Editorial

Die Wunderfrauen

von Björn Lange | 
 |  Lesezeit: 2 Minuten

Die Bundesrepublik hat viele Gründungsmythen. Sie handeln von Konrad Adenauer, Berthold Beitz, Ludwig Erhard oder dem Wunder von Bern. Fast immer sind es Männer, die das Bild der 1950er Jahre prägen. Dabei wäre das Wirtschaftswunder ohne Unternehmerinnen, Künstlerinnen, Juristinnen, Schriftstellerinnen und Sportlerinnen kaum denkbar gewesen.

Sie gaben dem Land nicht nur ein neues Gesicht, sondern machten Deutschland auch jenseits seiner Grenzen wieder anschlussfähig. Die Titelstrecke der vorliegenden Ausgabe erzählt von ihnen.

Den Auftakt macht die Schriftstellerin Ute Dahmen mit einer Frau, die den Aufbruch jener Jahre verkörpert wie kaum eine andere: Aenne Burda. Ihr Name steht nicht nur für einen erfolgreichen Modeverlag, sondern für den Mut, gesellschaftliche Konventionen hinter sich zu lassen und unternehmerisch Neuland zu betreten – in einer Zeit, in der verheiratete Frauen ohne Zustimmung ihres Mannes nicht einmal ein eigenes Bankkonto eröffnen konnten (Seite 34).

Dass diese Wunderfrauen viele Gesichter hatten, zeigen auch die folgenden Beiträge. Hans-Jürgen Syberberg erinnert an die echte Romy Schneider – an die Frau hinter der Ikone, die er in einem lange verschollen geglaubten Film festhielt (Seite 42). Und Knut Teske folgt dem kometenhaften Aufstieg Elke Sommers, die als „Fräuleinwunder“ zunächst Italien und dann Hollywood eroberte – und mit ihrem Erfolg zugleich das Bild eines neuen Deutschlands in die Welt trug (Seite 47).

Eine kleine Anekdote aus dem Redaktionsalltag wollen wir Ihnen nicht verschweigen: Für diese Ausgabe hatten wir uns vorgenommen, möglichst ausschließlich Autorinnen zu gewinnen. Das schien bei diesem Thema nur folgerichtig. Doch wieder zeigte sich eine Erfahrung, die wir in der Redaktion seit Jahren machen: Frauen sagen häufiger ab – nicht aus Desinteresse, sondern aus zeitlichen Gründen. Männer dagegen sagen signifikant häufiger und schneller zu, trotz voller Terminkalender. So kommt es, dass ausgerechnet unsere Hommage an außergewöhnliche Frauen auch von einigen außergewöhnlichen Männern mitgetragen wird.

Nicht nur im amerikanischen Heimatmarkt verliert Rotary Mitglieder, sondern auch in weiten Teilen Europas. Während um uns herum die Zahlen in vielen Ländern stark rückläufig sind, verzeichnen Deutschland und Österreich noch ein hauchdünnes Wachstum. Doch ein Land zeigt der Rotary-Welt neuerdings, wie es wirklich funktioniert: Italien. Ausgerechnet Italien? Wir wollten wissen, ob der enorme Zulauf mit dem „Francesco-Arezzo-Effekt“ zu begründen ist oder ob System dahintersteckt. Eine Woche lang reiste Redakteur Florian Quanz durchs Land. Seine beeindruckende Reportage über Herz, Emotionen und Identifikation lesen Sie ab Seite 12.

Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht

Björn Lange
Chefredakteur

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