst zu meiden. Zu groß ist die Angst, abgehört zu werden – offene, freie Gespräche sind nahezu unmöglich. Die Angst vor dem Regime ist allgegenwärtig. Und um ehrlich zu sein, spielt auch Scham in dem Gefüge eine große Rolle: Worüber soll ich mit Menschen reden, die von Krise zu Krise gehetzt und von allen Seiten verraten wurden? Unser Leben in Europa ging und geht einfach weiter. Über Schönes zu erzählen, fühlt sich falsch an; über vermeintliche Alltagssorgen zu klagen, wirkt lächerlich. Menschen, die in einer Diktatur und im Kriegszustand leben, von erhöhten Benzinpreisen und der deutschen Inflation zu berichten, ist an Absurdität kaum zu übertreffen. Unsere Gespräche wabern an der Oberfläche – zwischen belanglosem Smalltalk und unangenehmem Schweigen. Dazwischen meine ich zu spüren, wie wir alle diese unerträgliche Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen erleben. Und wie wenig uns eigentlich davon trennt, in Freiheit und Sicherheit zu leben.
Vielleicht waren wir blind. Nicht blind vor Liebe, sondern blind vor lauter Hoffnung. Als uns die Aufnahmen der Proteste Anfang des Jahres erreichten, gaben uns die mutigen Menschen vor Ort Kraft. Massenproteste in dieser Form und Größe gab es seit Bestehen der Diktatur noch nie. Wenn nur genug Menschen auf die Straße gehen und sich gegen die Mullahs wehren, dann fällt das Regime – so lautet das gängige Narrativ, wonach der Wandel von innen kommen muss. Doch es hat nichts gebracht. Die Proteste endeten im Blutbad.
Deshalb waren die Angriffe seitens der USA und Israels, so makaber es klingen mag, der letzte Funken Hoffnung. Obwohl wir alle wussten, dass weder Trump noch Netanyahu das Wohl der Bevölkerung im Auge hatten. Es war eine emotionale Zerreißprobe: mitanzusehen, wie die eigene Heimat bombardiert wird, und sich im selben Moment insgeheim darüber zu freuen. Verzweiflung und Hoffnung sind eine ungesunde Mischung – sie machen blind.
Nach der Tötung Chameneis gab es immer weniger Anlässe, die uns hoffen ließen. Zu groß waren die Enttäuschungen, zu schwach die Unterstützung aus dem Ausland. Auch nur an ein befreites Iran zu denken, wiegt schwer. Haben wir uns also geirrt? Geirrt in der Annahme, dass ein Krieg das Land tatsächlich befreien könnte? Oder waren wir töricht? Töricht zu glauben, wir hätten nach all den Jahren der Unterdrückung und des Schmerzes überhaupt ein Recht auf Freiheit? Oder haben wir die Islamische Republik schlicht unterschätzt?
Gebeutelt von den Ereignissen der letzten Monate und Jahre, ist jetzt, mit dem Deal, der traurige Tiefpunkt erreicht. Wir müssen der Realität ins Auge blicken und anerkennen, dass selbst die Weltmacht USA gegen diese Tyrannen keine Handhabe zu haben scheint. Es ist einfach vorbei. Game over.
Wenn ein Regimewandel weder von innen noch von außen umsetzbar ist – wohin dann mit all der Hoffnung? Eigentlich frage ich mich aktuell nur noch eines: Wohin nur mit all dieser Liebe für ein Land, das auf unabsehbare Zeit gefangen bleibt?
Delara Moghaddam
ist Studentin der Politikwissenschaften und Iranerin. Durch den Kontakt zu Familie und Freunden kann sie authentische Informationen aus der Islamischen Republik sammeln und weitergeben.


























